Westfalia Herne verliert das Endspiel um
den Cranger-Kirmes-Cup. SG Wattenscheid 09
nutzt einen blitzschnellen Konter zum späten
2:1 und belohnt sich für eine starke erste
Halbzeit.
Ihr Wohnzimmer haben sie lange nicht
gesehen, die fleißigen Helfer des SV
Sodingen. Am Ende haben sich die vielen
Stunden, die sie in den letzten zehn Tagen
am Holzplatz verbrachten, doch noch gelohnt.
An den Bierwagen ließen Moni Wefer und Co.
die Hähne glühen, die Grilltruppe um Rainer
Wilke brutzelte, was die Holzkohle hergab,
600 verkaufte Tickets zauberten auch
Turnierleiter Heinz Rychlik ein Lächeln ins
erschöpfte Gesicht. Der Endspieltag ließ
Mühen und manchen Frust der letzten Tage
vergessen – auch die neunte Auflage des
Cranger-Kirmes-Cups darf der Ausrichter als
Erfolg verbuchen. Was aus Herner Sicht
fehlte, war das I-Tüpfelchen, der
Turniersieg. Denn den dicksten WAZ-Pokal und
den üppigsten Scheck schnappte sich die SG
Wattenscheid 09.
Westfalias Spaziergang durchs Turnier endete
mit einem Stolperer. Ausgerechnet im Finale
konnte die Elf von Christoph Schlebach nur
zeitweise ihr Potenzial abrufen. Die
gegenüber dem 0:4 in der Vorrunde auf sechs
Positionen veränderten Wattenscheider
entpuppten sich als spielstarker, gut
organisierter Gegner, der sich aufgrund der
ersten Hälfte nicht unverdient durchsetzte.
Dabei schien es zunächst, als würde die
Herner Torfabrik gleich wieder die
Produktion aufnehmen. Druckvoll begann die
ohne Sven Barton, Sebastian Freyni, Kadir
Mutluer (alle angeschlagen) und Michael Baum
(Arbeit) angetretene Westfalia, schnürte den
Gegner in der eigenen Hälfte ein und ging
durch Stefan Oerterers Schuss aus dem Gewühl
bereits in der sechsten Minute in Führung.
Die SCW-Fans sahen es mit Vergnügen - und
trauten danach ihren Augen nicht. Als habe
sie ihr eigener Blitzstart geschockt,
verloren die Herner mehr und mehr die
Kontrolle, leisteten sich Ballverluste ohne
Ende und bauten den Gegner so auf.

Die SG Wattenscheid revanchierte sich für
die Vorrundenniederlage und gewinnt mit
einem 2:1-Sieg über den
SC Westfalia den Cranger-Kirmes-Cup 2008.
Foto: InfoSchlumpf
Die Wattenscheider ließen sich nicht lange
bitten. Der schnelle Dimitrios Ropkas, der
die Herner Innenverteidigung vor große
Probleme stellte, und der häufig in die
Spitze stoßende Ozan Yilmaz vergaben die
ersten Chancen zum Ausgleich. in der 16.
Minute musste Mirko Mustroph für den
geschlagenen Olli Bautz einen Ropkas-Schuss
von der Linie schlagen, ehe Bautz selbst
einen weiteren Knaller des 09-Kapitäns aus
dem kurzen Eck boxte (26.). Das 1:1 lag in
der Luft – und es fiel auch, wenn auch
reichlich unnötig. Arben Tahiri kam einen
Schritt zu spät, packte übermotiviert die
Grätsche aus und senste Ropkas im Sechzehner
um. Am Strafstoß des ballsicheren
SG-Regisseurs Farat Toku gab es nichts zu
halten.
Auch danach war vom SCW wenig zu sehen.
Dominik Behrend, Zouhair Allali und selbst
André Badur verloren immer wieder im
Mittelfeld den Ball, und vorne rannte
Oerterer gefühlte 15 Mal ins Abseits,
während Martin Setzke kaum in Erscheinung
trat. So hätte die SG 09 nach weiteren
Chancen zur Pause führen müssen.
Mit Tim Gebauer kam nach dem Wechsel wieder
mehr Linie ins Herner Spiel. Der SCW
erkämpfte sich nun mehr Spielanteile und
auch die klar besseren Chancen, doch Behrend
(55.), Setzke (56.), Allali (73.) sowie
Badur (75.) brachten die Kugel einfach nicht
unter. Als dann auch noch Marco Onucka an
Daniel Pommer scheiterte (82.), nahm das
Unheil seinen Lauf. Blitzschnell ging im
Gegenzug über Daniel Diaz die Post ab, den
Querpass brauchte Ropkas nur noch ins Netz
zu drücken. „Schade für uns, aber wirklich
klasse gemacht”, zeigte sich Christoph
Schlebach als fairer Verlierer. „In der
ersten Hälfte haben wir nicht das gespielt,
was ich mir vorstelle. Die zweite war dann
wesentlich besser.”
SG Wattenscheid 09 - SC Westfalia Herne 2:1
Tore: 0:1 (6.) Oerterer, 1:1 (29.) Toku
(Foulelfmeter, Tahiri an Ropkas), 1:2 (82.)
Ropkas.
SG 09: Pommer - Köksal, Steininger, Schweer, Yesilmen - Erdmann, Yilmaz, Toku, Kaczenski (23. Daum) - Diaz (88. Wienecke), Ropkas (89. Schreier).
SCW: Bautz - Kluy, Eisen, Mustroph, Kilian - Allali, Tahiri (46. Gebauer) - Behrend (84. Gidaszewski), Badur - Setzke, Oerterer (75. Onucka).
SR: Lars Bremkens.
Von Wolfgang Volmer