PRESSE
Aua, Aua, Aue
 

17.07.06

Conny Pohlers fingert das schlimmste aller Lose aus der Trommel. Nach wenigen Schrecksekunden macht sich beim SC Westfalia Galgenhumor breit. Stefan Urbainski: "Ich hab noch nie gegen Aue verloren".

Das saß, das tat weh. Als Nationalspielerin Conny Pohlers gestern gegen 18.15 Uhr die zwölfte Kapsel aus der Lostrommel fingerte, war es mucksmäuschenstill im Stadion am Schloss Strünkede: Gut 150 Westfalia-Fans warteten vor dem Bildschirm mit pochendem Herzen auf den Pokalgegner des "SV Westfalia Herne", wie es der Sportschau-Moderator ignorant vom elften Zettelchen abgelesen hatte. Und es war: Der FC Erzgebirge Aue. Betretenes Schweigen, entsetzte Mienen. Die Hände nicht zum Himmel, sondern vors Gesicht. Alle wussten: Dem SCW war in dieser Sekunde ein halber Jahres-Etat durch die Lappen gegangen. Schlimmer geht´s nimmer. Nicht Dortmund oder Schalke, nicht Hamburg oder Bremen, nicht Gladbach oder Köln, nicht einmal die Bayern. Nein: Erzgebirge Aue, Synonym für Lospech, auf einer Stufe höchstens noch mit Burghausen oder Unterhaching. Aber die waren schon draußen...



Doch der Ruhri ist kein Kind von Traurigkeit. Schnell war er da, der Trotz, der Selbstbehauptungswille, der die Menschen im Pott so stark macht. "Zweite Runde, Herne ist dabei", schallten schon bald die Sprechchöre durchs weite Rund. "Schade Aue, alles ist vorbei, alles ist vorbei..."

Vorbei ist aber zunächst mal die Hoffnung auf eine sechsstellige Einnahme, auf die Jürgen Stieneke spekuliert hatte. "Einen weniger lukrativen Gegner hätten wir nicht ziehen können", war der Boss ernüchtert. "Jetzt müssen wir die Herner Bevölkerung pushen, damit wenigstens 8000 kommen." Bernd Faust aus dem Verwaltungsrat spann diesen Faden gleich weiter: "Da spielen elf Auer gegen 8000 Herner. Wir werden denen die Hölle auf Erden bereiten."

Ganz so martialisch war das nicht gemeint. Aber es gab die allgemeine Stimmung wieder: "So können wir nicht aufhören, Jungs. Es muss weiter gehen", stimmte Frank Schulz seine Truppe gleich auf den 10. (oder 9.) September ein. "Wir müssen die weghauen."

Seine Jungs, von einer beinharten Einheit geschlaucht, nahmen den Ball gleich auf. "Die müssen erst mal die acht Stunden Fahrt wegstecken", ulkte Charly Neumann, der auch einiges über den Erstrundengegner wusste. "Da spielt doch der Juskowiak. Und Trainer ist der mit dem Schnäuzer, der Schädlich." Ganz cool reagierte Stefan Urbainski. "Ich habe in der Regionalliga zweimal gegen Aue gespielt, und beide Male gewonnen." Olli Bautz gab gleich seine Frustbewältigungsstrategie preis: "Ich bin bitter enttäuscht. Ich fahr jetzt nach Hause und hol mir ne Pommes. Rot weiß." So einfach ist das. Macht sie fettich.

16.07.2006 Von Wolfgang Volmer
 

Quelle: WAZ Herne

 

 

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