PRESSE

Tor bleibt vernagelt
 

28.04.08

Zweimal rettet die Latte für Lotte. Westfalia Herne steht auch beim Tabellenvierten dicht vor einem Sieg, kann seine Chancen aber auch in Überzahl nicht nutzen. Sven Barton kaum zu halten.

Vom Glück muss sich Westfalia Herne dieser Tage wirklich nicht verfolgt fühlen. Wie zuletzt aus Lippstadt und Münster brachte die Elf von Frank Schulz zwar auch aus Lotte einen Punkt mit, aber erneut waren es die Gastgeber, die nach dem Schlusspfiff jubelnd die Arme hoch rissen. Zu Recht, waren es doch die Gäste, die nach einer überlegen geführten zweiten Hälfte mit zwei Alu-Treffern dichter vor dem Sieg standen.

"Heute bin ich ziemlich niedergeschlagen. Man muss nur sehen, wo wir stehen könnten", trauerte Schulz den sechs Punkten nach, die seine Jungs in den letzten drei Auswärtsspielen liegen ließen. Eine entlarvende Aussage, was seine "heimlichen Ziele" anbelangt. Offiziell hatte der SCW-Coach nämlich bislang stets von der NRW-Liga gesprochen, die es zu erreichen gelte. Und der ist Herne durch die Bielefelder Niederlage in Hamm ein gutes Stück näher gekommen.

Auch die Mannschaft empfand das nur als schwachen Trost. Sie zeigte in der sonnendurchfluteten PGW-Arena erneut eine grundsolide Partie und war dem spielstarken Tabellenvierten stets ebenbürtig.

In der ersten Hälfte neutralisierten sich beide Teams und ließen kaum Chancen zu. Das Spiel hatte Tempo, Rasanz und bot hübsche Ballstafetten, am Ende war es aber immer ein Abwehrspieler, der den entscheidenden Zweikampf gewann. Norman Seidel und Tim Gebauer ließen Lottes Assen Böwing-Schmalenbrock und Dondorf kaum Spielraum, auf der Gegenseite konnten auch Edin Terzic und Co. wenig ausrichten. Nur bei einigen langen Bällen auf Gueraslan verschätzte sich die Herner Abwehr, doch der quirlige SF-Stürmer kam nie richtig zum Abschluss.

Nach der Pause kamen die Gäste mit mehr Schwung aus der Kabine. Vor allem Sven Barton, der erst nach dem Aufwärmen grünes Licht für seinen Einsatz gab, machte auf der rechten Seite viel Betrieb und überlief ein ums andere Mal die Lotter Abwehr. Doch weder mit seinen Schüssen noch mit seinen Flanken hatte der Flügelflitzer Glück.

Als Jan Kreuzheck wieder einmal zu spät kam und Barton im Mittelkreis umsenste, zückte Schiri Enes Krupic Rot - zu hart, wie selbst die Herner meinten. Was sie nicht davon abhielt, nun noch konsequenter auf Sieg zu spielen. Binnen 60 Sekunden trafen Terzic per Kopf und Barton mit einem 15m-Kracher nur die Latte (60.). Die Lotter Abwehr geriet nun ins Schwimmen, der SCW konnte aber auch einige weitere brenzlige Situationen nicht nutzen. Und hatte Glück, dass Baum in der Schlussphase Böwing-Schmalenbrocks Volleyschuss wie auch den Versuch des zu lange zögernden Ex-Hernes Tobi Urban abblockte. Andernfalls hätte Frank Schulz wohl Jürgen Wegmann zitieren müssen. "Erst hasse kein Glück, und dann kommt auch noch Pech dazu" - zumindest das blieb dem SCW erspart. Noch ist alles drin.

Sportfreunde Lotte - SC Westfalia Herne 0:0

SFL: Poggenborg - Lodter, Schiersand, Leimbrink, Kreuzheck - Hozjak (62. Heger), Langenstroer, Dondorf, Schneider - Gueraslan (62. Schütte), Böwing-Schmalenbrock (87. Urban).

SCW: Bautz - Mustroph - Seidel, Baum - Barton, Gebauer, Gidaszewski (67. Tahiri), Kluy - Behrend, Badur - Terzic.

SR: Enes Krupic (Moers).

Zuschauer: 830.

Rote Karte: Kreuzheck (Lotte/54.).

Trainerstimmen:

Frank Schulz (SCW): Ich komme immer wieder gerne nach Lotte ins schönste Stadion der Oberliga. In der ersten Halbzeit war das Spiel pari, beide Mannschaften haben sich neutralisiert. In der zweiten Hälfte sah das anders aus, da hätten wir ganz klar den Sieg verdient gehabt. Ich habe selten eine Mannschaft gesehen, die sich nach dem Schlusspfiff über einen Punkt so gefreut hat wie Lotte heute. Obwohl wir erneut zwei Punkte abgegeben haben, bin ich riesenstolz auf meine Truppe, die sich klasse präsentiert hat. Ich hoffe, dass wir auch die letzten vier Spiele noch durchstehen und die NRW-Liga schaffen.

Manfred Wölpper (SFL): Wir haben heute das Quäntchen Glück gehabt. In der ersten Halbzeit war das Spiel ausgeglichen. Durch die Rote Karte, die völlig überzogen war, ist das Spiel in gewisse Bahnen gelenkt worden. In den letzten Minuten hätten wir sogar noch gewinnen können, aber das wäre nicht verdient gewesen.
 

Kommentar:

Nachholbedarf

Entschieden ist noch nichts, die Richtung aber zeichnet sich ab. Westfalia Herne wird allem Anschein nach in der nächsten Saison der neuen NRW-Liga angehören. So stabil und gefestigt, wie die Schulz-Elf seit Monaten auftritt, wird sie die theoretisch noch fehlenden vier Punkte gewiss einfahren. Schließlich gab es in den letzten 18 Spielen nur eine Niederlage. Völlig zu Recht verweist Frank Schulz mit Stolz darauf, dass sein Team auch gegen die Topklubs Münster, Schalke, Bochum und Lotte die bessere Mannschaft war und mit etwas Glück aus diesen Partien statt acht auch volle zwölf Punkte hätte holen können.

Sportlich ist der SCW also auf Augenhöhe mit den künftigen Regionalligisten. In der Infrastruktur aber hinkt er doch mächtig hinterher, wie jüngst erst die Stadionbegehung durch eine DFB-Kommission aufgezeigt hat. Das alte Herner Stadion hat großen Charme, liegt aber in Sachen Sicherheit, Komfort und Ausstattung um Lichtjahre hinter dem, was zum Beispiel in Lotte entstanden ist. Da können sich Jürgen Stieneke und Co. noch so abstrampeln - ohne großzügige Hilfe, vor allem durch die Stadt, werden sie diese Lücke nie schließen können.

Von Wolfgang Volmer
 

Quelle: WAZ Herne

 

 

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