Jetzt ist endgültig in Herne das Chaos ausgebrochen. Nach der
Lizenz-Lüge und dem damit verbundenen Theater hat sich der
Vorstand dazu entschlossen, sich nicht mehr zur Wiederwahl zu
stellen. Auf der Jahres-Hauptversammlung, die am 13. April, um
19.30 Uhr über die Bühne geht, wird also ein neues Kapitel
Vereinsgeschichte geschrieben.
Neben der Neuformierung des Vorstandes, wird auch der
Verwaltungs- und Ehrenrat neu gewählt. "Wir werden jetzt einen
Schnitt machen und von vorne anfangen", geht
Verwaltungsratsmitglied Jörg Thauern davon aus, dass die
vakanten Positionen schnellstens besetzt werden.
Ein heißer Kandidat für den Vorsitz ist Ingo Paeske. Der
Zahnarzt, der mit der Haranni-Clinic auch gleichzeitig Sponsor
des SCW ist, kennt die Strukturen und bringt auch die nötigen
Voraussetzungen mit. "Ingo wäre sicherlich ein Modell, aber
vorher müssen wir uns konsolidieren", will Thauern keine
Spekulationen aufkommen lassen, sondern in Ruhe die Gespräche
mit potenziellen Kandidaten suchen. Paeske selbst bedauert die
gesamte Entwicklung:
"Es ist traurig, gerade jetzt, wo der Verein Erfolg hat, muss
man sich mit solchen Geschichten den Ruf wieder zerstören
lassen." Auf die Frage, ob er sich zur Verfügung stellen würde,
antwortet Paeske: "Wie und in welcher Form ich helfen kann, ist
noch in der Schwebe. Ich möchte erst einmal mit meiner Familie
sprechen und mir Gedanken über die Tragweite einer solchen
Entscheidung machen." Eine Absage hört sich anders an. Paeske
erklärt: "Für die Stadt und auch mich persönlich ist es wichtig,
dass Herne auch weiterhin ein Aushängeschild hat. Das kann aber
nicht nur eine Person schaffen, dafür braucht man ein Team."
Und das könnte durch Bernd Faust weiter ausgebaut werden.
Derzeit ebenfalls Mitglied im Verwaltungsrat, könnte Faust als
Schatzmeister installiert werden: "Es ist nötig, mehr
Transparenz in die Angelegenheiten zu bringen", würde Faust als
erstes die Außendarstellung ändern: "Man muss den Fans zu
verstehen geben, warum einige Sachen nicht so schnell gehen. Die
Kommunikation stimmt bislang überhaupt nicht. Ich bedauere es,
dass es soweit gekommen ist, aber es hätte durch Offenheit
leicht vermieden werden können."
Denn Trainer, Mannschaft, Sponsoren und Anhänger erst heiß auf
die Regionalliga zu machen, um die Träume dann wieder platzen zu
lassen, ist in Fausts Augen der falsche Weg. "Lizenz und
Fristverlängerung sind zwei verschiedene Dinge. Das ist der
Punkt, den viele nicht verstehen. Dieses Wortspiel wurde den
Leuten übel genommen." Faust legt nach: "Es ist viel Porzellan
zerbrochen worden. Jetzt müssen wir zusehen, wie wir das kleben.
Doch ob die Bruchstellen nachher auch dicht sind, muss man
abwarten."
Eine Vorgabe, die auch Thauern gerne erfüllen würde: "Wir müssen
jetzt in aller Ruhe eine Mannschaft hinter der Mannschaft
zusammenstellen." Doch bevor sich neue Kräfte finden, müssen
erst noch etliche Fragen geklärt werden. Thauern: "Wie sieht
denn die wirtschaftliche Situation überhaupt aus? Denn der
Patriarch hat da immer schön den Deckel drauf gehalten. Es gibt
derzeit mehr Spekulationen als alles andere."
Wer nun genau die Nachfolger sein werden, bleibt noch
abzuwarten, denn noch ist die Entscheidung der Alten zu frisch.
Eine Überraschung ist dieser Schritt allerdings nicht. "Es ist
eher die logische Konsequenz aus der Tatsache heraus, dass groß
proklamiert wurde, die Unterlagen einzureichen und dann nicht
dazu zu stehen", spricht Thauern Klartext. "So kann man mit
niemandem umgehen." Doch schmutzige Wäsche will man am Schloss
Strünkede nicht waschen.
Im Gegenteil: Die "jungen Wilden" sind bemüht, schnellstens
wieder Ruhe einkehren zu lassen. "Niemand hat das Interesse, den
Vorstand mit Schimpf und Schande vom Hof zu jagen. Es geht
schließlich nicht um Personen, sondern um den Verein", erklärt
Thauern. "Wir dürfen den Club nicht abschmieren lassen, sondern
müssen anpacken, um eine Zukunft zu schaffen. Und da stehen erst
einmal die Gespräche mit unserem Trainer Frank Schulz und dem
Team an."