In der Nachspielzeit schießt Hernes
Keeper Preußen-Stürmer Scherping an, und von
dem prallt der Ball zum 1:1 ins Tor.
Westfalia nutzt durch Dominik Behrend nur
eine von sechs Großchancen.
Bittere Momente gehören zum Leben jedes
Sportlers. Gestern durchlitt Oliver Bautz
schlimme Minuten. „Erde, tu dich auf”,
sprach aus seinem Gesicht voller
Fassungslosigkeit, als er mit leerem Blick
in seinem Sechzehner stand. Immer mal wieder
kam ein Mitspieler vorbei, ein Gegenspieler,
ein Zuschauer, tätschelte ihm tröstend die
Schulter. Doch Hernes Keeper schien das
alles nicht wahrzunehmen. Vor seinem Auge
lief immer nur diese Szene ab, diese letzte
Szene, als Mirko Mustrophs Rückpass vor ihm
auftickte, er den Ball mit dem Schienbein
traf, den fünf Meter entfernten Timo
Scherping anschoss und dann mit ansehen
musste, wie die Kugel ins verwaiste Herner
Tor prallte. Zwei hoch verdiente, sicher
geglaubte Punkte waren futsch. Schlimm für
„Olli”, schlimm für die Westfalia.
„Unglücklicher kann man Punkte nicht
verlieren”, war auch Trainer Frank Schulz
gefrustet. Sein Gegenüber konnte das sehr
gut nachvollziehen. „Sicher war es ein
kurioses Tor und für uns ein glücklicher
Punkt. Aber wir müssen uns nicht dafür
entschuldigen und nehmen ihn gerne mit”,
atmete Roger Schmidt tief durch.

Westfalia war über die gesamte Spielzeit das
bessere Team
Dass die Gäste den deutlich besseren Fußball
spielten, dass sie, gemessen an den Chancen,
mit zwei, drei Toren Unterschied hätten
gewinnen müssen, das hatten alle im
Preußen-Stadion gesehen. „Herne war klar
besser. Die können einem Leid tun”: Mit
dieser Meinung stand ein Preußen-Fan nicht
allein. Von den Herner „Amateuren” war man
angetan, von der eigenen Truppe, die unter
Profibedingungen arbeitet und zweimal
täglich trainiert, regelrecht entsetzt.
Als Dominik Behrend in der 31. Minute Badurs
Maßflanke zum 0:1 einköpfte, war Hernes
Führung längst überfällig. Drei Hochkaräter
hatte allein Andre´ Badur ausgelassen.
Mindestens seine dritte Chance hätte er
eigentlich nutzen müssen. Wunderschön hatte
ihn der erneut überragende Tim Gebauer frei
gespielt, doch aus bester Position brachte
Badur den Ball einfach nicht an Torwart
Schulze Niehues vorbei.

André Badur zielt aus spitzem Winkel am Tor
vorbei. Fotos: InfoSchlumpf
Auf der Gegenseite dagegen herrschte totale
Flaute. Michael Baum meldete Sowislo ab,
Norman Seidel gönnte Erzen keinen Stich, so
dass der frühere Herner nach der Pause
gleich in der Kabine bleiben durfte. Eher
zufällig kamen die Hausherren nach dem
Rückstand doch zu zwei Chancen. Doch Wasseys
abgefälschter Distanzschuss prallte vor den
Außenpfosten (36.), und Kara schaufelte das
Leder freistehend über das Gebälk (45.).
Ebenso kläglich versiebte Behrend in der 47.
Minute. Der SCP-Keeper hatte Badurs Schuss
reaktionsschnell abgewehrt, Behrend semmelte
den Abpraller aus drei Metern in die Wolken.
Danach tat sich lange Zeit vor den Toren
wenig. Der SCW kontrollierte das Spiel,
stand hinten sicher, fuhr seine Konter aber
zu unpräzise. In der Nachspielzeit hätte
Sezgin Salli alles klarmachen können, doch
er traf den Pfosten. Und im Gegenzug patzte
Bautz. Doch so etwas ist auch schon anderen
Ollis passiert.
SC Preußen Münster - SC Westfalia Herne 1:1
(0:1)
Tore: 0:1 (31.) Behrend, 1:1 (90.+2)
Scherping.
SCP: Schulze Niehues - Ornatelli, Matlik, Ivicevic, Wissing - Kara (74. Dede), Seggewiß, Lauretta (74. Scherping), Massey - Sowislo, Erzen (46. Talarek).
SCW: Bautz - Mustroph - Barton (76. Tahiri), Seidel, Baum, Kluy (81. Freyni) - Gebauer, Gidaszewski - Behrend (84. Salli), Badur - Terzic.
SR: Carsten Wix (Aachen)
Zuschauer: 4239 Zahlende.
Trainerstimmen:
Frank Schulz (SCW): Vorher habe ich
meinen Jungs gesagt, wir fahren mal eben mit
dem Linienbus nach Münster und holen da die
Punkte ab. Ich kann meiner Mannschaft nur
ein Riesenkompliment machen, wie sie hier
aufgetreten ist in diesem Stadion, mit
diesem tollen, professionellen Umfeld. Am
Anfang hat Münster viel Druck gemacht. Nach
zehn Minuten haben wir uns gefunden und eine
richtig gute Partie gemacht. Unglücklicher
kann man einen Sieg nicht herschenken. Die
Mannschaft ist jetzt down. Sie wäre der
verdiente Sieger gewesen.
Roger Schmidt (SCP): Es war ein
glücklicher Punkt für uns, das will ich gar
nicht bestreiten. Herne hat hier einen sehr
guten Auftritt hingelegt. Wir haben so
gespielt, wie man es gegen Herne gerade
nicht machen darf. Das 0:1 kam nicht
überraschend, es hatte sich schon
angedeutet. Auch in der zweiten Hälfte haben
wir nicht unsere Linie gefunden.
Von Wolfgang Volmer