|
Westfalia spielt
Fußball, Rheine schießt die Tore. Michael Baum sieht nach den
Schlusspfiff noch die Rote Karte. Adrian Ceteras Anschlusstor lässt
nur kurz Hoffnung aufkeimen.
Fußball kann grausam sein. Neunzig Minuten spielte gestern nur eine
Mannschaft, und die verließ mit leeren Händen den Platz. Dafür mit
reichlich Frust. So viel Frust, dass sich Michael Baum nach dem
Abpfiff zu einer unbedachten Äußerung hinreißen ließ, die der
selbstherrliche Rene? Kunsleben gleich mit "Rot" ahndete -
ärgerlicher Schlusspunkt unter eine ärgerliche Partie.
Vom Anpfiff an machten die Gastgeber keinerlei Anstalten, am Spiel
teilzunehmen. Sie verbarrikadierten sich in der eigenen Hälfte,
ließen die Herner gewähren und lauerten auf Fehler. Mit Erfolg. In
der elften Minute spielte Tobias Urban einem Rheinenser den Ball in
den Fuß, der schickte Marcus Fischer in die Gasse, und schon war´s
passiert. Baum ließ sich mit einem Bauerntrick im Sechzehner
düpieren, und Olli Bautz war gegen den platzierten Schuss machtlos.
Diesmal ließen sich die Herner vom frühen Rückstand aber wenig
beeindrucken. Sie versuchten, den Ball laufen zu lassen, spielten
die Eintracht-Abwehr mit Direktkombinationen mehrfach aus, doch im
Abschluss klemmte es. Zweimal kam Adrian Cetera einen Schritt zu
spät, Dominik Behrends Kopfball kratzte Sandtel mit einem Reflex aus
dem Eck, und Arben Tahiri zögerte nach Behrends Kopfballvorlage so
lange, bis der Winkel zu spitz war (22.). Mutiger war Tahiri sieben
Minuten später, doch seine Direktabnahme strich knapp am Winkel
vorbei.
Nach einer flotten ersten halben Stunde aber ließ auch die
Schulz-Elf nach. Zwar hatte sie nach wie vor mindestens 70 Prozent
Ballbesitz, aber außer einer Fülle von Standardsituationen, die
allesamt wirkunslos verpufften, sprang wenig dabei heraus. Im
Gefühl, in der eigenen Hälfte ungestört kombinieren zu können,
unterlief Sven Barton dann der zweite folgenschwere Fehler. Blind
spielte Barton den Ball von der Mittellinie zurück, erwischte Baum
auf dem falschen Fuß, Fischer spritzte dazwischen und legte für Marc
Barton auf, der mit einem satten Schuss aus vollem Lauf Erfolg
hatte. Das Spiel war auf den Kopf gestellt.
Viel Energie hatten die Gäste ohnehin darauf verschwendet, sich mit
dem Gespann anzulegen. Was sich Kunsleben zusammenpfiff, war für
beide Seiten nur selten nachvollziehbar. Nur in einem Punkt hatte
der Schiedsrichter eine Linie: Reklamieren galt als
Majestätsbeleidigung, wurde sofort mit Gelb bestraft. Ob zuvor die
Knochen krachten, spielte keine große Rolle.
Die zweite Hälfte bot ein unverändertes Bild. Der SCW rannte an,
zunehmend ideenlos, Rheine lauerte. Und hätte durch Fischer beinahe
den Sack zugemacht (59.). Doch diesmal fiel das Tor auf der anderen
Seite, als Cetera einen abgewehrten Ball aus der Drehung volley ins
Netz drosch (60.). Herne roch Lunte, löste den Libero auf, drängte -
und wurde ausgekontert. Nach Ali Göls 60m-Solo brauchte Siedler nur
noch einzunetzen. So grausam kann Fußball sein.
FC Eintracht Rheine - SC
Westfalia Herne 3:1
Tore: 1:0 (11.) Fischer,
2:0 (36.) Barton, 2:1 (60.) Cetera, 3:1 (87.) Siedler.
Rheine: Sandtel - Klein-Reesink - Schupp, Fleddermann - Siedler -
Roling (67. Göl), Schneider, da Costa, Barton, Rintelen - Fischer.
SCW: Bautz - Neumann (81. Oerterer) - Seidel, Baum - Barton, Gebauer
(86. Urbainski), Tahiri, Urban (58. Makarchuk) - Behrend - Cetera,
Erzen.
SR: Rene? Kunsleben (Hamm).
Zuschauer: 432.
Rote Karte: Baum (SCW, nach Spielschluss wg. SR-Beleidigung).
22.04.2007 Von Wolfgang Volmer
|