9. September 2006

DFB-Pokal, 1. Hauptrunde

SCW - FC Erzgebirge Aue 1:2 (0:0)

 








































































































 

 

 

  Fotos: Cib, InfoSchlumpf, Jürgen A., Froese, Jelitto, Roland S., Tobi Bärmann                                                      Fenster schließen

Großer Kampf - Oberligist Westfalia Herne bringt die Profis des Zweitligisten Erzgebirge Aue an den Rand einer Niederlage. El-Nounou gelingt der umjubelte Ausgleich, doch kurz vor Schluss schlägt Aue eiskalt zu.

Schluss, Aus, verloren. Sven Barton, Michael Baum, Norman Seidel sanken zu Boden. Erschöpft, völlig ausgelaugt nach einem großen Pokalkampf im Stadion Schloss Strünkede. Ein, zwei Minuten hockten Westfalias Spieler auf dem Rasen, starrten enttäuscht zum blauen Himmel, zum Boden, zur Tribüne. Trainer Frank Schulz war da schon auf dem Weg zu ihnen, gratulierte dem Trainer der Gäste, Gerd Schädlich, klopfte seinen Jungs auf die Schulter - und dann gab die Tribüne den Ton vor: "Herne ist viel schöner als Berlin", sangen die Fans mit einer Inbrunst, dass der Frust aus den Gesichtern ihrer müden "Helden" langsam wich, dass den Spielern klar wurde: Sie haben eine große Leistung vollbracht, "darauf können wir auch stolz sein", fand Torwart Oliver Bautz die treffenden Worte. Die Party ging in die Verlängerung: Die Spieler verneigten sich vor den blau-weißen Fans, die sie feierten wie Sieger. Rund 7000 Zuschauer sorgten für eine tolle Kulisse - und die Oberliga-Kicker für ein tolles Spiel. "Ein Riesenkompliment an das Publikum und meine Mannschaft", brachte Coach Schulz später den Hit auf den wichtigsten Nenner. Um den zweitwichtigsten Aspekt nicht zu verschweigen: "Auch wenn ich natürlich vom Ergebnis ein bisschen enttäuscht bin." Enttäuscht, weil die Sensation bis zum Schlusspfiff drin war, weil "die Herner über sich hinausgewachsen sind", wie Gerd Schädlich es formulierte. Von Beginn an rannten die Herner, wie man es von einem krassen Außenseiter im Pokal kennt. Angepeitscht vom Publikum kauften sie den viel zu lässig agierenden Sachsen den Schneid ab. Nur Marco Kurth hatte eine Chance (10.), auf der anderen Seite verpasste Erzen knapp. Für Zündstoff und noch mehr Optimismus auf den Rängen sorgte der Platzverweis für Aues Henrik Liebers kurz vor der Pause: Hatte er zunächst Gelb gesehen, weil er Michael Erzen nur durch Halten stoppen konnte, gab es die zweite Karte wegen einer ähnlichen Szene. Diesmal war Kapitän Sami El-Nounou, der nach seiner Bänderdehnung im Schultereckgelenk mit Schmerzen spielte, zu schnell für den Profi. Doch in Unterzahl war Aue präsenter - und schlug gleich nach dem Wechsel ganz cool zu: Oliver Bautz unterlief eine Flanke, David Siradze köpfte ein - das 0:1. Kurz darauf forderten alle Fans einen weiteren Platzverweis, als an der Tobias Urban an der Seitenlinie mit Aues Siradze aneinandergeriet. Urban fiel, doch Schiedsrichter Kuhl gab dem Georgier nur Gelb (55.). Herne aber gab unbeeindruckt weiter Gas, drückte, erspielte sich Chancen. Die beste vergab zunächst El-Nounou nach Flanke von Sven Barton, der die Profis mit seinen Sololäufen über die rechte Seite mehrmals ins Stolpern brachte. Doch dann war der Kapitän da: Nach einer Ecke von Urban brachte El-Nounou den Ball mit dem Knie irgendwie ins Netz. 1:1 - hochverdient. Das Stadion kochte. Gänsehaut-Atmosphäre pur. Doch mitten rein in die Euphorie schlug Aue im Stile einer echten Profi-Mannschaft eiskalt zurück. Nach einer Ecke träumte die SCW-Abwehr wohl noch vom Ausgleich, Mirja Schäfer vollstreckte volley zum 1:2 (84.). Das Aus für die Herner. Bitter verloren hatten sie - und doch gewonnen: die Herzen der Fans.

Westfalia Herne - FC Erzgebirge Aue 1:2 (0:0)

Tore: 0:1 (48.) Siradze, 1:1 (81.) El-Nounou, 1:2 (84.) Schäfer.

Westfalia: Bautz - Urbainski - Baum, Seidel - Barton, Sürgit, Urban, Köse (86. Behrend), Makarchuk - El-Nounou, Erzen.

Aue: Keller - Kos, Emmerich, Liebers - Brecko, Kurth, Jungwirth (57. Schäfer), Trehkopf - Curri (75. Dostalek), Juskowiak (46. Demir), Siradze.

Gelb-Rote Karte: Liebers (44.).

Zuschauer: 7000 (nach offiziellen Angaben 5000 zahlende Zuschauer).

10.09.2006 Von Ralf Ritter

Mehr Fotos vom Pokalspiel unter:

www.sportfoto-bohrmann.de