PRESSE

Mannschaft wartet auf ein offenes Wort
 

05.12.07

Dass sie ihr Geld nicht pünktlich und nicht vollständig erhalten haben, ist das eine Problem. Das andere, fast noch größere: Die Spieler des SCW fühlen sich von ihrem Vorstand nicht für voll genommen. Am Schloss Strünkede herrscht dicke Luft.

Jetzt ist es raus. Der SC Westfalia Herne steckt finanziell in der Klemme und kann seinen Verpflichtungen gegenüber den Oberligaspielern nicht nachkommen. Die Grundgehälter für Oktober wurden nur zur Hälfte und mit fast dreiwöchiger Verspätung ausgezahlt. Das räumte der Vorsitzende Ingo Paeske gestern ein.

„Ja, wir haben Probleme”, bestätigte Paeske, der erst im Frühjahr zum Nachfolger des langjährigen SCW-Bosses Jürgen Stieneke gewählt worden war. Einige Sponsoren hätten vertraglich abgesicherte Zahlungen in „nicht unerheblicher Höhe” bislang nicht geleistet. „Und auch die Zuschauerzahlen sind unter unseren Erwartungen geblieben.” Ausgehend von der letzten Saison, habe man mit einem 800er-Schnitt kalkuliert. Der sei aber nicht erreicht worden, obwohl mit Münster und Erkenschwick schon die beiden lukrativsten Gegner am Schloss gastierten.

Derzeit suche man fieberhaft nach Möglichkeiten, neue Geldquellen zu erschließen und die Löcher zu stopfen. Mit einem möglichen Sponsoren habe man bereits Gespräche geführt. „Der will sich Mitte der Woche erklären. In 48 Stunden wissen wir mehr”, bittet Paeske um Geduld. Auch habe man in einer Vorstandssitzung am Montag „andere Kanäle aufgetan und einige Sachen angestoßen.” Ob daraus etwas werde, könne er aber nicht vorhersagen.

Gerüchte, dass etwas im Busch sei, kursierten rund ums Schloss schon seit Wochen. Doch statt selbst in die Offensive zu gehen und den Spielern reinen Wein einzuschenken, ließ der Vorstand die Dinge treiben. „Wir wollten mit einer groß angelegten Aktion an die Öffentlichkeit gehen”, begründet Paeske, ohne Details einer solchen Aktion nennen zu wollen. Dass auch bei den Spielern der Eindruck entstanden sei, der Vorstand tauche ab und laufe vor den Problemen davon, erklärt der Zahnarzt mit beruflich bedingten Defiziten in der Kommunikation. „Ich kann nicht einfach vom Behandlungsstuhl weg gehen. Und ich kann nicht ständig präsent sein.”

Um einen kürzeren Draht zur Mannschaft zu haben, denke er über die Installierung eines „Sportlichen Leiters” nach, auch wenn der nicht zum Nulltarif zu haben sei. „Die Idee ist da, Namen kann ich noch keinen nennen.”

Die Mannschaft hört es wohl, allein ihr fehlt der Glaube. Sie hat beschlossen, selbst an die Öffentlichkeit zu gehen. „Wir sind oft genug vertröstet, hingehalten und auch belogen worden”, erklärten Arben Tahiri, Michael Baum und Mirko Mustroph im Namen aller. „Hier ist viel Glaubwürdigkeit verloren gegangen. Es geht nicht darum, dass wir nur einmal drei Wochen zu spät unser Geld bekommen haben. Das gab es auch in den Monaten vorher.” Mehrfach habe die Mannschaft um ein klares Wort gebeten. „Wir verlangen Offenheit und Respekt. Wir wollen nicht wie Kindergartenkinder behandelt werden.”

Dem Verein und ihren Fans fühlen sich die Spieler verpflichtet. „Wir ziehen das Ding durch. Volle Pulle, mindestens bis zur Winterpause. Wir hängen an Westfalia.” Solidarität üben sie auch mit ihren Kameraden. „Wir haben gesammelt, um Spielern zu helfen, ihre Miete zu bezahlen. Und die Spritkosten zahlen wir aus der Mannschaftskasse.” Gern, allzu gern möchte diese Truppe, die wieder zu einer verschworenen Gemeinschaft geworden ist, mit dem SCW in die NRW-Liga. „Wir sind für jedes Gespräch offen und bereit, Lösungen zu suchen. Aber wir werden von Woche zu Woche vertröstet, und keiner weiß, ob und wie es hier weitergeht.”

Vor allem diese Frage wartet auf eine Antwort. Eine überzeugende Antwort. Die Mannschaft samt Trainern und Betreuern macht ihren Job. Jetzt ist der Vorstand am Zug.

Von Wolfgang Volmer
 

Quelle: WAZ Herne

 

 

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