PRESSE
Eisschrank wird zum Tollhaus
 

27.02.06

Freudenszenen wie diese hat es selbst nebenan im Ruhrstadion lange nicht gegeben. Als Daniel Gordon, Bochums letzter Schütze, am Samstag gegen 16.40 Uhr aus elf Metern sein Ziel verfehlte, verwandelte sich der Stadionnebenplatz vom Eisschrank zum Tollhaus. 250 Westfalia-Fans stürmten auf den Rasen, fielen über ihre erschöpften Helden her, herzten sie und hüpften sich die Kälte aus den Leibern. Ausgelassen feierten sie einen der schönsten Erfolge der jüngeren Vereinsgeschichte: Westfalia Herne steht im Halbfinale des Verbandspokals und hat eine Riesenchance, in die DFB-Pokalhauptrunde einzuziehen. "Mit unserem Teamgeist und der tollen Unterstützung unserer Fans haben wir zu Recht gewonnen", strahlte Trainer Frank Schulz. "Drei dicke Brocken haben wir jetzt weggeräumt. Aber auch die letzte Hürde wird schwer."

Mit der in Bochum gezeigten Leidenschaft dürfte aber auch diese Hürde zu nehmen sein. Vom Anpfiff an legten sich die Herner ganz anders ins Zeug als in Bielefeld, waren eng an den Leuten und setzten den VfL gleich unter Druck. Angetrieben von Laufwunder Yakub Köse, der sein bestes Spiel im SCW-Dress machte, nahmen die Gäste gleich das Heft in die Hand. Bei den ersten guten Gelegenheiten verweigerten Michael Erzen und Sami El-Nonou noch den Abschluss, bei der dritten Chance aber rappelte es: Köse zirkelte den Ball mit dem Außenspann auf Erzens Kopf, und der nickte aus kurzer Distanz ein (18.).

Begeistert schwenkten Dutzende SCW-Fans ihre Fahnen, um sie neun Minuten später empört einzurollen. Kaum jemand hatte Verständnis dafür, dass Schiedsrichter Kunsleben nach einem nickligen Zweikampf zwischen Norman Seidel und VfL-Torjäger Hille wegen angeblichen Trikotzupfens auf den Punkt zeigte. Dilaver Güclü aber kannte kein Erbarmen und netzte den Elfmeter humorlos zum 1:1 ein.

"Das hat uns doch ein wenig aus dem Konzept gebracht", meinte SCW-Kapitän Charly Neumann, der sich und seine Abwehr hernach weiteren Attacken ausgesetzt sah, die der SCW aber schadlos überstand. Um nach der Pause wieder voll anzugreifen. "Da haben mich meine Jungs auch überrascht", wunderte sich Trainer Schulz über die Leistung seiner Truppe, die den VfL über weite Strecken beherrschte, ohne die ganz zwingenden Chancen zu erspielen. Bis zur 90. Minute. Da dribbelte Sven Barton bis zur Torauslinie und legte perfekt auf für El-Nounou, dessen Schuss jedoch zur Ecke abgefälscht wurde.

Also ging´s in die Verlängerung. Beide Teams mobilisierten die letzten Kräfte, es ging rauf und runter. Als Gül vier Herner abschüttelte und ins lange Eck traf, schien Westfalias Pokaltraum ausgeträumt. Schulz aber brachte seinen Joker, und der stach. Mit seinem ersten Ballkontakt im SCW-Dress zwang Antony Yeboah VfL-Keeper Keder zu einer Fußabwehr, El-Nounou stand richtig und staubte ab. Beim finalen Elfmeterschießen bibberten die Fans dann nicht nur wegen der Kälte - bis sie über Olli Bautz und all´ die anderen herfallen konnten."Drei dicke Brocken haben wir jetzt weggeräumt"

VfL Bochum II SC Westfalia Herne 5:6 n.E.

Tore: 0:1 (18.) Erzen, 1:1 (27.) Güclü (11m, Seidel an Hille), 2:1 (111.) Gül, 2:2 (115.) El-Nounou.

Elfmeterschießen: 2:3 Yeboah, 3:3 Klinger, 3:4 Köse, 4:4 Türkeri, 4:5 Neumann, Joachim scheitert an Bautz, Erzen scheitert an Keser, 5:5 Westerhoff, 5:6 El-Nounou, Gordon verschießt.

VfL II: Keser - Thamm, Barg, Güclü (60. Gül) - Könemann, Gordon, Ucar (119. Westerhoff), Zajas, Klinger - Hille (60. Türkeri), Joachim.

SCW: Bautz - Neumann - Wienroth, Seidel - Barton, Köse, Sürgit, Tahiri (114. Yeboah), Makarchuk (104. Degenhard) - El-Nounou, Erzen.

26.02.2006 Von Wolfgang Volmer
 

Quelle: WAZ Herne

 

 

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