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Freudenszenen wie diese
hat es selbst nebenan im Ruhrstadion lange nicht gegeben. Als Daniel
Gordon, Bochums letzter Schütze, am Samstag gegen 16.40 Uhr aus elf
Metern sein Ziel verfehlte, verwandelte sich der Stadionnebenplatz
vom Eisschrank zum Tollhaus. 250 Westfalia-Fans stürmten auf den
Rasen, fielen über ihre erschöpften Helden her, herzten sie und
hüpften sich die Kälte aus den Leibern. Ausgelassen feierten sie
einen der schönsten Erfolge der jüngeren Vereinsgeschichte:
Westfalia Herne steht im Halbfinale des Verbandspokals und hat eine
Riesenchance, in die DFB-Pokalhauptrunde einzuziehen. "Mit unserem
Teamgeist und der tollen Unterstützung unserer Fans haben wir zu
Recht gewonnen", strahlte Trainer Frank Schulz. "Drei dicke Brocken
haben wir jetzt weggeräumt. Aber auch die letzte Hürde wird schwer."
Mit der in Bochum gezeigten Leidenschaft dürfte aber auch diese
Hürde zu nehmen sein. Vom Anpfiff an legten sich die Herner ganz
anders ins Zeug als in Bielefeld, waren eng an den Leuten und
setzten den VfL gleich unter Druck. Angetrieben von Laufwunder Yakub
Köse, der sein bestes Spiel im SCW-Dress machte, nahmen die Gäste
gleich das Heft in die Hand. Bei den ersten guten Gelegenheiten
verweigerten Michael Erzen und Sami El-Nonou noch den Abschluss, bei
der dritten Chance aber rappelte es: Köse zirkelte den Ball mit dem
Außenspann auf Erzens Kopf, und der nickte aus kurzer Distanz ein
(18.).
Begeistert schwenkten Dutzende SCW-Fans ihre Fahnen, um sie neun
Minuten später empört einzurollen. Kaum jemand hatte Verständnis
dafür, dass Schiedsrichter Kunsleben nach einem nickligen Zweikampf
zwischen Norman Seidel und VfL-Torjäger Hille wegen angeblichen
Trikotzupfens auf den Punkt zeigte. Dilaver Güclü aber kannte kein
Erbarmen und netzte den Elfmeter humorlos zum 1:1 ein.
"Das hat uns doch ein wenig aus dem Konzept gebracht", meinte
SCW-Kapitän Charly Neumann, der sich und seine Abwehr hernach
weiteren Attacken ausgesetzt sah, die der SCW aber schadlos
überstand. Um nach der Pause wieder voll anzugreifen. "Da haben mich
meine Jungs auch überrascht", wunderte sich Trainer Schulz über die
Leistung seiner Truppe, die den VfL über weite Strecken beherrschte,
ohne die ganz zwingenden Chancen zu erspielen. Bis zur 90. Minute.
Da dribbelte Sven Barton bis zur Torauslinie und legte perfekt auf
für El-Nounou, dessen Schuss jedoch zur Ecke abgefälscht wurde.
Also ging´s in die Verlängerung. Beide Teams mobilisierten die
letzten Kräfte, es ging rauf und runter. Als Gül vier Herner
abschüttelte und ins lange Eck traf, schien Westfalias Pokaltraum
ausgeträumt. Schulz aber brachte seinen Joker, und der stach. Mit
seinem ersten Ballkontakt im SCW-Dress zwang Antony Yeboah
VfL-Keeper Keder zu einer Fußabwehr, El-Nounou stand richtig und
staubte ab. Beim finalen Elfmeterschießen bibberten die Fans dann
nicht nur wegen der Kälte - bis sie über Olli Bautz und all´ die
anderen herfallen konnten."Drei dicke Brocken haben wir jetzt
weggeräumt"
VfL Bochum II SC
Westfalia Herne 5:6 n.E.
Tore: 0:1 (18.) Erzen, 1:1 (27.) Güclü (11m, Seidel an Hille), 2:1
(111.) Gül, 2:2 (115.) El-Nounou.
Elfmeterschießen: 2:3 Yeboah, 3:3 Klinger, 3:4 Köse, 4:4 Türkeri,
4:5 Neumann, Joachim scheitert an Bautz, Erzen scheitert an Keser,
5:5 Westerhoff, 5:6 El-Nounou, Gordon verschießt.
VfL II: Keser - Thamm, Barg, Güclü (60. Gül) - Könemann, Gordon,
Ucar (119. Westerhoff), Zajas, Klinger - Hille (60. Türkeri),
Joachim.
SCW: Bautz - Neumann - Wienroth, Seidel - Barton, Köse, Sürgit,
Tahiri (114. Yeboah), Makarchuk (104. Degenhard) - El-Nounou, Erzen.
26.02.2006 Von Wolfgang Volmer
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