PRESSE

Setzke setzt Westfalia Herne die Krone auf
 

31.12.08

Kick-mit-Schmidt-Mitternachtscup Herten: Novizen schnuppern am Triumph

"Mitternachtscup - sie befinden sich hier beim Original. Die Halle ist voll, ich glaube wir können uns auf einen super Abend freuen." Werner Wisotzki, der 1. Vorsitzende der Spvgg Herten, nahm bei seiner Begrüßung den Mund nicht zu voll, schließlich platzte die Sporthalle der Rosa-Parks-Schule am Dienstagabend wie erwartet aus allen Nähten.

Der Hertener Mitternachtscup hat sich zum echten Publikumsmagneten im nördlichen Revier entwickelt - und zum Synonym für hochklassigen Amateurfußball. Doch manchmal bieten den ausgerechnet die Außenseiter und nicht die vermeintlichen Top-Teams, wie rund 850 Gäste bei der vierten Auflage des "Kick-mit-Schmidt-Turniers" feststellten. "Letztes Jahr waren es noch mehr, aber da konnten einige Leute gar nicht mehr auf Tribüne", zeigte sich Mit-Organisator Thorsten Gringel auch mit ein paar Zahlenden weniger vollkommen zufrieden. Die Schlachtenbummler ließen sich nicht bitten und sorgten den ganzen Abend für lautstarke Stimmung. Doch nicht auf alle Kicker sprang der Funke trotz der kräftigen Anfeuerung von den Rängen über.

Auch für den türkischen Freestyle-Fußballers "Mehmetcan", der zwischendurch seine Künste vorführte, wäre noch mehr drin gewesen. Der Weltrekordversuch des Balljongleurs scheiterte zwar, wurde aber genau so beklatscht wie der Auftritt der Cheerleader der "Magic Paws".

Wer weder auf der Tribüne, noch auf der Leinwand im Foyer das Geschehen auf dem Platz verfolgen wollte, konnte sich in der Mensa auch anders einen kurzweiligen Abend machen. Nicht zuletzt beim Fachsimpeln mit einigen Granden des Amateurfußballs im Revier.

Die Vorrunde:

Gruppe A:

Als Maß aller Dinge entpuppte sich Neuling SV Dorsten-Hardt. Goalgetter Sven Potthast, der schließlich sogar zum Spieler des Turniers gekürt wurde, traf regelmäßig für den Landesligisten und ohne Niederlage zog das Team von Martin Schmidt souverän in die Hauptrunde ein. Auch gegen den VfB Hüls reichte es in einer heiß umkämpften Partie zu einem ein gerechtes Remis.

Nicht so gut lief es für die DJK Tus Hordel, die nach zwei Niederlagen schon früh einen Haken an das "Projekt Viertelfinale" machen musste. Trainer Olaf May, als Hertener dort bekannt "wie ein bunter Hund" nahm es mit Humor: "Ich darf mir jetzt zwar wieder an der Theke ein paar Sprüche anhören, aber wir haben heute fast auschließlich mit der A-Jugend gespielt. Die musste ein bisschen Lehrgeld zahlen, da fehlte die Erfahrung. Schade, dass wir so früh raus sind, ich habe den Jungs gesagt, dass das hier ein tolles Turnier ist. Beim nächsten Mal kennen sie jetzt die Atmosphäre", hoffte May.

Hüls und Sodingen schienen bisweilen ihre Kräfte für die Hauptrunde schonen zu wollen, doch zumindest im Fall der Herner ging der Schuss nach hinten los: Drei Punkte entpuppten sich am Ende als zu mickrige Ausbeute. Dass sich das 0:0 gegen Hordel auch für den VfB noch rächen könnte, zeigte sich allerdings erst im Halbfinale - mit dem hochkarätigen Gegner.

Gruppe B:

Wer die lautesten Fans mitgebracht hatte, wurde klar, als Westfalia Herne zum ersten Mal das Parkett betrat. Die Kicker der SCW hatten es indes mit einem Gegner auf Augenhöhe zu tun, der 2:1-Erfolg gegen Herten-Langenbochum war glücklich und ging im Prinzip auf die Kappe des SG-Keepers.

Den Klassenunterschied bemerkten die Zuschauer auch gegen Waltrop nicht - im Gegenteil. Der Debütant zog der Westfalia das Fell über die Ohren, Endstand 0:3. Der NRW-Ligist bekam aber rechtzeitig noch einmal die Kurve und wies den Underdog in die Schranken. Hertens Kapitän Sebastian Berg versicherte: "Wir feiern trotzdem, denn wir sind ja gute Gastgeber. Und irgendwer muss ja hinterher abschließen."

Einen Achtungserfolg verbuchte der Gastgeber, der gegen den "Geheimfavoriten" aus Waltrop schnell mit 0:2 hinten lag, aber tolle Moral zeigte und sich noch mit dem Ausgleich belohnte. Am Ende waren es aber nicht die Hausherren, sondern die Nachbarn aus Langenbochum, die sich über den knappen Einzug ins Viertelfinale freuen durften.


Gruppe C:

Dass das Unternehmen "Titelverteidigung" ein ganz schwieriges Unterfangen werden würde, bekam die SpVgg. Erkenschwick schon im ersten Spiel gegen Schermbeck zu spüren, der NRW-Ligist behielt mit 2:0 die Oberhand. Die erste dickere Überraschung des Abends kam dann im Gelsenkirchener Derby: Der SV Horst 08 stellte dem SC Hassel ein Bein - wenn der 2:1-Sieg im allerersten Mitternachtscup-Match überhaupt auch einer der zittrigen Sorte war. Doch wenig später wurde klar: Mit den Jungs von Klaus Schmidtchen muss ganz feste gerechnet werden. Als einzige Mannschaft konnte der Bezirksligist alle Vorrundenspiele gewinnen und sogar einen 0:2-Rückstand gegen Schermbeck noch drehen.

Ein echtes "Endspiel" ging dann im Aufeinandertreffen zwischen den bisher punktlosen Hasselern und dem Titelverteidiger über die Bühne. Erkenschwick brauchte ein kleines Hallenfußball-Wunder zum Weiterkommen: Einen Sieg mit fünf Toren Unterschied. Nach gut sieben Minuten führten die berauschten Schwarz-roten tatsächlich mit 5:0, doch dann schlug Hassel zurück und verkürzte auf 5:2. Doch die SpVgg. schaffte das Unglaubliche: 7:2 hieß es am Schluss und der Titelverteidiger durfte weiter vom Pokal träumen. Das sang- und klanglose Ausscheiden Hassels hingegen war vielleicht die Enttäuschung des Tages.


Die Ergebnisse:

Gruppe A:
VfB Hüls - SV Sodingen 3:1
SV Dorsten-Hardt - DJK TuS Hordel 3:1
VfB Hüls - SV Dorsten-Hardt 1:1
SV Sodingen - DJK TuS Hordel 5:0
VfB Hüls - DJK TuS Hordel 0:0
SV Dorsten-Hardt - SV Sodingen 2:0

Tabelle:

Platz Mannschaft Tore Differenz Punkte
1 SV Dorsten-Hardt 6:2 4 7
2 VfB Hüls 4:2 2 4
3 SV Sodingen 6:5 1 3
4 DJK TuS Hordel 1:8 -7 1


Gruppe B:
Westfalia Herne - SG H.-Langenbochum 2:1
SuS/Teut. Waltrop - Spvgg Herten 2:2
Westfalia Herne - Sus/Teut. Waltrop 0:3
SG H.-Langenbochum - Spvgg Herten 1:1
Westfalia Herne - Spvgg Herten 5:0
SG H.-Langenbochum - SuS/Teut. Waltrop 2:0

Tabelle:

Platz Mannschaft Tore Differenz Punkte
1 Westfalia Herne 7:4 3 6
2 Teut. SuS Waltrop 5:4 1 4
3 SG H.-Langenbochum 4:3 1 4
4 Spvgg. Herten 2:8 -6 2


Gruppe C:
SV Schermbeck - SpVgg. Erkenschwick 2:0
SC Hassel - SV Horst 08 1:2
SV Schermbeck - SC Hassel 3:0
SpVgg. Erkenschwick - SV Horst 08 0:1
SV Schermbeck - SV Horst 08 2:4
SpVgg. Erkenschwick - SC Hassel 7:2

Tabelle:

Platz Mannschaft Tore Differenz Punkte
1 SV Horst 08 7:3 4 9
2 SV Schermbeck 7:4 3 6
3 Spvgg. Erkenschwick 7:5 2 3
4 SC Hassel 3:12 -9 0


Richtig spannend machten es Horst 08 und Langenbochum beim Kampf um den Einzug ins Halbfinale. Der Favoritenschreck aus Gelsenkirchen bot auch dem nächsten Gegner Paroli und trotzte dem Landesligisten ein 0:0 ab. Damit war zum ersten Mal eine Entschiedung vom Neunmeterpunkt fällig. Beide Teams zeigten Nerven und vergeben einen Strafstoß, doch im "Sudden Death" war es das Bezirksliga-Überraschungsteam, das nach einem Pfostenschuss von das bessere Ende für sich hatte.

Zuvor hatte der SV Dorsten-Hardt seine starke Defensivleistung aus der Vorrunde bestätigt. Gegen Waltrop ließ die Truppe von Martin Schmidt wenig zu und zog nach dem 2:0-Sieg verdient in die Runde der letzten vier ein. "Natürlich sind wir jetzt enttäuscht, denn das Ausscheiden war nicht unbedingt nötig. Wir hatten allerdings schon gehofft, in unserer Gruppe eine Chance zu haben. Dorsten-Hardt ist jedoch schon so etwas wie ein Angstgegner von uns, zog Heiko Sulzbacher als Fazit und klopfte den Veranstaltern auf die Schulter: "Die haben hier was Tolles auf die Beine gestellt, wir würden gerne wieder kommen".

Zum ersten "vorgezogenen Finale" geriet die Partie zwischen dem vermeintlichen Topfavorit und dem Vorjahressieger. Die beiden Traditionsklubs boten in zehn Minuten wenig Ansehnliches, kämpferisch schossen die Gegner sogar das ein oder ander Mal übers Ziel hinaus. Abermals musste das Neunmeterschießen entscheiden - und das bot Drama pur. Ein Hauch von Wembley wehte gar durch die Halle an der Gesamtschule. Nach 15 Versuchen vom Punkt war klar: Herne hat sich ins Halbfinale "gemurkst", der Vorjahressieger ist hingegen raus. "Ein Neunmeterschießen ist immer Glücksache", analysierte Dominik Berehnd. Der Mittelfeldkicker widmete den Auftritt seiner Westfalia den SCW-Fans: "Wir wollen einfach nur Spaß haben, wenn wir dabei noch ins Finale kommen oder sogar den Titel mitnehmen, dann tun wir das für unsere Fans, die uns Woche für Woche toll unterstützen."

Als alle dachten, auch das "Duell der Giganten" müsste durch die Lotterie entschieden werden, nutzte Hüls' Thorsten Stondzik einen Patzer von SVS-Keeper Sören Stauder und machte kurz vor Schluss die Halbfinal-Qualifikation für den Gast vom Badeweiher perfekt.

Viertelfinale:
SV Dorsten-Hardt - Teut. Sus Waltrop 2:0
SV Horst 08 - SG H.-Langenbochum 5:4 (0:0) n. N.
Westfalia Herne - Spvgg. Erkenschwick 7:6 (1:1) n. N.
VfB Hüls - SV Schermbeck 2:1

"Klaus und Klaus sind raus und raus", könnte als Überschrift der Vorschlussrunde herhalten. Doch der SV Horst-Emscher 08 durfte sich schon vor dem Semifinale als "Mannschaft des Abends" fühlen und so zog Klaus Schmidtchen trotz der 0:3-Niederlage gegen Dorsten-Hardt ein positives Fazit: "Wir hatten schon Jahre lang gehofft, mal dabei zu sein. Heute hat meine Mannschaft bewiesen, dass wir eine gute Hallenmannschaft haben. Wir haben eine gute Visitenkarte abgegeben."

In der NRW-Liga musste das Duell zwischen Hüls und Herne vor zehn Tagen abgesagt werden. Auf dem Parkett erwies sich Christoph Schlebachs Mannschaft dann als die effektivere. "Herne hat erfahrene Spieler, die können auch in der Halle spielen", nickte Klaus Täuber nachher anerkennend. Mit dem Abschneiden war er einverstanden. "Ist doch klar, dass wir hier nicht in der Vorrunde ausscheiden wollen. Aber der Spaß stand heute Abend im Vordergrund. Und die Niederlage gegen Herne können wir ja noch korrigieren", schmunzelte der "Boxer" mit Blick auf die Meisterschaft vielsagend.

Halbfinale:
SV Dorsten-Hardt - SV Horst 08 3:0
Westfalia Herne - VfB Hüls 4:2


"Ein gutes Pferd springt nicht höher als es muss", war auch im Finale das Motto von Westfalia Herne. Dass Martin Setzke den entscheidenden Treffer erst kurz vor Schluss markierte, passte da ins Bild. Trainer Christoph Schlebach war glücklich: "Der Turniersieg ist natürlich ein perfekter Jahresabschluss, aber heute stand der Spaß im Vordergrund - und dass sich keiner verletzt." Deshalb war Schlebach mir dem ein oder anderen, zu giftigen Auftritt auch nicht ganz einverstanden: "Das war nicht nötig, dass wir Hektik aufkommen lassen, denn es war klar, dass die unterklassigen Teams gegen uns alles geben." Am Ende reichte es für die Strünkeder trotz einer wechselhaften Vorstellung sogar zu zwei Titeln: Keeper André Lindenblatt durfte die Auszeichnung als bester Torhüter des Turniers entgegen nehmen.

Bei den Unterlegenen war die Stimmung im Übrigen nicht schlechter. "Wir sind überhaupt nicht enttäuscht, es ist doch super, dass wir überhaupt so weit gekommen sind. Damit hatte keiner gerechnet", resümmierte Marc Bahl trotz der knappen Endspiel-Pleite. Und sein Lob zum Schluss spricht sicher für fast alle Aktiven und Besucher der vierten Auflage des "Kick-mit-Schmidt-Turniers": "Das ist ein super Turnier, astrein organisiert. Wir hoffen, nächstes Jahr wieder dabei zu sein."

Wenn beim fünften Hertener Mitternachtscup nicht nur der Nachfolger von Westfalia Herne gesucht, sondern auch das erste kleine Jubiläum gefeiert wird.

Finale:
Westfalia Herne - SV Dorsten-Hardt 1:0 


Sieger des 4. Kick-mit-Schmidt-Mitternachtscups 2008: SC Westfalia 04 Herne                                      Foto: InfoSchlumpf

Foto-Album zum Turnier von InfoSchlumpf

 

Quelle: RevierSport

 

 

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