PRESSE
Erzieher mit Trillerpfeife
 

07.05.07

Nach Bartons Jochbeinbruch ist Spiel für 13 Minuten unterbrochen. Alle dürfen hin, nur Frank Schulz muss in seiner Coaching-Zone bleiben. Wattenscheider 1:0-Sieg geht in Ordnung.

Frank Schulz weiß, dass er ein emotionaler Mensch ist. Er steht dazu, ist bereit, die Konsequenzen zu tragen. Auch in Schiedsrichterkreisen hat es sich längst herumgesprochen, dass auf Westfalias Bank einer sitzt, der immer mitgeht, Höhen genießt, Tiefen durchleidet. Doch die meist recht jungen Herren an der Pfeife sehen das nicht gern. Allzu oft fühlen sie sich berufen, den Erzieher zu geben. Mit mäßigem Erfolg, wie man sich denken kann.

Gestern war wieder so ein Tag. Als Sven Barton an der Grenze des Fünfmeterraums schmerzhafte Bekanntschaft mit der Faust von 09-Keeper Pommer machte, mit zertrümmertem Jochbein und zugeschwollenem Auge acht Minuten reglos im Torraum, dann weitere fünf hinter der Torauslinie lag, standen sie im Dutzend um ihn herum. Die meisten hilflos, weil erst nach zehn Minuten Sanitäter zur Stelle waren. Das allein ist ein Skandal. Dass Schulz als verantwortlicher Trainer seinem Schützling nicht beistehen durfte, sondern in seiner Coaching-Zone ausharren musste, mag mit den Regeln vereinbar sein. In Ordnung ist es trotzdem nicht.

Völlig unakzeptabel war anschließend das Verhalten von Schiedsrichterbeobachter Joswig, der den SCW-Trainer in einem Ton anraunzte, der vielleicht in den 50er-Jahren in einem Heim für schwer erziehbare Jungen üblich war. Zum Glück gab es etliche, auch neutrale Zeugen für diesen Vorfall. Dennoch darf man gespannt sein, ob und welche Folgen dieser Vorfall hat.

Ein wenig mehr von der Emotionalität ihres Trainers hätten die SCW-Fans sich gestern auch von ihrer Mannschaft gewünscht. Bedächtig, um nicht zu sagen behäbig, bauten die Gäste ihr Spiel auf, machten in der ersten Hälfte wenig Anstalten, offensiv in Erscheinung zu treten. So war der Abstiegskandidat fast pausenlos am Drücker, ohne sich klare Chancen zu erspielen. Zu harmlos waren die Spitzen Ropkas und Geppert, die bei Norman Seidel und Stefan Urbainski abgemeldet waren.

Zwei Minuten nach Wiederanpfiff aber wurden die Herner für ihre Lethargie bestraft. Trisic überlief Barton und schob aus spitzem Winkel zum 1:0 ein. Erst jetzt wachte der SCW auf - und hätte postwendend den Ausgleich erzielen müssen. Doch Behrend traf völlig freistehend Bartons Hereingabe nicht voll, die Erzen clever hatte passieren lassen.

Richtig Fahrt nahm die Partie erst nach der 13-minütigen Unterbrechung und Bartons Abtransport ins Krankenhaus auf. Zunächst hatte Erzen das 1:1 auf dem Fuß, scheiterte aber an Pommer (71.), vier Minuten später verpasste Ropkas nach schönem Terzic-Solo aus sieben Metern das Tor und die Entscheidung. Weitere Chancen auf beiden Seiten folgten. Am Ende blieben die Punkte zurecht in Wattenscheid, weil die Helmig-Elf über 90 Minuten mehr investierte.

Trainerstimmen:

Frank Schulz: " ... Ich denke, jeder versteht, dass ich emotional noch nicht so runtergefahren bin, wie es sein müsste. Was hier von Seiten des Schiedsrichters abgelaufen ist, dafür habe ich kein Verständnis. So wichtig die Punkte sind: Die Gesundheit muss doch im Vordergrund stehen. Und wenn ich als Trainer nicht zu meinem Mann hin darf, ist das für mich nicht nachvollziehbar. Trotzdem müssen wir das Spiel hier einfahren. Das haben wir nicht getan, und das sind wir selbst schuld. ... "

Dirk Helmig: " ... Ich bin froh, dass ich hier mal nach einem Sieg stehen darf. Wir wollten dieses Spiel unbedingt gewinnen, sind sehr gut angefangen und hätten schon nach vier Minuten führen können. Wir wussten aber, dass es ein Geduldspiel wird, und sind in unserer Ordnung geblieben. In der Pause haben wir dann etwas umgestellt. Wir wollten mehr über die Flügel kommen und haben über die linke Seite dann ja zum Glück auch das Tor gemacht. ... "
 

SG Wattenscheid 09 - SC Westfalia Herne 1:0

Tor: 1:0 (47.) Trisic.

SG 09: Pommer - Köster, Karachristos, Kushev, Alakazli - Duah - Terzic, Höhle (62. Stojkoski), Trisic - Geppert, Ropkas (80. Yüksel).

SCW: Bautz - Neumann - Seidel, Urbainski - Barton (68. Makarchuk), Tahiri (79. Oerterer), Köse, Gebauer, Behrend - Cetera, Erzen.

SR: Martin Thomsen.

Zuschauer: 708.

06.05.2007 Von Wolfgang Volmer
 

Quelle: WAZ Herne

 

 

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