PRESSE
Brotlose Kunst
 

23.04.07

Westfalia spielt Fußball, Rheine schießt die Tore. Michael Baum sieht nach den Schlusspfiff noch die Rote Karte. Adrian Ceteras Anschlusstor lässt nur kurz Hoffnung aufkeimen.

Fußball kann grausam sein. Neunzig Minuten spielte gestern nur eine Mannschaft, und die verließ mit leeren Händen den Platz. Dafür mit reichlich Frust. So viel Frust, dass sich Michael Baum nach dem Abpfiff zu einer unbedachten Äußerung hinreißen ließ, die der selbstherrliche Rene? Kunsleben gleich mit "Rot" ahndete - ärgerlicher Schlusspunkt unter eine ärgerliche Partie.

Vom Anpfiff an machten die Gastgeber keinerlei Anstalten, am Spiel teilzunehmen. Sie verbarrikadierten sich in der eigenen Hälfte, ließen die Herner gewähren und lauerten auf Fehler. Mit Erfolg. In der elften Minute spielte Tobias Urban einem Rheinenser den Ball in den Fuß, der schickte Marcus Fischer in die Gasse, und schon war´s passiert. Baum ließ sich mit einem Bauerntrick im Sechzehner düpieren, und Olli Bautz war gegen den platzierten Schuss machtlos.

Diesmal ließen sich die Herner vom frühen Rückstand aber wenig beeindrucken. Sie versuchten, den Ball laufen zu lassen, spielten die Eintracht-Abwehr mit Direktkombinationen mehrfach aus, doch im Abschluss klemmte es. Zweimal kam Adrian Cetera einen Schritt zu spät, Dominik Behrends Kopfball kratzte Sandtel mit einem Reflex aus dem Eck, und Arben Tahiri zögerte nach Behrends Kopfballvorlage so lange, bis der Winkel zu spitz war (22.). Mutiger war Tahiri sieben Minuten später, doch seine Direktabnahme strich knapp am Winkel vorbei.

Nach einer flotten ersten halben Stunde aber ließ auch die Schulz-Elf nach. Zwar hatte sie nach wie vor mindestens 70 Prozent Ballbesitz, aber außer einer Fülle von Standardsituationen, die allesamt wirkunslos verpufften, sprang wenig dabei heraus. Im Gefühl, in der eigenen Hälfte ungestört kombinieren zu können, unterlief Sven Barton dann der zweite folgenschwere Fehler. Blind spielte Barton den Ball von der Mittellinie zurück, erwischte Baum auf dem falschen Fuß, Fischer spritzte dazwischen und legte für Marc Barton auf, der mit einem satten Schuss aus vollem Lauf Erfolg hatte. Das Spiel war auf den Kopf gestellt.

Viel Energie hatten die Gäste ohnehin darauf verschwendet, sich mit dem Gespann anzulegen. Was sich Kunsleben zusammenpfiff, war für beide Seiten nur selten nachvollziehbar. Nur in einem Punkt hatte der Schiedsrichter eine Linie: Reklamieren galt als Majestätsbeleidigung, wurde sofort mit Gelb bestraft. Ob zuvor die Knochen krachten, spielte keine große Rolle.

Die zweite Hälfte bot ein unverändertes Bild. Der SCW rannte an, zunehmend ideenlos, Rheine lauerte. Und hätte durch Fischer beinahe den Sack zugemacht (59.). Doch diesmal fiel das Tor auf der anderen Seite, als Cetera einen abgewehrten Ball aus der Drehung volley ins Netz drosch (60.). Herne roch Lunte, löste den Libero auf, drängte - und wurde ausgekontert. Nach Ali Göls 60m-Solo brauchte Siedler nur noch einzunetzen. So grausam kann Fußball sein.

FC Eintracht Rheine - SC Westfalia Herne 3:1

Tore: 1:0 (11.) Fischer, 2:0 (36.) Barton, 2:1 (60.) Cetera, 3:1 (87.) Siedler.

Rheine: Sandtel - Klein-Reesink - Schupp, Fleddermann - Siedler - Roling (67. Göl), Schneider, da Costa, Barton, Rintelen - Fischer.

SCW: Bautz - Neumann (81. Oerterer) - Seidel, Baum - Barton, Gebauer (86. Urbainski), Tahiri, Urban (58. Makarchuk) - Behrend - Cetera, Erzen.

SR: Rene? Kunsleben (Hamm).

Zuschauer: 432.

Rote Karte: Baum (SCW, nach Spielschluss wg. SR-Beleidigung).

22.04.2007 Von Wolfgang Volmer
 

Quelle: WAZ Herne

 

 

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