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Halbzeit in der
Fußball-Oberliga: Im Hauen und Stechen um die NRW-Liga-Plätze mischt
der SC Westfalia munter mit. Erst eine Systemumstellung bewirkt die
Wende zum Guten. Eine Analyse der Hinrunde.
Für zehn Klubs ist die erste Halbzeit der letzten Oberligasaison
beendet, auf acht wartet noch eine 90-minütige Nachspielzeit. Der
Blick auf die Tabelle erlaubt erste Prognosen. Herbstmeister FC
Schalke 04 II (36 Punkte) und Topfavorit Münster (34) sind auf dem
besten Weg in die Regionalliga, um die beiden weiteren Plätze
rangeln Bochum II (31), SF Lotte (29) sowie etwas überraschend Hamm
(28) und Erkenschwick (27). Als einziges der hoch vorgewetteten
Teams muss sich Bielefeld II (16) den Sprung in die künftige vierte
Liga bereits abschminken. Um so heftiger tobt der Kampf um die
sieben NRW-Liga-Plätze. Nur Sprockhövel (10) scheint abgeschlagen,
Wiedenbrück (11) kann mit einem Dreier im Nachholspiel beim VfL
Bochum noch Anschluss finden. Zwischen Gütersloh (7. Platz/ 22
Punkte) und Oestrich (16./16) liegen nur zwei Siege. Mitten drin in
diesem breiten Mittelfeld hat sich Westfalia Herne (12./20)
eingenistet. In der imaginären Hinrundentabelle, die nie existieren
wird, könnte der SCW auf Platz sieben, aber auch auf Rang 14 landen
- je nachdem, was er vom Nachholspiel in Gütersloh (16. 12.)
mitbringt. Insgesamt liegt die Schulz-Elf damit im Soll. Wie es dazu
kam, wohin die Reise gehen kann, diese Fragen versucht die
Detailanalyse zu beantworten.
Saisonverlauf: Mit radikal umgebautem Kader und 17 Neuen startete der SCW eher holprig in die Saison. Vier Punkte aus den ersten drei
Spielen waren nicht schlecht, doch fehlende Qualität im Angriff
wurde schon da augenfällig. Mit der Last-Minute-Niederlage gegen
Bochum begann eine Negativserie, die mit dem 0:4 in Wiedenbrück im
siebten Spiel ihren Höhe-, aber auch Endpunkt erreichte. Das
3:1gegen Rheine markierte die Trendwende. Zwar folgten in Schalke
(1:3) und gegen Lippstadt (2:3) Rückschläge, aber schon da wirkte
die Herner Elf stabiler als zuvor. Das zahlte sich in den letzten
sechs Spielen aus. Nur gegen Münster (0:1) und Schermbeck (1:1)
blieben noch Punkte liegen. Dafür beeindruckte die Schulz-Elf mit
drei Auswärtssiegen in Folge.
Taktik und Spielsystem: Zum Auftakt in Gladbeck vertraute Frank
Schulz auf sein bewährtes System mit Libero Charly Neumann, zwei
Manndeckern, einem Fünfermittelfeld und zwei Spitzen. Danach kehrte
der verletzte Seidel zurück, Schulz baute um: Neumann musste raus, Mustroph wurde zentrales Glied einer Dreierkette. Eine echte
Systemumstellung leitete in Bielefeld die Wende zum Guten ein.
Seitdem bevorzugt Schulz eine Art Fünferkette. Die Außenbahnen sind
jetzt mit Kluy und Gidaszewski defensiver besetzt. Zentral spielen
Baum und Seidel gegen den Mann, Mustroph sichert ab. Vier Spieler im
Mittelfeld bilden eine Raute mit Gebauer als Sechser und Badur als
Spielgestalter. Barton und Tahiri stoßen in die Spitze nach, wo
Terzic den Alleinunterhalter gibt.
Personal: Erst mit der Systemumstellung hat sich auch eine
Stammformation herauskristallisiert. Im Tor hat Schulz die Wahl
zwischen Ditterle und Baum, zwei verlässlichen Keepern. Seidel (15
Einsätze), Baum (16), Barton (16) und nach Problemen auch Tahiri
(14) und Gebauer (12) haben ihre Stammplätze behauptet. Von den
„Neuen” setzten sich nur die Erfahrenen durch: Mustroph, Terzic (je
16), Gidaszewski (14) und Badur (12) sind feste Größen, Kluy (8) ist
auf dem Weg dahin. Von den Jungen hat nur Salli (11/1 Tor) die
Erwartungen erfüllt. Krüger und Freyni waren durchgängig verletzt,
Firat und Zeynullahu blieben im Angriff uneffektiv, Konarski, Baron
oder Intravaia konnten sich wegen der starken Konkurrenz in der
Abwehr bisher kaum zeigen.
Stärken: Das „Teambuilding” ist gelungen, der Umbruch geschafft.
Obwohl zwei Drittel des Personals ausgewechselt wurden, hat Trainer
Schulz wieder eine kampfkräftige Einheit auf dem Platz, die 90
Minuten Gas gibt. Auch die Ruhe im Umfeld hat dazu beigetragen. Ein
besonnener Vorstand und Fans, die ihre Jungs auch in schwierigen
Phasen unterstützen, zählen zu den Trümpfen. Verbessert hat sich die
Torgefährlichkeit aus dem Mittelfeld. Mit Gidaszewski (5), Tahiri
(4), Badur, Baum (je 3) und Barton (2) stehen die besten Schützen in
den hinteren Reihen.
Schwächen: Die Lücken, die El-Nounou und Erzen, aktuell Nummer 2 und
3 der Oberliga-Torjägerliste, hinterließen, sind noch nicht
gestopft. Nur fünf der 23 Tore erzielten nominelle Stürmer (Terzic
3, Kleine, Salli).
Ausblick: Die Analyse zeigt den Handlungsbedarf klar auf: Kann sich
der SCW im Angriff verstärken oder schafft einer der Jungen den
Durchbruch, hat Westfalia im Kampf um Platz elf gute Karten – sofern
nicht mehrere Leistungsträger langfristig ausfallen.
Von Wolfgang Volmer
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