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Zehn Tore in einem packenden
Pokalkrimi reißen 2500 Zuschauer von den Sitzen. Delbrücker können
wuseligen Erzen und Kopfballmonster Terzic nicht bändigen.
Jubelorgie in Blau und Weiß.
Wahnsinn, purer Wahnsinn. Zehn Tore in neunzig Minuten, eine
Torfolge, die an den Nerven zehrte und Emotionen hoch kochen ließ,
zwei Mannschaften, die mit offenem Visier kämpften und 2500 Fans von
den Sitzen rissen: Dieses Pokalfinale war der Hammer. Oder, um es
mit Oliver Bautz zu sagen: "Ein geiles Spiel."
Ganz sicher werden die Augenzeugen diesen Pokalkrimi so schnell
nicht vergessen. Aus Herner Sicht krönte er eine ganze Serie ähnlich
denkwürdiger Partien, in denen sich der SC Westfalia in dieses
Finale vorgespielt hatte. So sehr auch der nie aufsteckende
Delbrücker SC diesen Triumph verdient gehabt hätte: Der Pott ist im
Pott, und da gehört er nach dieser Superleistung auch hin.
Dabei wussten die Zuschauer vorher gar nicht, womit sie zu rechnen
hatten. Schließlich hatten beide Finalisten mit dem Einzug in die
DFB-Pokalhauptrunde ihren Traum bereits wahr gemacht, sehnen nach
mörderischen Wochen in der Liga das Saisonende förmlich herbei. Doch
der mit einem dicken und vielen kleinen Pokalen gedeckte Tisch am
Spielfeldrand setzte ungeahnte Kräfte frei. Und so ging die Post am
Schloss richtig ab.
Die Anfangsphase gehörte den Gästen, die gleich mächtig Dampf
machten. Obwohl Hernes Trainer Frank Schulz mit Thomas Wienroth eine
weitere Sicherung eingebaut hatte, um Norman Seidel auf den
gefürchteten Berhorst anzusetzen - der dafür vorgesehene Tahiri
musste wegen Atemnot passen - kam Delbrück vor allem nach Standards
mehrfach bedrohlich vor das SCW-Tor.
Zunächst, ohne Schaden anzurichten. Bis zur 24. Minute. Da prallte
Caprettis Kopfball vor die Lattenunterkante, dann an den
Innenpfosten, tanzte auf der Linie, bevor Olli Bautz das Leder unter
sich begrub. Warum Assistent Dirk Nolte dann plötzlich die Fahne
schwenkte und seinen Boss Jens Jeromin dazu veranlasste, auf Tor zu
entscheiden, bleibt sein Geheimnis.
Er löste damit wütende Reaktionen aus, die nach Ende der Proteste
auch das Herner Spiel befeuerten. Und es dauerte gerade mal eine
Viertelstunde, da hatten Michael Erzen und Sami El-Nounou zwei tolle
Spielzüge vollendet und aus dem 0:1 ein 2:1 gemacht.
War die erste Hälfte schon klasse, so stellte die zweite sie in den
Schatten. Vor allem Edin Terzic drehte auf, zirkelte nach schönem
Solo den Ball zum 3:1 auf Erzens Kopf. Herne jubelte - und kassierte
gleich den Anschluss. Doch damit nicht genug. Obwohl bereits in
Unterzahl, glich Delbrück durch einen Capretti-Kopfball nach einer
Ecke aus.
Es begann eine wilde letzte halbe Stunde mit Chancen im Minutentakt
- und einem nicht zu bändigenden Edin Terzic. "Edin hat heute das
Spiel seines Lebens gemacht", meinte nicht nur Frank Schulz. Zweimal
übersprang Hernes neues Kopfballungeheuer die baumlangen Kerls in
der DSC-Abwehr, zweimal rappelte es. Westfalia spielte sich in einen
Rausch, doch Delbrück hielt dagegen, blies nach Fulhorsts 4:5 noch
mal zur Attacke. Erst Erzens dritter Streich, ein Tor der Marke
"schlitzohrig", und der Abpfiff Sekunden später stürzten ganz
Westfalia in eine blau-weiße Jubelorgie.

Ein Küsschen für den
Pott: Thomas Wienroth, Andrè Dohm, Sven Barton, Edin Terzic und
Hasan Sürgit
Foto: Cib
SC Westfalia Herne - Delbrücker SC
6:4 (2:1)
SCW: Bautz - Neumann (79. Dohm) -
Celik, Wienroth - Barton, Sürgit, Makarchuk (70. Köse), Seidel -
Terzic (90.+3 Cetera), El-Nounou, Erzen.
DSC: Bücker - Fulland, Capretti, Hansjürgen, Kaesberg (49. Fulhorst)
- Berhorst, Berkemeier, Cirivello, Kuhn - Wiebusch, Welker.
SR: Jens Jeromin (Bochum) Zuschauer: 2500.
Tore: 0:1 (24.) Capretti, 1:1 (35.) Erzen, 2:1 (40.) El-Nounou, 3:1
(47.) Erzen, 3:2 (49.) Wiebusch, 3:3 (57.) Capretti, 4:3 (67.)
Terzic, 5:3 (72.) Terzic, 5:4 (86.) Fulhorst, 6:4 (90. + 2) Erzen.
Gelb-Rot: Hansjürgen (DSC, 52.).
26.05.2006 Von Wolfgang Volmer
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