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Generationenwechsel
beim SCW: Ingo Paeske will die "Marke Westfalia" aufpäppeln und den
Traditionsklub in die dritte Liga führen. Donnernder Applaus für
Jürgen Stieneke, den neuen Ehrenpräsidenten.
Standing ovations für den scheidenden Vorsitzenden Jürgen Stieneke,
ein dicker Vartrauensvorschuss für seinen Nachfolger Ingo Paeske,
der mit großen Visionen angetreten ist: Der SC Westfalia hat seinen
Führungswechsel relativ geräuschlos über die Bühne gebracht.
Zumindest die Wahlergebnisse zeichneten ein Bild der
Geschlossenheit, bilden einen Boden, auf dem etwas gedeihen kann.
Ein konkretes Konzept für die nahe Zukunft aber steht noch aus.
Das große Hauen und Stechen, von vielen befürchtet, blieb am
Freitagabend bei der Mitgliederversammlung im Sportjugendhaus am
Westring aus. Hier und da brachen sich zwar Emotionen Bahn,
offenbarten die tiefe Kluft, welche die Lager nicht erst seit der
Lizenzaffäre trennt. Doch mit einiger Mühe gelang es alten und neuen
Verantwortlichen, diese Gräben zuzukleistern.
Was nicht unbedingt an der Regie lag. Die nämlich wirkte auf manche
der 111 wahlberechtigten Mitglieder eher befremdlich. Nach flotter
Abhandlung der einleitenden Regularien ergriff nämlich nicht Jürgen
Stieneke das Wort, um den Bericht des Vorstands abzugeben. Vielmehr
überließ der hemdsärmelige Boss Mikro und Overhead-Projektor zwei
Herren in dunklen Maßanzügen, die nicht nur wegen ihres gediegenen
Outfits irgendwie deplatziert wirkten.
Mit Hilfe merkwürdig zusammengeschusterter Zahlen und Fakten mühten
sich die Steuerberater Kruska und Bittka, die Versammlung von der
Richtigkeit der Entscheidung gegen eine Regionalligalizenz zu
überzeugen. "Was soll das? Was wollen Sie damit sagen? Das ist doch
kalter Kaffee", maulte schon nach wenigen Sätzen Ulrich Clement. Ein
nicht ganz unberechtigter Einwand, der aber außer großem Getöse
keine substanziellen Antworten zur Folge hatte.
Immerhin erfuhren die Mitglieder, dass der Verein keine größeren
Verbindlichkeiten hat, seinen Verpflichtungen auch an die Spieler
stets nachkam, und dass Stieneke aus seinem Privatvermögen
erhebliche Summen in den Verein gesteckt hat. Nicht nur deshalb
durfte sich der scheidende Boss des Dankes aller Mitglieder gewiss
sein. Mit langem Applaus gratulierten sie Stieneke zu seiner
einstimmigen Wahl zum Ehrenpräsidenten.
Alsdann stellte sich sein Nachfolger vor: Ingo Paeske (40), Zahnarzt
und Geschäftsführer des Sponsors Haranni-Clinic. Feuer gefangen habe
er, so der gebürtige Hannoveraner, als er erstmals am Schloss
Strünkede gewesen sei. "Für mich ist es das schönste Stadion
überhaupt. Es muss doch möglich sein, es mit Leben zu füllen",
schwärmte Paeske. Seine Vision sei es, den Verein auf eine breitere
Mitgliederbasis zu stellen, ihn in der Bevölkerung fester zu
verankern, um von dieser Basis aus höhere sportliche Ziele
anzugreifen. "Im ersten Jahr wollen wir in die Regionalliga, im
zweiten wollen wir uns da etablieren, und am Ende meines
Fünf-Jahres-Plans steht der Angriff auf die dritte Liga", so Paeske.
Dabei baut er auf die Unterstützung des gesamten Vereins. Seine
ersten Helfer sind der Architekt Wolfgang Müller und der Banker
Stefan Tysbierek, die mit großen Mehrheiten in die Ämter der
stellvertretentend Vorsitzenden gewählt wurden.
15.04.2007 Von Wolfgang Volmer
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