Der König ist zurück auf seinem Thron. Nach einjähriger Regentschaft
musste der SC Constantin das Zepter des Herner Hallenfußballs wieder
an den SC Westfalia zurückgeben, der zuvor fünfmal in Folge die
inoffizielle Stadtmeisterschaft gewonnen hatte.
Selten aber trat der SCW so dominant auf wie bei dieser 17. Auflage
des Manfred-Gall-Gedächtnisturniers, das nach Meinung der Sodinger
Organisatoren das vielleicht beste seiner langen Geschichte war.
"Ein Klasseturnier, vom Spielerischen wie von der Resonanz",
schwärmten Heinz Rychlik und Werner Grunenberg fast unisono. "Es gab
über 200 Tore, aber keine Rote Karte." Und bei rund 1100 Zuschauern
an zwei Tagen dürfte auch die Kasse stimmen.
Etwa zwölf Stunden rollte die Kugel am Westring, und fast minütlich
gebar das Turnier seinen neuen kleinen Helden. Mal war es der
Torwart von Arminia Sodingen, der mit seinen Reflexen im Brennpunkt
stand, dann ließ der SV Wanne 11 mit feinen Kombinationen die
Genießer mit der Zunge schnalzen, dann wieder machte sich Daniel
Döring (BW Börnig) mit schlitzohrigen Weitschusstoren zum
Gesprächsthema. Oder sein Keeper Benjamin Eibold, der nicht nur die
Stürmer des SCW zur Verzweiflung trieb. Das Beste aber hatten sich
Hernes Fußballer für den Schluss aufgehoben: "Das Traumfinale",
jubelte selbst Sodingens Vorsitzender Veselko Jovanovic, als der DSC
Wanne-Eickel sich im Neunmeterschießen gegen TuS Hordel durchgesetzt
und das Endspiel gegen Westfalia Herne erreicht hatte. Dabei hatte
der "Doc" vermutlich eher vom Finaleinzug seiner eigenen Mannschaft
geträumt. Doch die blieb blass und schied bereits im Viertelfinale
ohne große Gegenwehr aus.
Das Traumfinale aber hielt alles, was es versprach. Selbst ein Didi
Gaida spielt nicht immer so gallig wie in diesem brisanten Duell.
Edin Terzic, den er auf Schritt und Tritt verfolgte, weiß seit
gestern, dass Kletten auch grätschen können. Doch so intensiv sich
der DSC auch rein- und ranhängte - die größere Klasse des SCW setzte
sich durch. Dafür sorgte schon Michael Erzen, sauerländischer
Straßenfußballer, der sich auch in der Halle pudelwohl fühlt.
Begeisternd, was dieser quicklebendige, gewitzte Bursche im gesamten
Turnier zeigte. Auch im Finale machte Erzen den Unterschied: Erst
glich er die frühe DSC-Führung von Benni Reis mit platzierter
Direktabnahme aus, dann legte er Sami El-Nounou den Ball zum
abschließenden 3:1 auf den Fuß. Zwischendurch hatte André Dohm mit
einem Linksschuss unter die Latte die 2:1-Führung erzielt, die
Andreas Scarale mit einer Glanzparade gegen Pascal Sickel rettete.
"Ich denke, wir haben ein tolles Turnier gespielt und verdient
gewonnen", freute sich SCW-Trainer Frank Schulz. Auch sein Wanner
Gegenüber war nicht unzufrieden. "Natürlich hätten wir auch das
letzte Spiel gern gewonnen, aber wir haben ja gegen keine Schlechten
verloren", zog Willi Koppmann sein Fazit.
Schlechte standen auch im Spiel um Platz drei nicht auf dem Parkett.
Im Gegenteil. BW Börnig war die positive Überraschung der beiden
tollen Tage. Und fast jeder gönnte dem Kreisligisten den 2:0-Sieg
über TuS Hordel, durch den 500 Euro in die Börniger Mannschaftskasse
flossen. Respekt.

Hallen-Stadtmeister 2006: SC Westfalia 04 Herne. O.v.l.: Betreuer
Loose, Co-Trainer Horst Bistrich, Sami El-Nounou,
Arben Tahiri, Edin Terzic, Norman Seidel, Physiotherapeut Peter
Hasenberg, Mykola Makarchuk. U.v.l.: Charly Neumann,
Michael Erzen, Andre Dohm, Andreas Scarale, Timo Buchholz.
Foto: Cib
15.01.2006 Von Wolfgang Volmer
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