PRESSE

Frank Schulz geht von Bord
 

26.06.08

Trainer verlässt den SCW nach fast sechs Jahren und unterschreibt einen Vertrag beim Regionalligisten BV Cloppenburg. Herner äußern Bedauern, aber auch Verständnis. Die Suche nach einem Nachfolger läuft.

Um „fünf vor Zwölf”, weiß ein Cloppenburger Kollege, war es so weit. Und zwar nicht nur im übertragenen Sinne. Kurz vor Mitternacht habe Wunschtrainer Frank Schulz einen Einjahresvertrag mit Option für ein weiteres Jahr beim Regionalligisten BV Cloppenburg unterschrieben.

„Ja, so ist es”, bestätigte der scheidende Westfalia-Coach gestern vom Flughafen aus, wo er auf die Maschine nach Gran Canaria wartete. „Für mich war es die schwerste sportliche Entscheidung der letzten zehn Jahre.” Einige Tränen seien geflossen, schließlich seien ihm Spieler, Fans und handelnde Personen ans Herz gewachsen. „Westfalia war mein Baby. Gemessen an den Möglichkeiten haben wir hier in den letzten fünf Jahren gute Erfolge gefeiert.” Aus und vorbei.

Irgendwann, so der 47-Jährige, musste die Trennung ja mal kommen. Jetzt habe der Zeitpunkt gepasst. „Ich wollte immer nach oben, hatte auch mehrfach in den letzten Jahren die Möglichkeit. Aber das war immer während der Saison, und das kann ich mit meinem Charakter nicht vereinbaren.”

Jetzt hinterlasse er eine intakte, in sich gefestigte Mannschaft, die gut verstärkt wurde. „Besser kann ich die Mannschaft nicht übergeben.” Vor der Saison habe der neue Trainer genug Zeit, Umfeld und Spieler kennenzulernen. „Einmal muss ich ja meine Chance nutzen, sonst warte ich noch ein Jahr, und noch eins und noch eins. Also, wenn nicht jetzt, wann dann?”

Sein Traum sei es gewesen, mit Westfalia in die Regionalliga aufzusteigen, auch wenn er es öffentlich so nie gesagt habe. „Gehofft habe ich aber in der letzten Saison schon.” Allerdings gebe es in Herne auch viele Baustellen, auf die er keinen Einfluss gehabt habe. Die Finanzen etwa, oder das Stadion. „Selbst wenn wir es sportlich geschafft hätten, wäre es schwierig geworden. Wer soll das alles bezahlen?”

Nun ist er auch bei seinem neuen Klub nicht im Fußball-Eldorado gelandet. „Letztendlich hat mich überzeugt, wie der Cloppenburger Vorstand um mich gekämpft hat. Die wollten mich unbedingt. Und ich freue mich, dass mal ein Verein kommt, der meine bisherige Arbeit so honoriert.”

Schulz' Entscheidung traf die Herner Verantwortlichen nicht ganz unvorbereitet. „Jürgen Stieneke und ich waren über seine Gespräche seit zwei Wochen informiert”, so Timur Camci. „Ich war auch bei ihm zuhause und habe mit Frank und seiner Frau gesprochen.” Als Sportlichem Leiter breche ihm Schulz' Weggang das Herz. „Als Sportsmann aber kann ich ihm nur viel Glück und Erfolg wünschen. Er hat diese Chance verdient. Eigentlich hätte ich ihm noch mehr als die vierte Liga zugetraut.”

Ähnlich sieht es Klaus Großheim, der mit Stieneke und Camci das „operative Geschäft” führt. „Schade, uns verlässt ein guter Mann. Aber wenn es sein Ziel ist, höher zu trainieren, soll er seine Chance nutzen. Ich wünsche ihm alles Gute. Bei uns hat Frank jedenfalls super Arbeit abgeliefert.”

Mit Trauerarbeit wollen sich die Herner aber nicht lange aufhalten. Seit Mittwoch werden Namen möglicher Nachfolger diskutiert. „Wir brauchen keinen Selbstdarsteller, sondern einen, der ins Gefüge passt”, beschreibt Großheim das Anforderungsprofil. Bewerbungen gehen reichlich ein. „In den nächsten Tagen werden einige Gespräche laufen. Einen Schnellschuss aber wird es nicht geben. Zur Not fangen wir nächsten Freitag ohne Cheftrainer mit der Vorbereitung an.”

Von Wolfgang Volmer
 

Quelle: WAZ Herne

 

 

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