| |
Fotos: Cib, InfoSchlumpf,
Jürgen A., Froese, Jelitto, Roland S., Tobi Bärmann
Fenster schließen
Großer Kampf -
Oberligist Westfalia
Herne bringt die Profis des Zweitligisten Erzgebirge Aue an den Rand
einer Niederlage. El-Nounou gelingt der umjubelte Ausgleich, doch
kurz vor Schluss schlägt Aue eiskalt zu.
Schluss, Aus, verloren. Sven Barton, Michael Baum, Norman Seidel
sanken zu Boden. Erschöpft, völlig ausgelaugt nach einem großen
Pokalkampf im Stadion Schloss Strünkede. Ein, zwei Minuten hockten
Westfalias Spieler auf dem Rasen, starrten enttäuscht zum blauen
Himmel, zum Boden, zur Tribüne. Trainer Frank Schulz war da schon
auf dem Weg zu ihnen, gratulierte dem Trainer der Gäste, Gerd
Schädlich, klopfte seinen Jungs auf die Schulter - und dann gab die
Tribüne den Ton vor: "Herne ist viel schöner als Berlin", sangen die
Fans mit einer Inbrunst, dass der Frust aus den Gesichtern ihrer
müden "Helden" langsam wich, dass den Spielern klar wurde: Sie haben
eine große Leistung vollbracht, "darauf können wir auch stolz sein",
fand Torwart Oliver Bautz die treffenden Worte.
Die Party ging in die Verlängerung: Die Spieler verneigten sich vor
den blau-weißen Fans, die sie feierten wie Sieger. Rund 7000
Zuschauer sorgten für eine tolle Kulisse - und die Oberliga-Kicker
für ein tolles Spiel. "Ein Riesenkompliment an das Publikum und
meine Mannschaft", brachte Coach Schulz später den Hit auf den
wichtigsten Nenner. Um den zweitwichtigsten Aspekt nicht zu
verschweigen: "Auch wenn ich natürlich vom Ergebnis ein bisschen
enttäuscht bin."
Enttäuscht, weil die Sensation bis zum Schlusspfiff drin war, weil
"die Herner über sich hinausgewachsen sind", wie Gerd Schädlich es
formulierte.
Von Beginn an rannten die Herner, wie man es von einem krassen
Außenseiter im Pokal kennt. Angepeitscht vom Publikum kauften sie
den viel zu lässig agierenden Sachsen den Schneid ab. Nur Marco
Kurth hatte eine Chance (10.), auf der anderen Seite verpasste Erzen
knapp. Für Zündstoff und noch mehr Optimismus auf den Rängen sorgte
der Platzverweis für Aues Henrik Liebers kurz vor der Pause: Hatte
er zunächst Gelb gesehen, weil er Michael Erzen nur durch Halten
stoppen konnte, gab es die zweite Karte wegen einer ähnlichen Szene.
Diesmal war Kapitän Sami El-Nounou, der nach seiner Bänderdehnung im
Schultereckgelenk mit Schmerzen spielte, zu schnell für den Profi.
Doch in Unterzahl war Aue präsenter - und schlug gleich nach dem
Wechsel ganz cool zu: Oliver Bautz unterlief eine Flanke, David
Siradze köpfte ein - das 0:1. Kurz darauf forderten alle Fans einen
weiteren Platzverweis, als an der Tobias Urban an der Seitenlinie
mit Aues Siradze aneinandergeriet. Urban fiel, doch Schiedsrichter
Kuhl gab dem Georgier nur Gelb (55.).
Herne aber gab unbeeindruckt weiter Gas, drückte, erspielte sich
Chancen. Die beste vergab zunächst El-Nounou nach Flanke von Sven
Barton, der die Profis mit seinen Sololäufen über die rechte Seite
mehrmals ins Stolpern brachte. Doch dann war der Kapitän da: Nach
einer Ecke von Urban brachte El-Nounou den Ball mit dem Knie
irgendwie ins Netz. 1:1 - hochverdient. Das Stadion kochte.
Gänsehaut-Atmosphäre pur.
Doch mitten rein in die Euphorie schlug Aue im Stile einer echten
Profi-Mannschaft eiskalt zurück. Nach einer Ecke träumte die
SCW-Abwehr wohl noch vom Ausgleich, Mirja Schäfer vollstreckte
volley zum 1:2 (84.). Das Aus für die Herner.
Bitter verloren hatten sie - und doch gewonnen: die Herzen der Fans.
Westfalia Herne - FC
Erzgebirge Aue 1:2 (0:0)
Tore: 0:1 (48.) Siradze,
1:1 (81.) El-Nounou, 1:2 (84.) Schäfer.
Westfalia: Bautz - Urbainski - Baum, Seidel - Barton, Sürgit, Urban,
Köse (86. Behrend), Makarchuk - El-Nounou, Erzen.
Aue: Keller - Kos, Emmerich, Liebers - Brecko, Kurth, Jungwirth (57.
Schäfer), Trehkopf - Curri (75. Dostalek), Juskowiak (46. Demir),
Siradze.
Gelb-Rote Karte: Liebers (44.).
Zuschauer: 7000 (nach offiziellen Angaben 5000 zahlende Zuschauer).
10.09.2006 Von Ralf Ritter
Mehr Fotos vom
Pokalspiel unter:
www.sportfoto-bohrmann.de |
|