"Faire Chance" für Schlebach.
Erst der Abgang von Frank Schulz nach
Cloppenburg. Dann, nach nicht einmal 24
Stunden, die Präsentation von Christoph
Schlebach als Nachfolger. Am "Schloss
Strünkede" geht es derzeit reichlich
turbulent zu. Da Schulz aufgrund seiner
erfolgreichen Arbeit bei der Westfalia eine
Art Kultstatus genießt, ist die
Betroffenheit nicht nur in der Mannschaft
spürbar.
Aber besonders bei den Spielern, die ihre
eigenen Verträge erst verlängerten, als
Schulz seinen Wilhlem für die neue Saison
unter das Papier setzte, macht sich
Verwunderung breit. "Natürlich soll man die
Chance, in die Regionalliga zu gehen,
nutzen", erzählt Mittelfeldmotor Sven Barton,
der am gestrigen Samstag aus seinem Urlaub
an der Nordsee zurückkam: "Wenn er zu einem
Club gegangen wäre, der oben mitmischen
würde, okay. Aber so bin ich verwundert,
denn die kennt doch keiner. Wäre Frank zu
Rot-Weiss Essen gegangen, hätte ich ihm
gratuliert, aber so ist es enttäuschend."
Auch Abwehrrecke Michael Baum, der zusammen
mit seinen Teamkameraden Mirko Mustroph,
André Badur, dem Sportlichen Leiter Timur
Camci sowie "Vize" Klaus Großheim,
stundenlang diskutierte, zeigt sich
geschockt: "Wir wussten, das Frank eine
Ausstiegsklausel hat. Dennoch haben wir vor
allem zu diesem Zeitpunkt nicht damit
gerechnet."
Und das jetzt auch noch "Co" Horst "Hotte"
Albert abgedankt hat, passt ins stürmische
Bild. "So eine Sache ist nicht in Ordnung",
schüttelt Baum den Kopf. "Es ist sehr schade
für ihn und für uns eine herbe Schwächung.
Es wäre auch für Christoph gut gewesen, weil
Horst die Strukturen kennt." Ähnlich sieht
es auch Mustroph: "Das ist sehr schade,
Hotte hat einen guten Stand bei uns."
Doch der scheint Schlebach und seinem neuen
Assistenten Frank Plewka nicht eingeräumt zu
werden, oder? "Unsinn", entgegnet Baum. "Ich
fand den Schnellschuss nicht in Ordnung,
aber das hat nichts mit Christoph zu tun. Er
ist Fußballer genug, um zu wissen, was in
Herne gefordert wird, um Erfolg zu haben.“
Der gleichen Ansicht ist auch Mustroph: "Wir
werden den beiden keine Steine in den Weg
legen.
Im Gegenteil: Wir sind ein Team. Ich habe
früher zwar noch gegen Christoph gespielt,
habe aber kaum Erinnerung an ihn. Er soll
aber ein sehr guter Akteur gewesen sein.
Zudem ist er ein junger Trainer, was für uns
gut ist, denn er kann sich bei uns
integrieren. Wir werden ihn schnell
aufnehmen und den Rest müssen wir abwarten."
Sein Zusatz: "Er hat aber ein schweres Erbe,
da Frank sehr beliebt war. Doch er bekommt
natürlich eine faire Chance."
Auch die Spekulationen, dass das Team
aufgrund der Vorkommnisse auseinanderbrechen
könnte, wischen das Trio vom Tisch. Baum:
"Wir sind alle Fußballer genug, um zu
wissen, dass wir eine tolle Truppe sind und
so das Geschäft läuft. Leute kommen und
gehen nun einmal. Aber dafür werden wir doch
nicht hinschmeißen." Mustroph fügt an:
"Natürlich werden wir auch die nächste
Saison bleiben. Das Gerüst bleibt auf jeden
Fall vorhanden. Wir wollen die
Herausforderung doch alle annehmen."
Barton nickt: "Klar ist man im ersten Moment
sprachlos, wenn man so ein Ding vor den Latz
geballert bekommt. Aber deshalb wird hier
doch nichts kaputt gehen. Einen großen
Umbruch kann ich mir nicht vorstellen. Wir
haben eine gute Truppe, die Neuen verstärken
uns und Christoph kann sich ins gemachte
Nest setzen. Das wird passen."
tr