Westfalia Herne erreicht durch ein 4:0
beim Bezirksligisten BVH Dorsten die zweite
Verbandspokalrunde, offenbart dabei aber
erstaunliche Schwächen bei hohen Bällen.
Auch im Spiel nach vorne läuft nicht alles
rund.
Ein 4:0 bei einem drei Klassen tiefer
spielenden Gegner, das nennen Fußballer gern
ein "standesgemäßes" Ergebnis. Doch
Ergebnisse können lügen. Denn so deutlich,
wie es das 4:0 ausdrückt, beherrschte der SC
Westfalia den Bezirksligisten BVH Dorsten
keineswegs. Bis weit in die zweite Hälfte
hinein lag sogar der Ausgleich in der Luft,
und erst zwei fein ausgespielte und von
Andre Badur abgeschlossene Konter in den
letzten Minuten suggerierten eine eindeutige
Herner Überlegenheit, von der aber wenig zu
sehen war.
"Wir haben um zwei Tore zu hoch gewonnen",
gab dann auch Christoph Schlebach offen zu.
Und erstmals äußerte er nach diesem letzten
"Test" vor dem NRW-Liga-Auftakt auch
deutlich seine Kritik. "Überhaupt nicht
gefallen hat mir, dass wir doch die eine
oder andere Torchance zugelassen haben, vor
allem auch bei Standardsituationen."
Womit er den Nagel auf den Kopf traf. Denn
dass nahezu jede Ecke, jede Freistoßflanke
für Gefahr im Herner Strafraum sorgte, war
schon erstaunlich. Schließlich standen mit
Mirko Mustroph und Michael Baum zwei
kopfballstarke Leute in der
Innenverteidigung, und auch der lange Dennis
Gidaszewski gesellte sich bei den Standards
hinzu. "Aber obwohl die Einteilung da war,
haben wir die Kopfbälle nicht bekommen",
wunderte sich Schlebach.
Das Spiel nach vorne lief zuweilen auch
ziemlich schleppend. Nach Arben Tahiris 1:0
gelangen bis zur Pause kaum noch sehenswerte
Kombinationen. Viele Ballverluste, unpräzise
Zuspiele auf die gut abgeschirmten Spitzen,
schlecht getimte Flanken - so war auch der
Abwehr eines Bezirksligisten nicht
beizukommen. Zudem leistete sich die Deckung
einige Aussetzer und bescherte Reckmann
(14.) und Mahlitz (19.) zwei dicke Chancen,
die aber ungenutzt blieben.

Arben Tahiri versetzt einen Gegner, nimmt
Maß und trifft zum 1:0 in der 12. Minute
Foto: InfoSchlumpf
Auch im zweiten Abschnitt hatte Herne
zunächst Glück, dass Müllers Volleyschuss an
einem Abwehrbein hängen blieb (61.). Vier
Minuten später nutzte Martin Setzke einen
fragwürdigen Foulelfmeter zum 2:0. Kurz
darauf durfte Setzke vorzeitig duschen. "Das
gibt's doch gar nicht", ärgerte er sich
etwas zu laut über eine Freistoßentscheidung
- und sah zum zweiten Mal Gelb. In Überzahl
warf der BVH alles nach vorne, war aber
offen für Konter, die vor allem Kadir
Mutluer mit genialen Pässen einleitete.
Zweimal musste Badur nur den Fuß hinhalten,
dann stand es fest, das "standesgemäße" 4:0.
BVH Dorsten - SC Westfalia Herne 0:4
Tore: 0:1 (12.) Tahiri, 0:2 (65.) Setzke
(Foulelfmeter, Mahlitz an Setzke), 0:3, 0:4
(85./86.) Badur.
BVH: Czok - Mahlitz - Elvermann, Richter,
Bischof - Klein (57. Aldenhoff), Müller,
Reckmann, Welter - Sahintürk (63.
Knoblauch), Kara.
SCW: Lindenblatt - Kluy, Baum, Mustroph,
Gidaszewski - Allali, Tahiri (60. Mutluer) -
Behrend (60. Oerterer), Badur - Setzke,
Onucka (46. Freyni).
SR: Dominic Cichon (Schöppingen).
Gelb/Rot: Setzke (SCW/73.)
Von Wolfgang Volmer