Trainer verlässt den SCW nach fast sechs
Jahren und unterschreibt einen Vertrag beim
Regionalligisten BV Cloppenburg. Herner
äußern Bedauern, aber auch Verständnis. Die
Suche nach einem Nachfolger läuft.
Um
„fünf vor Zwölf”, weiß ein Cloppenburger
Kollege, war es so weit. Und zwar nicht nur
im übertragenen Sinne. Kurz vor Mitternacht
habe Wunschtrainer Frank Schulz einen
Einjahresvertrag mit Option für ein weiteres
Jahr beim Regionalligisten BV Cloppenburg
unterschrieben.
„Ja, so ist es”, bestätigte der scheidende
Westfalia-Coach gestern vom Flughafen aus,
wo er auf die Maschine nach Gran Canaria
wartete. „Für mich war es die schwerste
sportliche Entscheidung der letzten zehn
Jahre.” Einige Tränen seien geflossen,
schließlich seien ihm Spieler, Fans und
handelnde Personen ans Herz gewachsen.
„Westfalia war mein Baby. Gemessen an den
Möglichkeiten haben wir hier in den letzten
fünf Jahren gute Erfolge gefeiert.” Aus und
vorbei.
Irgendwann, so der 47-Jährige, musste die
Trennung ja mal kommen. Jetzt habe der
Zeitpunkt gepasst. „Ich wollte immer nach
oben, hatte auch mehrfach in den letzten
Jahren die Möglichkeit. Aber das war immer
während der Saison, und das kann ich mit
meinem Charakter nicht vereinbaren.”
Jetzt hinterlasse er eine intakte, in sich
gefestigte Mannschaft, die gut verstärkt
wurde. „Besser kann ich die Mannschaft nicht
übergeben.” Vor der Saison habe der neue
Trainer genug Zeit, Umfeld und Spieler
kennenzulernen. „Einmal muss ich ja meine
Chance nutzen, sonst warte ich noch ein
Jahr, und noch eins und noch eins. Also,
wenn nicht jetzt, wann dann?”
Sein Traum sei es gewesen, mit Westfalia in
die Regionalliga aufzusteigen, auch wenn er
es öffentlich so nie gesagt habe. „Gehofft
habe ich aber in der letzten Saison schon.”
Allerdings gebe es in Herne auch viele
Baustellen, auf die er keinen Einfluss
gehabt habe. Die Finanzen etwa, oder das
Stadion. „Selbst wenn wir es sportlich
geschafft hätten, wäre es schwierig
geworden. Wer soll das alles bezahlen?”
Nun ist er auch bei seinem neuen Klub nicht
im Fußball-Eldorado gelandet. „Letztendlich
hat mich überzeugt, wie der Cloppenburger
Vorstand um mich gekämpft hat. Die wollten
mich unbedingt. Und ich freue mich, dass mal
ein Verein kommt, der meine bisherige Arbeit
so honoriert.”
Schulz' Entscheidung traf die Herner
Verantwortlichen nicht ganz unvorbereitet.
„Jürgen Stieneke und ich waren über seine
Gespräche seit zwei Wochen informiert”, so
Timur Camci. „Ich war auch bei ihm zuhause
und habe mit Frank und seiner Frau
gesprochen.” Als Sportlichem Leiter breche
ihm Schulz' Weggang das Herz. „Als
Sportsmann aber kann ich ihm nur viel Glück
und Erfolg wünschen. Er hat diese Chance
verdient. Eigentlich hätte ich ihm noch mehr
als die vierte Liga zugetraut.”
Ähnlich sieht es Klaus Großheim, der mit
Stieneke und Camci das „operative Geschäft”
führt. „Schade, uns verlässt ein guter Mann.
Aber wenn es sein Ziel ist, höher zu
trainieren, soll er seine Chance nutzen. Ich
wünsche ihm alles Gute. Bei uns hat Frank
jedenfalls super Arbeit abgeliefert.”
Mit Trauerarbeit wollen sich die Herner aber
nicht lange aufhalten. Seit Mittwoch werden
Namen möglicher Nachfolger diskutiert. „Wir
brauchen keinen Selbstdarsteller, sondern
einen, der ins Gefüge passt”, beschreibt
Großheim das Anforderungsprofil. Bewerbungen
gehen reichlich ein. „In den nächsten Tagen
werden einige Gespräche laufen. Einen
Schnellschuss aber wird es nicht geben. Zur
Not fangen wir nächsten Freitag ohne
Cheftrainer mit der Vorbereitung an.”
Von Wolfgang Volmer