Kick-mit-Schmidt-Mitternachtscup Herten:
Novizen schnuppern am Triumph
"Mitternachtscup - sie befinden sich hier
beim Original. Die Halle ist voll, ich
glaube wir können uns auf einen super Abend
freuen." Werner Wisotzki, der 1. Vorsitzende
der Spvgg Herten, nahm bei seiner Begrüßung
den Mund nicht zu voll, schließlich platzte
die Sporthalle der Rosa-Parks-Schule am
Dienstagabend wie erwartet aus allen Nähten.
Der Hertener Mitternachtscup hat sich zum
echten Publikumsmagneten im nördlichen
Revier entwickelt - und zum Synonym für
hochklassigen Amateurfußball. Doch manchmal
bieten den ausgerechnet die Außenseiter und
nicht die vermeintlichen Top-Teams, wie rund
850 Gäste bei der vierten Auflage des "Kick-mit-Schmidt-Turniers"
feststellten. "Letztes Jahr waren es noch
mehr, aber da konnten einige Leute gar nicht
mehr auf Tribüne", zeigte sich
Mit-Organisator Thorsten Gringel auch mit
ein paar Zahlenden weniger vollkommen
zufrieden. Die Schlachtenbummler ließen sich
nicht bitten und sorgten den ganzen Abend
für lautstarke Stimmung. Doch nicht auf alle
Kicker sprang der Funke trotz der kräftigen
Anfeuerung von den Rängen über.
Auch für den türkischen Freestyle-Fußballers
"Mehmetcan", der zwischendurch seine Künste
vorführte, wäre noch mehr drin gewesen. Der
Weltrekordversuch des Balljongleurs
scheiterte zwar, wurde aber genau so
beklatscht wie der Auftritt der Cheerleader
der "Magic Paws".
Wer weder auf der Tribüne, noch auf der
Leinwand im Foyer das Geschehen auf dem
Platz verfolgen wollte, konnte sich in der
Mensa auch anders einen kurzweiligen Abend
machen. Nicht zuletzt beim Fachsimpeln mit
einigen Granden des Amateurfußballs im
Revier.
Die Vorrunde:
Gruppe A:
Als Maß aller Dinge entpuppte sich Neuling
SV Dorsten-Hardt. Goalgetter Sven Potthast,
der schließlich sogar zum Spieler des
Turniers gekürt wurde, traf regelmäßig für
den Landesligisten und ohne Niederlage zog
das Team von Martin Schmidt souverän in die
Hauptrunde ein. Auch gegen den VfB Hüls
reichte es in einer heiß umkämpften Partie
zu einem ein gerechtes Remis.
Nicht so gut lief es für die DJK Tus Hordel,
die nach zwei Niederlagen schon früh einen
Haken an das "Projekt Viertelfinale" machen
musste. Trainer Olaf May, als Hertener dort
bekannt "wie ein bunter Hund" nahm es mit
Humor: "Ich darf mir jetzt zwar wieder an
der Theke ein paar Sprüche anhören, aber wir
haben heute fast auschließlich mit der
A-Jugend gespielt. Die musste ein bisschen
Lehrgeld zahlen, da fehlte die Erfahrung.
Schade, dass wir so früh raus sind, ich habe
den Jungs gesagt, dass das hier ein tolles
Turnier ist. Beim nächsten Mal kennen sie
jetzt die Atmosphäre", hoffte May.
Hüls und Sodingen schienen bisweilen ihre
Kräfte für die Hauptrunde schonen zu wollen,
doch zumindest im Fall der Herner ging der
Schuss nach hinten los: Drei Punkte
entpuppten sich am Ende als zu mickrige
Ausbeute. Dass sich das 0:0 gegen Hordel
auch für den VfB noch rächen könnte, zeigte
sich allerdings erst im Halbfinale - mit dem
hochkarätigen Gegner.
Gruppe B:
Wer die lautesten Fans mitgebracht hatte,
wurde klar, als Westfalia Herne zum ersten
Mal das Parkett betrat. Die Kicker der SCW
hatten es indes mit einem Gegner auf
Augenhöhe zu tun, der 2:1-Erfolg gegen
Herten-Langenbochum war glücklich und ging
im Prinzip auf die Kappe des SG-Keepers.
Den Klassenunterschied bemerkten die
Zuschauer auch gegen Waltrop nicht - im
Gegenteil. Der Debütant zog der Westfalia
das Fell über die Ohren, Endstand 0:3. Der
NRW-Ligist bekam aber rechtzeitig noch
einmal die Kurve und wies den Underdog in
die Schranken. Hertens Kapitän Sebastian
Berg versicherte: "Wir feiern trotzdem, denn
wir sind ja gute Gastgeber. Und irgendwer
muss ja hinterher abschließen."
Einen Achtungserfolg verbuchte der
Gastgeber, der gegen den "Geheimfavoriten"
aus Waltrop schnell mit 0:2 hinten lag, aber
tolle Moral zeigte und sich noch mit dem
Ausgleich belohnte. Am Ende waren es aber
nicht die Hausherren, sondern die Nachbarn
aus Langenbochum, die sich über den knappen
Einzug ins Viertelfinale freuen durften.
Gruppe C:
Dass das Unternehmen "Titelverteidigung" ein
ganz schwieriges Unterfangen werden würde,
bekam die SpVgg. Erkenschwick schon im
ersten Spiel gegen Schermbeck zu spüren, der
NRW-Ligist behielt mit 2:0 die Oberhand. Die
erste dickere Überraschung des Abends kam
dann im Gelsenkirchener Derby: Der SV Horst
08 stellte dem SC Hassel ein Bein - wenn der
2:1-Sieg im allerersten
Mitternachtscup-Match überhaupt auch einer
der zittrigen Sorte war. Doch wenig später
wurde klar: Mit den Jungs von Klaus
Schmidtchen muss ganz feste gerechnet
werden. Als einzige Mannschaft konnte der
Bezirksligist alle Vorrundenspiele gewinnen
und sogar einen 0:2-Rückstand gegen
Schermbeck noch drehen.
Ein echtes "Endspiel" ging dann im
Aufeinandertreffen zwischen den bisher
punktlosen Hasselern und dem
Titelverteidiger über die Bühne.
Erkenschwick brauchte ein kleines
Hallenfußball-Wunder zum Weiterkommen: Einen
Sieg mit fünf Toren Unterschied. Nach gut
sieben Minuten führten die berauschten
Schwarz-roten tatsächlich mit 5:0, doch dann
schlug Hassel zurück und verkürzte auf 5:2.
Doch die SpVgg. schaffte das Unglaubliche:
7:2 hieß es am Schluss und der
Titelverteidiger durfte weiter vom Pokal
träumen. Das sang- und klanglose Ausscheiden
Hassels hingegen war vielleicht die
Enttäuschung des Tages.
Die Ergebnisse:
Gruppe A:
VfB Hüls - SV Sodingen 3:1
SV Dorsten-Hardt - DJK TuS Hordel 3:1
VfB Hüls - SV Dorsten-Hardt 1:1
SV Sodingen - DJK TuS Hordel 5:0
VfB Hüls - DJK TuS Hordel 0:0
SV Dorsten-Hardt - SV Sodingen 2:0
Tabelle:
Platz Mannschaft Tore Differenz Punkte
1 SV Dorsten-Hardt 6:2 4 7
2 VfB Hüls 4:2 2 4
3 SV Sodingen 6:5 1 3
4 DJK TuS Hordel 1:8 -7 1
Gruppe B:
Westfalia Herne - SG H.-Langenbochum 2:1
SuS/Teut. Waltrop - Spvgg Herten 2:2
Westfalia Herne - Sus/Teut. Waltrop 0:3
SG H.-Langenbochum - Spvgg Herten 1:1
Westfalia Herne - Spvgg Herten 5:0
SG H.-Langenbochum - SuS/Teut. Waltrop 2:0
Tabelle:
Platz Mannschaft Tore Differenz Punkte
1 Westfalia Herne 7:4 3 6
2 Teut. SuS Waltrop 5:4 1 4
3 SG H.-Langenbochum 4:3 1 4
4 Spvgg. Herten 2:8 -6 2
Gruppe C:
SV Schermbeck - SpVgg. Erkenschwick 2:0
SC Hassel - SV Horst 08 1:2
SV Schermbeck - SC Hassel 3:0
SpVgg. Erkenschwick - SV Horst 08 0:1
SV Schermbeck - SV Horst 08 2:4
SpVgg. Erkenschwick - SC Hassel 7:2
Tabelle:
Platz Mannschaft Tore Differenz Punkte
1 SV Horst 08 7:3 4 9
2 SV Schermbeck 7:4 3 6
3 Spvgg. Erkenschwick 7:5 2 3
4 SC Hassel 3:12 -9 0
Richtig spannend machten es Horst 08 und
Langenbochum beim Kampf um den Einzug ins
Halbfinale. Der Favoritenschreck aus
Gelsenkirchen bot auch dem nächsten Gegner
Paroli und trotzte dem Landesligisten ein
0:0 ab. Damit war zum ersten Mal eine
Entschiedung vom Neunmeterpunkt fällig.
Beide Teams zeigten Nerven und vergeben
einen Strafstoß, doch im "Sudden Death" war
es das Bezirksliga-Überraschungsteam, das
nach einem Pfostenschuss von das bessere
Ende für sich hatte.
Zuvor hatte der SV Dorsten-Hardt seine
starke Defensivleistung aus der Vorrunde
bestätigt. Gegen Waltrop ließ die Truppe von
Martin Schmidt wenig zu und zog nach dem
2:0-Sieg verdient in die Runde der letzten
vier ein. "Natürlich sind wir jetzt
enttäuscht, denn das Ausscheiden war nicht
unbedingt nötig. Wir hatten allerdings schon
gehofft, in unserer Gruppe eine Chance zu
haben. Dorsten-Hardt ist jedoch schon so
etwas wie ein Angstgegner von uns, zog Heiko
Sulzbacher als Fazit und klopfte den
Veranstaltern auf die Schulter: "Die haben
hier was Tolles auf die Beine gestellt, wir
würden gerne wieder kommen".
Zum ersten "vorgezogenen Finale" geriet die
Partie zwischen dem vermeintlichen
Topfavorit und dem Vorjahressieger. Die
beiden Traditionsklubs boten in zehn Minuten
wenig Ansehnliches, kämpferisch schossen die
Gegner sogar das ein oder ander Mal übers
Ziel hinaus. Abermals musste das
Neunmeterschießen entscheiden - und das bot
Drama pur. Ein Hauch von Wembley wehte gar
durch die Halle an der Gesamtschule. Nach 15
Versuchen vom Punkt war klar: Herne hat sich
ins Halbfinale "gemurkst", der
Vorjahressieger ist hingegen raus. "Ein
Neunmeterschießen ist immer Glücksache",
analysierte Dominik Berehnd. Der
Mittelfeldkicker widmete den Auftritt seiner
Westfalia den SCW-Fans: "Wir wollen einfach
nur Spaß haben, wenn wir dabei noch ins
Finale kommen oder sogar den Titel
mitnehmen, dann tun wir das für unsere Fans,
die uns Woche für Woche toll unterstützen."
Als alle dachten, auch das "Duell der
Giganten" müsste durch die Lotterie
entschieden werden, nutzte Hüls' Thorsten
Stondzik einen Patzer von SVS-Keeper Sören
Stauder und machte kurz vor Schluss die
Halbfinal-Qualifikation für den Gast vom
Badeweiher perfekt.
Viertelfinale:
SV Dorsten-Hardt - Teut. Sus Waltrop 2:0
SV Horst 08 - SG H.-Langenbochum 5:4 (0:0)
n. N.
Westfalia Herne - Spvgg. Erkenschwick 7:6
(1:1) n. N.
VfB Hüls - SV Schermbeck 2:1
"Klaus und Klaus sind raus und raus", könnte
als Überschrift der Vorschlussrunde
herhalten. Doch der SV Horst-Emscher 08
durfte sich schon vor dem Semifinale als
"Mannschaft des Abends" fühlen und so zog
Klaus Schmidtchen trotz der 0:3-Niederlage
gegen Dorsten-Hardt ein positives Fazit:
"Wir hatten schon Jahre lang gehofft, mal
dabei zu sein. Heute hat meine Mannschaft
bewiesen, dass wir eine gute
Hallenmannschaft haben. Wir haben eine gute
Visitenkarte abgegeben."
In der NRW-Liga musste das Duell zwischen
Hüls und Herne vor zehn Tagen abgesagt
werden. Auf dem Parkett erwies sich
Christoph Schlebachs Mannschaft dann als die
effektivere. "Herne hat erfahrene Spieler,
die können auch in der Halle spielen",
nickte Klaus Täuber nachher anerkennend. Mit
dem Abschneiden war er einverstanden. "Ist
doch klar, dass wir hier nicht in der
Vorrunde ausscheiden wollen. Aber der Spaß
stand heute Abend im Vordergrund. Und die
Niederlage gegen Herne können wir ja noch
korrigieren", schmunzelte der "Boxer" mit
Blick auf die Meisterschaft vielsagend.
Halbfinale:
SV Dorsten-Hardt - SV Horst 08 3:0
Westfalia Herne - VfB Hüls 4:2
"Ein gutes Pferd springt nicht höher als es
muss", war auch im Finale das Motto von
Westfalia Herne. Dass Martin Setzke den
entscheidenden Treffer erst kurz vor Schluss
markierte, passte da ins Bild. Trainer
Christoph Schlebach war glücklich: "Der
Turniersieg ist natürlich ein perfekter
Jahresabschluss, aber heute stand der Spaß
im Vordergrund - und dass sich keiner
verletzt." Deshalb war Schlebach mir dem ein
oder anderen, zu giftigen Auftritt auch
nicht ganz einverstanden: "Das war nicht
nötig, dass wir Hektik aufkommen lassen,
denn es war klar, dass die unterklassigen
Teams gegen uns alles geben." Am Ende
reichte es für die Strünkeder trotz einer
wechselhaften Vorstellung sogar zu zwei
Titeln: Keeper André Lindenblatt durfte die
Auszeichnung als bester Torhüter des
Turniers entgegen nehmen.
Bei den Unterlegenen war die Stimmung im
Übrigen nicht schlechter. "Wir sind
überhaupt nicht enttäuscht, es ist doch
super, dass wir überhaupt so weit gekommen
sind. Damit hatte keiner gerechnet",
resümmierte Marc Bahl trotz der knappen
Endspiel-Pleite. Und sein Lob zum Schluss
spricht sicher für fast alle Aktiven und
Besucher der vierten Auflage des "Kick-mit-Schmidt-Turniers":
"Das ist ein super Turnier, astrein
organisiert. Wir hoffen, nächstes Jahr
wieder dabei zu sein."
Wenn beim fünften Hertener Mitternachtscup
nicht nur der Nachfolger von Westfalia Herne
gesucht, sondern auch das erste kleine
Jubiläum gefeiert wird.
Finale:
Westfalia Herne - SV Dorsten-Hardt 1:0

Sieger des 4.
Kick-mit-Schmidt-Mitternachtscups 2008: SC
Westfalia 04 Herne
Foto: InfoSchlumpf
Foto-Album zum Turnier von InfoSchlumpf