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Nach Bartons
Jochbeinbruch ist Spiel für 13 Minuten unterbrochen. Alle dürfen
hin, nur Frank Schulz muss in seiner Coaching-Zone bleiben.
Wattenscheider 1:0-Sieg geht in Ordnung.
Frank Schulz weiß, dass er ein emotionaler Mensch ist. Er steht
dazu, ist bereit, die Konsequenzen zu tragen. Auch in
Schiedsrichterkreisen hat es sich längst herumgesprochen, dass auf
Westfalias Bank einer sitzt, der immer mitgeht, Höhen genießt,
Tiefen durchleidet. Doch die meist recht jungen Herren an der Pfeife
sehen das nicht gern. Allzu oft fühlen sie sich berufen, den
Erzieher zu geben. Mit mäßigem Erfolg, wie man sich denken kann.
Gestern war wieder so ein Tag. Als Sven Barton an der Grenze des
Fünfmeterraums schmerzhafte Bekanntschaft mit der Faust von
09-Keeper Pommer machte, mit zertrümmertem Jochbein und
zugeschwollenem Auge acht Minuten reglos im Torraum, dann weitere
fünf hinter der Torauslinie lag, standen sie im Dutzend um ihn
herum. Die meisten hilflos, weil erst nach zehn Minuten Sanitäter
zur Stelle waren. Das allein ist ein Skandal. Dass Schulz als
verantwortlicher Trainer seinem Schützling nicht beistehen durfte,
sondern in seiner Coaching-Zone ausharren musste, mag mit den Regeln
vereinbar sein. In Ordnung ist es trotzdem nicht.
Völlig unakzeptabel war anschließend das Verhalten von
Schiedsrichterbeobachter Joswig, der den SCW-Trainer in einem Ton
anraunzte, der vielleicht in den 50er-Jahren in einem Heim für
schwer erziehbare Jungen üblich war. Zum Glück gab es etliche, auch
neutrale Zeugen für diesen Vorfall. Dennoch darf man gespannt sein,
ob und welche Folgen dieser Vorfall hat.
Ein wenig mehr von der Emotionalität ihres Trainers hätten die
SCW-Fans sich gestern auch von ihrer Mannschaft gewünscht.
Bedächtig, um nicht zu sagen behäbig, bauten die Gäste ihr Spiel
auf, machten in der ersten Hälfte wenig Anstalten, offensiv in
Erscheinung zu treten. So war der Abstiegskandidat fast pausenlos am
Drücker, ohne sich klare Chancen zu erspielen. Zu harmlos waren die
Spitzen Ropkas und Geppert, die bei Norman Seidel und Stefan
Urbainski abgemeldet waren.
Zwei Minuten nach Wiederanpfiff aber wurden die Herner für ihre
Lethargie bestraft. Trisic überlief Barton und schob aus spitzem
Winkel zum 1:0 ein. Erst jetzt wachte der SCW auf - und hätte
postwendend den Ausgleich erzielen müssen. Doch Behrend traf völlig
freistehend Bartons Hereingabe nicht voll, die Erzen clever hatte
passieren lassen.
Richtig Fahrt nahm die Partie erst nach der 13-minütigen
Unterbrechung und Bartons Abtransport ins Krankenhaus auf. Zunächst
hatte Erzen das 1:1 auf dem Fuß, scheiterte aber an Pommer (71.),
vier Minuten später verpasste Ropkas nach schönem Terzic-Solo aus
sieben Metern das Tor und die Entscheidung. Weitere Chancen auf
beiden Seiten folgten. Am Ende blieben die Punkte zurecht in
Wattenscheid, weil die Helmig-Elf über 90 Minuten mehr investierte.
Trainerstimmen:
Frank Schulz: " ... Ich denke, jeder versteht, dass ich emotional
noch nicht so runtergefahren bin, wie es sein müsste. Was hier von
Seiten des Schiedsrichters abgelaufen ist, dafür habe ich kein
Verständnis. So wichtig die Punkte sind: Die Gesundheit muss doch im
Vordergrund stehen. Und wenn ich als Trainer nicht zu meinem Mann
hin darf, ist das für mich nicht nachvollziehbar. Trotzdem müssen
wir das Spiel hier einfahren. Das haben wir nicht getan, und das
sind wir selbst schuld. ... "
Dirk Helmig: " ... Ich bin froh, dass ich hier mal nach einem Sieg
stehen darf. Wir wollten dieses Spiel unbedingt gewinnen, sind sehr
gut angefangen und hätten schon nach vier Minuten führen können. Wir
wussten aber, dass es ein Geduldspiel wird, und sind in unserer
Ordnung geblieben. In der Pause haben wir dann etwas umgestellt. Wir
wollten mehr über die Flügel kommen und haben über die linke Seite
dann ja zum Glück auch das Tor gemacht. ... "
SG Wattenscheid 09 - SC
Westfalia Herne 1:0
Tor: 1:0 (47.) Trisic.
SG 09: Pommer - Köster, Karachristos, Kushev, Alakazli - Duah -
Terzic, Höhle (62. Stojkoski), Trisic - Geppert, Ropkas (80. Yüksel).
SCW: Bautz - Neumann - Seidel, Urbainski - Barton (68. Makarchuk),
Tahiri (79. Oerterer), Köse, Gebauer, Behrend - Cetera, Erzen.
SR: Martin Thomsen.
Zuschauer: 708.
06.05.2007 Von Wolfgang Volmer
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