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Fotos: Cib, InfoSchlumpf
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Westfalia wie gelähmt
Leidenschaftsloser
Alibi-Kick wird mit einer 1:4-Klatsche bestraft. Rückstand schon
nach drei Minuten. Bautz wehrt Strafstoß ab, Behrend sieht die
Ampelkarte. Delbrücks Wiebusch trifft dreimal.
Rumms, das saß. Heftig abgewatscht vom Delbrücker SC, schlichen die
Spieler des SC Westfalia nach einem leidenschaftslosen Alibi-Kick
bedröppelt vom Rasen am Laumeskamp. Und nun steht sie im Raum, die
Frage, die alle vermeiden wollten und die ohnehin niemand
beantworten kann. Hat der Lizenzschock die Glieder so gelähmt? Oder
war es der unglückliche Auftakt mit einem unhaltbar abgefälschten
Freistoßtor gleich in der dritten Minute, der die Schulz-Elf aus den
Stollen kippte? Jeder Spieler, jeder Fan wird seine eigene Meinung
haben. So wie Trainer Frank Schulz, der seinen Jungs den Willen
nicht absprechen wollte. "Aber wenn nur drei, vier Spieler den
Schalter nicht umlegen können, ist das eben zu wenig. Fußball ist
auch Kopfsache, und dieses Spiel haben wir im Kopf verloren."
Die Schulz´sche These, seine Mannschaft hätte in dieser Verfassung
auch gegen jeden Landesligisten verloren, provozierte allerdings
einen verbalen Konter. "Und wir hätten mit dieser Leistung jeden
anderen Oberligisten auch geschlagen", meinte DSC-Trainer Roger
Schmidt. So hat halt jeder seine Wahrheit.
Fakt jedenfalls ist: Westfalia ließ in Delbrück alles vermissen, was
die Mannschaft sonst so stark macht: Bedingungslosen Einsatz,
Kompaktheit und Teamgeist. Das Ergebnis war eine auch in dieser Höhe
absolut verdiente Niederlage.
Es hätte sogar noch schlimmer kommen können. So wehrte Olli Bautz
einen vom indisponierten Dominik Behrend verursachten
Raschke-Elfmeter mit einer tollen Parade ab (22.), hielt auch sonst,
was zu halten war. Bei Wiebuschs Freistoß zum 2:0 sah der SCW-Keeper
zwar unglücklich aus, aber auch dieser Ball war leicht abgefälscht
und erwischte Bautz so auf dem falschen Fuß (41.).
Vier Minuten später ließ der von Norman Seidel kaum zu
kontrollierende Wiebusch seinen zweiten Streich folgen. Dabei stand
die komplette Herner Deckung tatenlos Spalier. So war die Messe
schon zur Halbzeit gelesen.
Der Rest war Zugabe für die stillen Genießer in Schwarz-Weiß. Erst
als die Herner Fans auch ihre "Wir-wollen-euch-kämpfen-sehen"-Rufe
eingestellt hatten und sich in Galgenhumor flüchteten, hatten die
Delbrücker im Schmuckkästchen AM-Stadion auch stimmlich die
Platzhoheit. Zu feiern hatten sie einen echten Helden: Raffaele
Wiebusch. Kaum war Herne nach Behrends Ampelkarte in Unterzahl,
drehte der quirlige Stürmer mit dem Hinterkopf eine Kuhn-Flanke zum
4:0 ins lange Eck und machte seinen Dreierpack perfekt.
Doch da hatten sich die Herner längst in ihr Schicksal ergeben.
Ziemlich emotionslos spielten sie ihren Stiefel herunter, rafften
sich zwar zu einigen wenigen ansprechenden Aktionen auf, schienen
aber in erster Linie den Schlusspfiff herbeizusehenen. Das Ehrentor,
von Sami El-Nounou per Handelfmeter erzielt, war für die lange
Rückfahrt auch kein rechtes Trostpflaster. "Über dieses Spiel werden
wir reden müssen. So kann es in den nächsten Wochen nicht
weitergehen", kündigte Frank Schulz klare Worte an.
Delbrücker SC - SC
Westfalia Herne 4:1
Tore: 1:0 (3.)
Hansjürgen, 2:0, 3:0, 4:0 (41., 45., 73.) Wiebusch, 4:1 (86.)
El-Nounou (11m).
DSC: Thiel - Schwanebeck, Capretti, Hansjürgen, Riemer - Welker (83.
Eckel), Mesic, Plucinski, Kuhn - Raschke (68. Wiens), Wiebusch (81.
Fulhorst).
SCW: Bautz - Neumann - Seidel, Baum - Barton, Gebauer (77. Urbainski),
Köse (59. Makarchuk), Tahiri, Behrend - El-Nounou, Erzen (83.
Oerterer).
SR: Claas Steenebrügge (Bochum).
Zuschauer: 525.
Gelb/Rot: Behrend (67.).
11.03.2007 Von Wolfgang Volmer |
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