PRESSE
Der Pott ist im Pott
 

27.05.06

Zehn Tore in einem packenden Pokalkrimi reißen 2500 Zuschauer von den Sitzen. Delbrücker können wuseligen Erzen und Kopfballmonster Terzic nicht bändigen. Jubelorgie in Blau und Weiß.

Wahnsinn, purer Wahnsinn. Zehn Tore in neunzig Minuten, eine Torfolge, die an den Nerven zehrte und Emotionen hoch kochen ließ, zwei Mannschaften, die mit offenem Visier kämpften und 2500 Fans von den Sitzen rissen: Dieses Pokalfinale war der Hammer. Oder, um es mit Oliver Bautz zu sagen: "Ein geiles Spiel."

Ganz sicher werden die Augenzeugen diesen Pokalkrimi so schnell nicht vergessen. Aus Herner Sicht krönte er eine ganze Serie ähnlich denkwürdiger Partien, in denen sich der SC Westfalia in dieses Finale vorgespielt hatte. So sehr auch der nie aufsteckende Delbrücker SC diesen Triumph verdient gehabt hätte: Der Pott ist im Pott, und da gehört er nach dieser Superleistung auch hin.

Dabei wussten die Zuschauer vorher gar nicht, womit sie zu rechnen hatten. Schließlich hatten beide Finalisten mit dem Einzug in die DFB-Pokalhauptrunde ihren Traum bereits wahr gemacht, sehnen nach mörderischen Wochen in der Liga das Saisonende förmlich herbei. Doch der mit einem dicken und vielen kleinen Pokalen gedeckte Tisch am Spielfeldrand setzte ungeahnte Kräfte frei. Und so ging die Post am Schloss richtig ab.

Die Anfangsphase gehörte den Gästen, die gleich mächtig Dampf machten. Obwohl Hernes Trainer Frank Schulz mit Thomas Wienroth eine weitere Sicherung eingebaut hatte, um Norman Seidel auf den gefürchteten Berhorst anzusetzen - der dafür vorgesehene Tahiri musste wegen Atemnot passen - kam Delbrück vor allem nach Standards mehrfach bedrohlich vor das SCW-Tor.

Zunächst, ohne Schaden anzurichten. Bis zur 24. Minute. Da prallte Caprettis Kopfball vor die Lattenunterkante, dann an den Innenpfosten, tanzte auf der Linie, bevor Olli Bautz das Leder unter sich begrub. Warum Assistent Dirk Nolte dann plötzlich die Fahne schwenkte und seinen Boss Jens Jeromin dazu veranlasste, auf Tor zu entscheiden, bleibt sein Geheimnis.

Er löste damit wütende Reaktionen aus, die nach Ende der Proteste auch das Herner Spiel befeuerten. Und es dauerte gerade mal eine Viertelstunde, da hatten Michael Erzen und Sami El-Nounou zwei tolle Spielzüge vollendet und aus dem 0:1 ein 2:1 gemacht.

War die erste Hälfte schon klasse, so stellte die zweite sie in den Schatten. Vor allem Edin Terzic drehte auf, zirkelte nach schönem Solo den Ball zum 3:1 auf Erzens Kopf. Herne jubelte - und kassierte gleich den Anschluss. Doch damit nicht genug. Obwohl bereits in Unterzahl, glich Delbrück durch einen Capretti-Kopfball nach einer Ecke aus.

Es begann eine wilde letzte halbe Stunde mit Chancen im Minutentakt - und einem nicht zu bändigenden Edin Terzic. "Edin hat heute das Spiel seines Lebens gemacht", meinte nicht nur Frank Schulz. Zweimal übersprang Hernes neues Kopfballungeheuer die baumlangen Kerls in der DSC-Abwehr, zweimal rappelte es. Westfalia spielte sich in einen Rausch, doch Delbrück hielt dagegen, blies nach Fulhorsts 4:5 noch mal zur Attacke. Erst Erzens dritter Streich, ein Tor der Marke "schlitzohrig", und der Abpfiff Sekunden später stürzten ganz Westfalia in eine blau-weiße Jubelorgie.


Ein Küsschen für den Pott: Thomas Wienroth, Andrè Dohm, Sven Barton, Edin Terzic und Hasan Sürgit              Foto: Cib

SC Westfalia Herne - Delbrücker SC 6:4 (2:1)

SCW: Bautz - Neumann (79. Dohm) - Celik, Wienroth - Barton, Sürgit, Makarchuk (70. Köse), Seidel - Terzic (90.+3 Cetera), El-Nounou, Erzen.

DSC: Bücker - Fulland, Capretti, Hansjürgen, Kaesberg (49. Fulhorst) - Berhorst, Berkemeier, Cirivello, Kuhn - Wiebusch, Welker.

SR: Jens Jeromin (Bochum) Zuschauer: 2500.

Tore: 0:1 (24.) Capretti, 1:1 (35.) Erzen, 2:1 (40.) El-Nounou, 3:1 (47.) Erzen, 3:2 (49.) Wiebusch, 3:3 (57.) Capretti, 4:3 (67.) Terzic, 5:3 (72.) Terzic, 5:4 (86.) Fulhorst, 6:4 (90. + 2) Erzen.

Gelb-Rot: Hansjürgen (DSC, 52.).

26.05.2006 Von Wolfgang Volmer
 

Quelle: WAZ Herne

 

 

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