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Dass sie ihr Geld nicht pünktlich und nicht vollständig erhalten
haben, ist das eine Problem. Das andere, fast noch größere: Die
Spieler des SCW fühlen sich von ihrem Vorstand nicht für voll
genommen. Am Schloss Strünkede herrscht dicke Luft.
Jetzt ist es raus. Der SC Westfalia Herne steckt finanziell in der
Klemme und kann seinen Verpflichtungen gegenüber den
Oberligaspielern nicht nachkommen. Die Grundgehälter für Oktober
wurden nur zur Hälfte und mit fast dreiwöchiger Verspätung
ausgezahlt. Das räumte der Vorsitzende Ingo Paeske gestern ein.
„Ja, wir haben Probleme”, bestätigte Paeske, der erst im Frühjahr
zum Nachfolger des langjährigen SCW-Bosses Jürgen Stieneke gewählt
worden war. Einige Sponsoren hätten vertraglich abgesicherte
Zahlungen in „nicht unerheblicher Höhe” bislang nicht geleistet.
„Und auch die Zuschauerzahlen sind unter unseren Erwartungen
geblieben.” Ausgehend von der letzten Saison, habe man mit einem
800er-Schnitt kalkuliert. Der sei aber nicht erreicht worden, obwohl
mit Münster und Erkenschwick schon die beiden lukrativsten Gegner am
Schloss gastierten.
Derzeit suche man fieberhaft nach Möglichkeiten, neue Geldquellen zu
erschließen und die Löcher zu stopfen. Mit einem möglichen Sponsoren
habe man bereits Gespräche geführt. „Der will sich Mitte der Woche
erklären. In 48 Stunden wissen wir mehr”, bittet Paeske um Geduld.
Auch habe man in einer Vorstandssitzung am Montag „andere Kanäle
aufgetan und einige Sachen angestoßen.” Ob daraus etwas werde, könne
er aber nicht vorhersagen.
Gerüchte, dass etwas im Busch sei, kursierten rund ums Schloss schon
seit Wochen. Doch statt selbst in die Offensive zu gehen und den
Spielern reinen Wein einzuschenken, ließ der Vorstand die Dinge
treiben. „Wir wollten mit einer groß angelegten Aktion an die
Öffentlichkeit gehen”, begründet Paeske, ohne Details einer solchen
Aktion nennen zu wollen. Dass auch bei den Spielern der Eindruck
entstanden sei, der Vorstand tauche ab und laufe vor den Problemen
davon, erklärt der Zahnarzt mit beruflich bedingten Defiziten in der
Kommunikation. „Ich kann nicht einfach vom Behandlungsstuhl weg
gehen. Und ich kann nicht ständig präsent sein.”
Um einen kürzeren Draht zur Mannschaft zu haben, denke er über die
Installierung eines „Sportlichen Leiters” nach, auch wenn der nicht
zum Nulltarif zu haben sei. „Die Idee ist da, Namen kann ich noch
keinen nennen.”
Die Mannschaft hört es wohl, allein ihr fehlt der Glaube. Sie hat
beschlossen, selbst an die Öffentlichkeit zu gehen. „Wir sind oft
genug vertröstet, hingehalten und auch belogen worden”, erklärten
Arben Tahiri, Michael Baum und Mirko Mustroph im Namen aller. „Hier
ist viel Glaubwürdigkeit verloren gegangen. Es geht nicht darum,
dass wir nur einmal drei Wochen zu spät unser Geld bekommen haben.
Das gab es auch in den Monaten vorher.” Mehrfach habe die Mannschaft
um ein klares Wort gebeten. „Wir verlangen Offenheit und Respekt.
Wir wollen nicht wie Kindergartenkinder behandelt werden.”
Dem Verein und ihren Fans fühlen sich die Spieler verpflichtet. „Wir
ziehen das Ding durch. Volle Pulle, mindestens bis zur Winterpause.
Wir hängen an Westfalia.” Solidarität üben sie auch mit ihren
Kameraden. „Wir haben gesammelt, um Spielern zu helfen, ihre Miete
zu bezahlen. Und die Spritkosten zahlen wir aus der
Mannschaftskasse.” Gern, allzu gern möchte diese Truppe, die wieder
zu einer verschworenen Gemeinschaft geworden ist, mit dem SCW in die
NRW-Liga. „Wir sind für jedes Gespräch offen und bereit, Lösungen zu
suchen. Aber wir werden von Woche zu Woche vertröstet, und keiner
weiß, ob und wie es hier weitergeht.”
Vor allem diese Frage wartet auf eine Antwort. Eine überzeugende
Antwort. Die Mannschaft samt Trainern und Betreuern macht ihren Job.
Jetzt ist der Vorstand am Zug.
Von Wolfgang Volmer
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