Der Ehrenvorsitzende Jürgen Stieneke
stellt sich dem Interview - nicht aber zur
Wahl eines neuen Vorstandes. Die
Stadionsanierung bereitet dem Ex-Präsidenten
das größte Kopfzerbrechen. Neues
Sponsorenkonzept.
Herr
Stieneke, nach dem 3:0 gegen Hamm droht dem
SC Westfalia die Regionalliga. Oder wäre der
Aufstieg für den Verein eine Chance?
Stieneke: Droht ist schon richtig,
aber in Anführungszeichen. Ich halte die
Regionalliga nämlich für eher machbar als
die NRW-Liga.
Wieso das?
Stieneke: Weil es viel leichter ist,
für die Regionalliga an neue Sponsoren zu
kommen. Die NRW-Liga halte ich für nicht
interessant, da gibt es keine Fernsehgelder
mehr, das ist eine deutliche Abwertung im
Vergleich zur Oberliga.
Trotzdem muss der SCW jetzt zweigleisig
planen. Das Gerüst der künftigen Mannschaft
steht. Sonst aber gibt es jede Menge
Baustellen. Welche bereitet Ihnen das größte
Kopfzerbrechen?
Stieneke: Momentan ist das die
Stadionsanierung. Da sind wir jetzt mit der
Firma Hochtief in Verbindung. Die werden
sich das Stadion in den nächsten Tagen
ansehen, und dann werden wir versuchen, mit
Hochtief ein gemeinsames Sanierungskonzept
zu erstellen.
Was verlangt denn der DFB?
Stieneke: Eine ganze Menge. Zum
Beispiel eine Flutlichtanlage. Aber die muss
nicht morgen stehen, damit lassen sie uns
noch ein Jahr in Ruhe. Sofort müssen wir 500
Schalensitze auf der Tribüne anbringen,
einige Wege müssen neu gepflastert oder
asphaltiert werden, weil nirgendwo lockeres
Gestein oder Schotter rumliegen darf.
Zwischen Rasen und Clubhaus muss ein Tunnel
erstellt werden. Das sind die wichtigsten
Sachen.
Für die der Sportliche Leiter Timur Camci
mal eine Summe von 200 00 Euro in den Raum
gestellt hat.
Stieneke: Das wird sehr eng. Aber
Hochtief ist da gut im Stoff, die kennen
jeden Topf, aus dem für einen Verein wie
Westfalia Geld fließen kann.
Muss auch die Stadt helfen?
Stieneke: Die
Beschäftigungsgesellschaft hilft uns und
damit indirekt die Stadt. Sonst kämen wir
gar nicht voran.
Kurzfristig werden Sie aber dem DFB ein
Ausweichstadion benennen müssen . . .
Stieneke: Wir arbeiten dran. Wir
haben mit Oberhausen gesprochen, mit Essen
auch, da gibt es keine Möglichkeiten. Das
wird nicht einfach.
Anderes Thema: Die Führungskrise schwelt
weiter. Wie ist die zu lösen, welche Rolle
spielen Sie selbst?
Stieneke: Ich bin Ehrenpräsident,
mehr nicht. Im Moment kümmern wir uns darum,
dass alles läuft. Das ist schwer zu
definieren.
Aber ohne handlungsfähigen Vorstand geht's
doch nicht.
Stieneke: Richtig. Deshalb werden wir
auch im Juli oder August eine
außerordenliche Hauptversammlung einberufen,
um einen neuen Vorstand zu wählen. Der
jetzige ist, wie soll ich sagen, amtsmüde.
Stehen Sie selbst zur Wahl?
Stieneke: Auf keinen Fall. Wir
erarbeiten gerade ein völlig anderes
Konzept, auch ein neues Sponsorenkonzept.
Wir planen, die erste Mannschaft aus dem
Verein zu lösen und als Kapitalgesellschaft
zu führen. Der DFB erlaubt das, wenn 51
Prozent der Gesellschafter den Vorstand
vertreten. Da bin ich sehr zuversichtlich,
dass das klappt. Mehr kann ich aber noch
nicht sagen. Geben Sie uns noch 14 Tage.
Interview: Wolfgang Volmer