Spätes Lotter Siegtor erstickt den Herner Jubel über das hart erkämpfte 2:0 gegen Gütersloh. Mit drei Punkten und fünf Toren Rückstand auf Platz vier geht's zum Saisonfinale nach Schermbeck. Arben Tahiri und Andre Badur treffen.

Der SCW verabschiedet Christopher Ditterle,
Danny Baron, Dennis Konarski, Sezgin Salli
und Sebastian Kleine Foto: Cib
Norman Seidel und Dominik Behrend eng
umschlungen, Michael Baums Kopf in André
Badurs Schoß – so lagen und hockten sie nach
dem Schlusspfiff auf dem Platz, ließen sich
von ihren Fans feiern. Theo Zwanziger hätte
solche Bilder auch fehlinterpretieren
können. Denn hier wollte sich niemand outen,
wie es der DFB-Präsident jüngst angeregt
hatte. An sexuelle Vorlieben verschwendete
niemand einen Gedanken. Die Herner waren
einfach nur kaputt. Körperlich wie
emotional.
Noch beim Abpfiff glaubten sie, der
Regionalliga durch das hart erkämpfte 2:0
über eine starke Gütersloher Mannschaft
näher gekommen zu sein. Dann verbreitete
sich die unfrohe Kunde aus Lotte: Zwei Tore
hatten die Sportfreunde in der Schlussphase
erzielt, die Partie gegen Erkenschwick noch
aus dem Feuer gerissen. Und die Köpfe
rechneten. Drei Punkte, fünf Tore – das ist
am letzten Spieltag kaum aufzuholen. Kaum.
Aber einen Versuch ist es wert.
Mit dieser Einstellung wird die Westfalia
auch am Sonntag in Schermbeck auf den Platz
gehen. Davon darf man getrost ausgehen. Denn
Einstellung, Leidenschaft, Teamgeist und die
Bereitschaft, noch einen Meter mehr zu
machen, das zeichnet diese Mannschaft
einfach aus. Dafür bürgt schon Frank Schulz,
der bisher jede Truppe mit diesem besonderen
Herner Spirit beseelt hat.

"Nichts zu danken! Gern geschehn!" ;-)))
Foto: InfoSchlumpf
Auch gegen Gütersloh mussten seine Jungs
wieder alle ihre Tugenden in die Waagschale
werfen. Spielerisch leicht ging nämlich
nichts. Die Gäste spielten forsch auf,
standen gut organisiert und ließen den Ball
flott in die Spitze laufen. Der SCW dagegen
wirkte anfangs verkrampft, fand nicht seinen
Rhythmus. Und hatte Glück, dass Oliver Bautz
einen um die Mauer gezirkelten Freistoß von
Pierre Hallè grandios aus dem Eck tauchte
(15.) und Daniel Bartons Direktabnahme zwei
Minuten später vor die Latte klatschte.
Erst nach einer halben Stunde legten die
Hausherren ihre Nervosität ab und den
Vorwärtsgang ein. Und hätten in der 43.
Minute in Führung gehen können. Doch
Savranlioglus Foul an Dominik Behrend im
16er blieb ungesühnt. Nein, Schiri
Kloppenburg hat gewiss keine Oma in Herne,
wie auch in vielen anderen Szenen deutlich
wurde.
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Sei's drum. Nach Wiederanpfiff war
ein anderer SCW auf dem Platz.
Beherzt drückte er aufs Gaspedal,
spielte sich Möglichkeiten heraus.
Und wurde durch Kapitän Arben Tahiri
belohnt, der eine tolle Kombination
über Behrend und Edin Terzic eiskalt
abschloss (52.). Ab der 60. Minute
gab es noch einmal einen kurzen
Durchhänger, einige schienen mit
ihren Kräften am Ende. Die Abwehr
aber hielt dicht, ließ keine klaren
Chancen zu. Und die Schlussphase gehörte dann wieder der Westfalia. Als Badur in der Nachspielzeit Sebastian Freynis Zuspiel verwandelte, wähnte sich Herne im Fußballhimmel. Bis die böse Kunde aus Lotte kam. |
| Mit vereinten Kräften hielt der SCW seinen Kasten sauber. Foto: Cib |
SC Westfalia Herne - FC Gütersloh 2000 2:0
(0:0)
Tore: 1:0 (52.) Tahiri, 2:0 (90.+2) Badur.
SCW: Bautz - Baum, Mustroph, Seidel - S. Barton, Tahiri (90. Freyni), Gebauer, Kluy - Behrend (87. Gidaszewski), Badur - Terzic.
FCG: Kuschmann - Fischer-Riepe, Heinrich, Eckel, Savranlioglu (87. Dos Santos) - Fiore, Cömat, Brinkmann, Ndjock (59. Warweg) - Halle, D. Barton.
SR: Christian Kloppenburg (Hattingen).
Zuschauer: 930.
Von Wolfgang Volmer
