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Trainer des
Zweitligisten FC Erzgebirge Aue erläutert seine Auffassung von
Fußball und erklärt das Ruhrgebiet zum Paradies für Trainer.
Erinnerungen an Höhepunkt gegen Bayern München sind noch frisch.
DFB-POKAL - NOCH DREI TAGE: Am Samstag (14 Uhr) empfängt Oberligist
SC Westfalia Herne den Zweitligisten FC Erzgebirge Aue in der 1.
Runde des DFB-Pokals. Vor dem Hit sprach WAZ-Mitarbeiter Jens
Schumann mit FC-Coach Gerd Schädlich.
In der Meisterschaft waren Sie zuletzt noch in Duisburg. Wie
gefällt Ihnen der Ruhrpott?
Schädlich: Das Ruhrgebiet ist optimal für einen Trainer. Bei so
vielen Vereinen weiß man gar nicht, wo man am Wochenende hingehen
soll. Wohnen würde ich jedoch lieber am Rande, aber meistens waren
wir ja auch nur im Stadion und dann gleich wieder weg.
Was haben Sie über Herne in Erfahrung gebracht?
Schädlich: Ich war sehr überrascht, dass Herne 160 000 Einwohner
hat. Aue hat nur 18 000. Damit ist Herne ganz klar in der
Favoritenrolle. Natürlich ist mir der SCW ein Begriff aus alten
Zweitligazeiten. Für die großen Zeiten in der Oberliga West bin ich
wohl noch etwas zu jung. Meinen Trainerkollegen Frank Schulz kenne
ich auch, aber bisher haben wir uns noch nicht getroffen.
Waren Sie am letzten Sonntag in Herne?
Schädlich: Nicht persönlich, aber andere haben das 4:1 beobachtet.
Wir wissen, was auf uns zukommt. Im letzten Jahr haben wir in der
ersten Runde gegen die Bochumer Amateure gespielt. Außerdem haben
wir in der Vorbereitung regelmäßig mit unterschiedlichem Erfolg
gegen Oberligisten gespielt. Wir wären bekloppt, wenn wir Herne
unterschätzen würden, obwohl ich weiß, dass sich der SCW einen
anderen Gegner gewünscht hatte.
Was bedeutet Ihnen der DFB-Pokal?
Schädlich: Der Wettbewerb ist uns sehr wichtig. Man kann dort sehr
viel Geld verdienen, vor allem durch die TV-Gelder. Im letzten Jahr
haben wir in der ersten Runde mit 3:2 in Bochum gewonnen, und dann
kam der FC Bayern München.
Das war wohl Ihr bisher schönstes Pokalerlebnis?
Schädlich: Das war eine Riesengeschichte. Das Spiel wurde live
übertragen. Das Stadion war mit 16 500 Zuschauern ausverkauft.
Michael Ballack hat uns mit seinem Kopfballtreffer erst zehn Minuten
vor Schluss rausgeworfen.
Wann reisen Sie an, und wie sieht die Planung aus?
Schädlich: Wir werden am Freitag eintreffen und dann unser Quartier
in Castrop-Rauxel beziehen. Anschließend werden wir um 17 Uhr ein
Abschlusstraining in Waltrop absolvieren. Dann bereiten wir uns so
vor wie auf jedes Meisterschaftsspiel.
Mit dem 2:1 im Test gegen Sparta Prag haben Sie Herne schon das
Fürchten gelehrt. Ist Ihr Team jetzt richtig in Schwung gekommen?
Schädlich: Das Ergebnis kann man nicht als Maßstab nehmen. Es hätte
auch andersrum ausgehen können. Außerdem haben die Auswahlspieler
bei den Tschechen gefehlt.
Wie würden Sie ihre Fußball-Philosophie beschreiben?
Schädlich: Philosophie ist ein großes Wort. Wir kommen aus einer
Region, die strukturschwach ist. Deshalb haben wir uns auf die Fahne
geschrieben, engagierten Fußball zu spielen. Wir wollen immer nach
vorne spielen, greifen immer mit drei Spitzen an, ob in München oder
in Köln. So sind wir aufgestiegen und haben in der zweiten Liga
dreimal in Folge einen einstelligen Tabellenplatz belegt, was uns
keiner zugetraut hatte. Wir haben den schönsten Beruf der Welt. Da
erwarte ich Engagement. Und das sollte bei jedem auch rüberkommen.
Wer keine Freude an dem Job hat, sollte sich lieber einen anderen
Beruf suchen. Man muss die Beziehung zur Realität wahren."Wir wären
bekloppt, wenn wir die Herner unterschätzen würden"
05.09.2006
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