|
El-Nounous
Elfmetertor beschert Westfalia ersten Dreier seit Mitte Oktober.
90-minütige Schufterei auf tiefem Boden wird mit verdientem
Arbeitssieg belohnt. Ahlener bleiben in der Offensive alles
schuldig.
Sie haben gemacht und getan, gerackert und geackert. Nach
anderthalbstündiger Schufterei konnten Westfalias Oberligafußballer
erschöpft die Lohntüten aufreißen: Drinnen lagen drei Punkte.
Wichtige Punkte, verdiente Punkte - Lohn für einen Arbeitssieg unter
erschwerten Bedingungen.
Spielerischen Glanz der Marke Hacke Spitze einszweidrei konnte bei
diesem tiefen Boden niemand erwarten. Gefragt war die einfache, die
rustikale Art, Fußball zu spielen. Selbst Charly Neumann, 38 Jahre
alt und mit allen Fußballwassern gewaschen, musste sich an den nur
oberflächlich angetauten Rasen erst gewöhnen. "Ich hatte ´ne ganz
schöne Streuung drin", bekannte der SCW-Kapitän.
Anfangs versuchte der Herner Libero, den Ball von hinten heraus zu
spielen. Nachdem das mehrfach ins Auge gegangen war, wählte er die
andere Variante. Fortan gab´s Langholz - und wo das Leder landete,
war mehr oder weniger Glückssache.
Und weil Neumann mit diesen Problemen mitnichten alleine war, konnte
sich auch kein gepflegtes Kombinationsspiel entwickeln. Stattdessen
gab es etwas, was Gästetrainer Holtz treffend mit "Scharmützel im
Mittelfeld" beschrieb. Eines aber konnten die SCW-Fans klar sehen:
Ihre Jungs wollten, sie wollten unbedingt. Ob Erzen oder El-Nounou,
Köse, Sürgit oder Barton - kein Meter war zu viel, jeder wusste,
worauf es ankam.
Großartige Chancen aber gab es zunächst nicht. Auf der einen Seite
verfehlte Sven Barton aus spitzem Winkel knapp das lange Eck (29.),
auf der anderen traf Omerbegovic nach Kaminskis scharfer
Freistoßhereingabe nur die Lattenoberkante (40.) - damit hatte es
sich an erregenden Szenen bis zum Seitenwechsel.
Nach der Pause verschoben sich die Gewichte. Westfalia legte einen
Zahn zu, verstärkte die Offensivbemühungen. Erzen wühlte, Makarchuk
dribbelte, El-Nounou lauerte, Barton sprintete - Ahlen geriet
zusehends unter Druck, erlaubte sich Fehler. So wie Kaminski, dessen
missglückter Rückpass bei Sami El-Nounou landete. Doch so kaltblütig
der Herner Torjäger gemeinhin ist, diesmal scheiterte er am
herausstürzenden Torwart Völzow. Und raufte sich synchron mit
Kaminski die Haare.
Hadern aber ist nicht. "Weiter, Jungs", feuerte Trainer Frank Schulz
seine Truppe an. Und die gab Vollgas. Der unbändige Wille war
unverkennbar, wie besonders die 74. Minute zeigte. Da wühlte sich
Barton einmal mehr durch, Erzen tanzte auf engstem Raum im
Sechzehner drei Gegner aus, traf aber nur das Außennetz. "West,
West, Westfalia", kam es prompt von den Rängen. Die Fans standen wie
eine Eins hinter ihrer Mannschaft.
Vier Minuten später endlich die Belohnung. Erzen kam an der
Torauslinie zu Fall, Waldemar Stor, bis dahin völlig unverdächtig,
ein Heimschiedsrichter zu sein, zeigte auf den Punkt, und Sami
El-Nounou verwandelte. Dass Sürgit in der 81. Minute freistehend das
2:0 vergab, war wenig später vergessen. Drei Punkte waren erkämpft.
Endlich. SC
Westfalia Herne - LR Ahlen II 1:0
Tore: 1:0 (78.)
El-Nounou (11m).
SCW: Bautz - Neumann - Seidel, Wienroth - Barton, Köse, Sürgit,
Tahiri, Makarchuk - El-Nounou, Erzen (90. Yeboah).
LR II: Völzow - B. Erzen, Djenic, Kraus, Kaminski - Colak, Venker
(83. Jerszynski), Danismaz, Muwana (69. Grüterich) - Telenga,
Omerbegovic (53. Karakas).
SR: Waldemar Stor (Herford).
Zuschauer: 450.
05.03.2006 Von Wolfgang Volmer
|