PRESSE

Das Wunder von Herne
 

03.01.09

1959 verzaubert Westfalia Herne den Fußball-Westen und verblüfft damit die Fachwelt. Der Mythos von damals hat selbst 50 Jahre später nichts von seiner Faszination eingebüßt.

Herne 1959. Die ersten Zechen fahren Feierschichten, die Stadt bekommt ihr neues Hallenbad am ehemaligen Schützenplatz, Willi Pohlmann ist Vorsitzender der Jusos, und im Rathaus amtiert Robert Brauner als Oberbürgermeister. Das große Spektakel jener Tage spielte sich jedoch zwei Kilometer weiter nördlich ab: Im Stadion am Schloss Strünkede düpiert Westfalia Herne unter Regie des Trainers Fritz Langner die Fußball-Elite der Oberliga West und kürt sich drei Spieltage vor Schluss der Saison 1958/59 sensationell zum "Westmeister".

"Westfalia hatte damals eine spielstarke Truppe, und sie kamen praktisch aus dem Nichts", erinnert sich Dortmunds Alt-Internationaler Aki Schmidt an den Konkurrenten aus gemeinsamen Tagen in der Oberliga West.


Der Westmeister: Siggi Burkhardt, Hans Tilkowski, Gerd Clement, Alfred Pyka, Willi Kellermann, Helmut Benthaus, Willi Overdieck, Alex Kraskewitz, Horst Wandolek, Werner Losch und Kurt Sopart (Mai 1959). Fotos: Archiv, Ralf Piorr

Der jungen Herner Elf der Namenlosen fliegen die Sympathien nur so zu. Der Weg vom Kellerkind zum Westmeister ist ein Wunder, mit dem sich die Menschen auch außerhalb des Fußballplatzes identifizieren. Der Erfolg der Blau-Weißen wird für die Fußballfans des Ruhrgebiets zum Generationserlebnis. "Überall, wo ich hinkomme, werde ich von den Älteren noch auf Westfalia angesprochen. In Mainz kam ein Mann auf mich zu und sagte ganz bewegt: `Danke für die wunderbaren Spiele am Schloss Strünkede!´ Wie sich herausstellte, kam er aus Recklinghausen und hatte seine Kindheit bei uns im Stadion verbracht", erzählt Westfalias erster Nationalspieler Hans Tilkowski.

Und als der Theaterregisseur Jürgen Flimm einmal erklären musste, was ihn eigentlich mit dem Ruhrgebiet verbindet, verwies er auf seine Familie, die ursprünglich aus Duisburg-Ruhrort stammt, und auf seine eigenen Erinnerungen, vor allem, als er noch "als Bube fleißig kickte". Eine Mannschaft blieb ihm dabei besonders im Gedächtnis: Westfalia Herne!

Letztlich hat Westfalia Herne nur vier gute Jahre in der Oberliga West, bis die neu gegründete Bundesliga den Verein in die Zweitklassigkeit schickt. Die Elf fällt nach und nach auseinander. Der Mythos von einst ist zwar ergraut, aber selbst 50 Jahre danach noch nicht vergangen. Am diesjährigen Geschichtswettbewerb (Oktober 2008 bis Ende März 2009) des Bundespräsidenten mit dem Thema "Helden: verehrt - verkannt - vergessen" nehmen auch Schüler des Gymnasiums Wanne teil. Thema ihrer Recherche: die Westfalia-Elf von 1959.

"Wir wollen Interviews führen und prüfen, wie stark die Erinnerung an diese Mannschaft und dieses Ereignis im kollektiven Gedächtnis der Stadt noch verankert ist", beschreibt Jenny Vooren, Geschichtslehrerin am Wanner Gymnasium, den Ausgangspunkt der Recherche. Vielleicht sollten die Schüler bei einem prominenten Blau-Weißen anfangen: Rudi Assauer schwang sich vor 50 Jahren in seiner Geburtsstadt Herten regelmäßig auf sein Fahrrad und trampelte eine halbe Stunde am Kanal entlang, nur um Westfalia Herne am Schloss Strünkede kicken zu sehen.
 

Quelle: WAZ

 

 

© SC Westfalia 04 Herne e.V. 2009