1959 verzaubert Westfalia Herne den
Fußball-Westen und verblüfft damit die
Fachwelt. Der Mythos von damals hat selbst
50 Jahre später nichts von seiner
Faszination eingebüßt.
Herne 1959. Die ersten Zechen fahren
Feierschichten, die Stadt bekommt ihr neues
Hallenbad am ehemaligen Schützenplatz, Willi
Pohlmann ist Vorsitzender der Jusos, und im
Rathaus amtiert Robert Brauner als
Oberbürgermeister. Das große Spektakel jener
Tage spielte sich jedoch zwei Kilometer
weiter nördlich ab: Im Stadion am Schloss
Strünkede düpiert Westfalia Herne unter
Regie des Trainers Fritz Langner die
Fußball-Elite der Oberliga West und kürt
sich drei Spieltage vor Schluss der Saison
1958/59 sensationell zum "Westmeister".
"Westfalia hatte damals eine spielstarke Truppe, und sie kamen praktisch aus dem Nichts", erinnert sich Dortmunds Alt-Internationaler Aki Schmidt an den Konkurrenten aus gemeinsamen Tagen in der Oberliga West.

Der Westmeister: Siggi Burkhardt, Hans
Tilkowski, Gerd Clement, Alfred Pyka, Willi
Kellermann, Helmut Benthaus, Willi Overdieck,
Alex Kraskewitz, Horst Wandolek, Werner
Losch und Kurt Sopart (Mai 1959). Fotos:
Archiv, Ralf Piorr
Der jungen Herner Elf der Namenlosen fliegen die Sympathien nur so zu. Der Weg vom Kellerkind zum Westmeister ist ein Wunder, mit dem sich die Menschen auch außerhalb des Fußballplatzes identifizieren. Der Erfolg der Blau-Weißen wird für die Fußballfans des Ruhrgebiets zum Generationserlebnis. "Überall, wo ich hinkomme, werde ich von den Älteren noch auf Westfalia angesprochen. In Mainz kam ein Mann auf mich zu und sagte ganz bewegt: `Danke für die wunderbaren Spiele am Schloss Strünkede!´ Wie sich herausstellte, kam er aus Recklinghausen und hatte seine Kindheit bei uns im Stadion verbracht", erzählt Westfalias erster Nationalspieler Hans Tilkowski.
Und als der Theaterregisseur Jürgen Flimm einmal erklären musste, was ihn eigentlich mit dem Ruhrgebiet verbindet, verwies er auf seine Familie, die ursprünglich aus Duisburg-Ruhrort stammt, und auf seine eigenen Erinnerungen, vor allem, als er noch "als Bube fleißig kickte". Eine Mannschaft blieb ihm dabei besonders im Gedächtnis: Westfalia Herne!
Letztlich hat Westfalia Herne nur vier gute Jahre in der Oberliga West, bis die neu gegründete Bundesliga den Verein in die Zweitklassigkeit schickt. Die Elf fällt nach und nach auseinander. Der Mythos von einst ist zwar ergraut, aber selbst 50 Jahre danach noch nicht vergangen. Am diesjährigen Geschichtswettbewerb (Oktober 2008 bis Ende März 2009) des Bundespräsidenten mit dem Thema "Helden: verehrt - verkannt - vergessen" nehmen auch Schüler des Gymnasiums Wanne teil. Thema ihrer Recherche: die Westfalia-Elf von 1959.
"Wir wollen Interviews führen und prüfen,
wie stark die Erinnerung an diese Mannschaft
und dieses Ereignis im kollektiven
Gedächtnis der Stadt noch verankert ist",
beschreibt Jenny Vooren, Geschichtslehrerin
am Wanner Gymnasium, den Ausgangspunkt der
Recherche. Vielleicht sollten die Schüler
bei einem prominenten Blau-Weißen anfangen:
Rudi Assauer schwang sich vor 50 Jahren in
seiner Geburtsstadt Herten regelmäßig auf
sein Fahrrad und trampelte eine halbe Stunde
am Kanal entlang, nur um Westfalia Herne am
Schloss Strünkede kicken zu sehen.