SGW und Velbert gelassen - "Dürfen wir
noch Fußball spielen?"
Durch die Vereine geht ein Aufschrei. 72
Seiten umfasst der Anforderungs-Katalog, den
die einzelnen Bewerber für die künftige
NRW-Liga studieren und abarbeiten müssen.
"Da hat sich jemand wieder etwas ganz Tolles
einfallen lassen", schüttelt Horst
Darmstädter, "Macher" des
Aufstiegsaspiranten VfB Hüls, ironisch den
Kopf. Während die Hülser die Vorgaben
stemmen könnten, sind manche Vereine mit
ihrem Latein am Ende.
Der Kostenapparat für diverse Neuerungs- und
Änderungs-Arbeiten ist für sie nicht zu
stemmen, zum Teil wird wie bei Schermbeck
über einen Umzug nach Wesel nachgedacht.
Darmstädter: "Das sind 40 Kilometer
Entfernung. Von einem Heimvorteil kann da
wohl keine Rede mehr sein." Und ihrem Ärger
wollen die Verantwortlichen am kommenden
Mittwoch Luft machen. Denn ab 17 Uhr findet
in Duisburg eine Informations-Veranstaltung
statt, bei der sich die Verbands-Funktionäre
den Club-Offiziellen stellen werden.
RevierSport hat schon einmal bei
Verantwortlichen sowie Trainern nachgefragt
- und reichlich Protest-Reaktionen erhalten.
Horst Darmstädter (Abteilungsleiter VfB
Hüls): Ich halte die gesamten 72 Seiten
im Forderungskatalog für überzogen. Die
Frage, die man sich bei den gestellten
Anforderungen stellen muss: Dürfen wir
überhaupt noch Fußball spielen? Wenn man
dann noch bedenkt, dass der Verband fünf
Prozent der Spieltags-Einnahmen verlangen
will, dann frage ich: Für wen sollen die
sein und was sollen wir noch alles bezahlen?
Was die einzelnen aufgeführten Punkte
angeht, sehe ich beim VfB Hüls nur das
Problem im sanitären Bereich. Da müssten wir
sicherlich nachbessern.
Vier Trenn-Bereiche sind bei uns durchaus
machbar, beim Punktspiel gegen Münster im
Vorjahr hat das mit geteilten
Tribünen-Blöcken vor über 1.000 Fans
hervorragend geklappt. Auch in puncto
Presse-Plätze, VIP-Bereich und Kabinen-Größe
sind wir gerüstet. Was den sportlichen
Aspekt angeht, kann ich mir nicht
vorstellen, dass aus Bonn, Köln oder Kleve
mehr Zuschauer mitkommen, als wir gegen
Gütersloh oder Schalke II haben. Ich denke
sogar, dass die künftige Westfalen-Liga
interessanter wird als die NRW-Klasse.
Guido Tann (Vorsitzender Wattenscheid
09): So, wie es derzeit aussieht, sind
wir wohl einer der wenigen Vereine, die sich
keinerlei Sorgen bezüglich der
NRW-Liga-Anforderungen machen müssen. Die
Lohrheide verfügt sowohl über ausreichend
Kapazität als auch über getrennte Bereiche.
Wir haben genug Plätze für Medien-Vertreter
und VIPs zur Verfügung, dazu auch die
geforderte Kabinengröße von 40
Quadratmetern. Wenn es bei uns etwas zu
korrigieren geben sollte, dann werden das
Kleinigkeiten sein.
Wir werden natürlich zum Info-Abend am
kommenden Mittwoch nach Duisburg fahren, um
genauere Details zu erfahren und uns mit
anderen Clubs auszutauschen. Ich fände es
fair, den Vereinen, die sich sportlich für
die neue Klasse qualifizieren, gewisse
angemessene Übergangs-Fristen einzuräumen,
alle Maßnahmen zu erfüllen. Das kann in der
Kürzer der Zeit bis zum kommenden Sommer
schon etwas problematisch werden. Gerade die
kleineren Clubs haben auch ein
Überlebensrecht, zumal es in der NRW-Liga
kein TV-Geld mehr gibt, was gewisse Ausgaben
abfedern könnte. Gerüchteweise ist mir mal
etwas von einem Generalsponsor zu Ohren
gekommen, der die neue Staffel präsentieren
soll. Ich kann mir so etwas ehrlich gesagt
nicht vorstellen, lasse mich aber gerne
eines Besseren belehren.
Stefan Janßen (Trainer VfB Speldorf):
Die Oberliga war qualitativ schon einmal
stärker. Deshalb verstehe ich nicht, warum
die Auflagen so explodieren müssen. Den
Vereinen wird einiges, beispielsweise die
Fernsehgelder, weggenommen und gleichzeitig
werden Ausgaben erhöht. Das passt nicht. Man
braucht so eine Klasse nicht und ich halte
sie für puren Aktionismus.
Thomas Bungart ("Boss" VfB Homberg):
Bevor wir uns über ungelegte Eier einen Kopf
zerbrechen, warten wir lieber erst einmal
den Mittwoch ab. Denn wahrscheinlich werden
die Sachen nicht so heiß gegessen wie sie
gekocht werden. Wenn man sich anschaut, wie
das entstanden ist, fällt es nicht schwer,
die Zusammensetzung zu erklären. Der DFB hat
die Anforderungen für die dritte Klasse und
die Regionalliga entworfen, und die Verbände
am Nordrhein und Westfalen haben sie
lediglich abgekupfert. Revidieren kann man
es ja sowieso noch. Das ist auch notwendig,
ansonsten gibt es keinen Verein, der in
dieser Klasse spielen kann.
Frank Benatelli (Coach TuRU Düsseldorf):
Das ist ein absoluter Unsinn, denn es kommen
ja nur 300 Zuschauer. Wofür brauchen wir
vier Eingänge oder separate Zuschauerblöcke?
Die müssen das noch einmal alles überdenken,
denn der Verband gründet schließlich keine
neue Profiliga. Und die Vereine sind sowieso
froh, überhaupt zu überleben.
Horst Heinze (Fußball-Abteilungsleiter
Hammer SpVg.): Für einen Großteil der
Vereine in der Oberliga Westfalen ist es
eine Zumutung, was der DFB da alles fordert.
Man muss mal die Frage stellen, ob der DFB
die kleinen Vereine nicht mehr in den oberen
Spielklassen haben will, sondern nur noch
die Unterbauten der Proficlubs. Unter den
jetzigen Voraussetzungen können wir das
keinesfalls erfüllen. Wenn unser Stadion
modernisiert wird, sieht das anders aus. In
den Planungen sind dann alle Maßnahmen
enthalten. Aber noch haben wir die
Finanzierung selbst der ersten Ausbaustufe
nicht durch."
Manfred Kuhmichel (1. Vorsitzender des
ETB): Das ist für uns tägliche Lektüre.
Wir fallen auch nicht um, sonst könnten wir
ja sofort die Truppe vom Spielbetrieb
abmelden. Bei uns gibt es kein Lamentieren.
In Essen findet man niemanden, der gegen den
Verband wettert. Wir sind dabei, die
Anforderungen anzugehen und ich bin mich
sicher, dass wir das auch schaffen. Warum
auch nicht? Es gab am Uhlenkrug auch eine
Begehung durch den DFB und die Stadt - das
lief alles harmonisch. Der DFB verfasst
einen Bericht, der auch der Stadt zugestellt
wird.
Der Uhlenkrug ist ja schließlich auch
städtisches Eigentum. Auch wirtschaftlich
gehen wir das an, der ETB hat viele Freunde.
Es ist unsere Aufgabe, Steine aus dem Weg zu
räumen, daran arbeiten wir rund um die Uhr,
weil noch einiges zu tun ist. Wir planen
natürlich zweigleisig, für die Regionalliga
und die NRW-Liga. Aber die zweite
Alternative ist ja nur "business as usual".
Natürlich wollen wir hoch, ich gehe auch
fest davon aus, dass wir das schaffen, weil
unsere Truppe ein verschworener Haufen ist.
Alles, was getan werden muss, wird auch bis
zum ersten Spieltag der nächsten Saison
erledigt sein, die Umbauten werden laufen.
Robert Wasilewski (Trainer TSG
Sprockhövel): Die Anforderungen sind für
die Regionalliga, aber nicht für Amateure
gedacht. Für uns ist das nach dem
derzeitigen Stand gar nicht machbar, aber
darüber müssen wir uns ja leider sportlich
keine Gedanken machen. Vereine wie die TSG
arbeiten schon mit kleinen Mitteln. Warum
werden uns dann noch weitere Steine in den
Weg gelegt?
Frank Schulz (Trainer Westfalia Herne):
Das haben wieder Leute entworfen, die die
Kluft zwischen den Profis und Amateuren
weiter vorantreiben wollen, denn teilweise
sind die Forderungen aus bautechnischen
Gründen nicht machbar. Manche Sachen muss
man auch einmal überdenken und nicht immer
voreilig bekannt geben. Der Fußball ist so
eine tolle Sache und wir sind doch alle
aufeinander angewiesen. Warum sitzt man dann
nicht in einem Boot und kommuniziert
vernünftig miteinander? Wir lieben doch alle
den Sport und dazu gehören auch die
Amateure.
Manfred Wölpper (Coach Spvgg.
Erkenschwick): Das ist ein Witz vor dem
Herren. Welcher Oberligist soll diese
Auflagen erfüllen? Wir haben von der
Infrastruktur des Stadions noch gute
Möglichkeiten. Dennoch wird es auch für uns
ein erheblicher Aufwand. Aber eigentlich
sollte man sich gar nicht darüber aufregen,
denn die machen doch eh was sie wollen. Sie
haben ja auch die NRW-Liga eingeführt,
obwohl das Votum eindeutig dagegen war.