Nach dürren Wochen ist bei Westfalia
Herne der Erfolgshunger groß. Am Donnerstag
geht es zum Verfolgerduell bei der
punktgleichen Bielefelder Arminia.
Während die Frühlingssonne das zarte Grün
der Hoffnung in die Landschaft zaubert,
stellt sich der Alltag beim SC Westfalia in
der vorösterlichen Zeit in tristem Grau dar.
Fünf der sechs Pflichtspiele des Jahres hat
der NRW-Ligist verloren, hat sich in der
Liga seiner glänzenden Ausgangsposition und
im Pokal einer vielleicht sechsstelligen
Einnahme beraubt. Fastenzeit in Herne.
In der Not muss ein Retter her. Obama war
gerade nicht zu haben, also erinnerte man
sich eines Mannes, mit dem der Erfolg sechs
Jahre lang beinahe ständiger Gast war am
Schloss: Frank Schulz. Vor fünf Tagen wurde
der 48-Jährige wieder auf den Trainersitz
gehievt, den sein Nachfolger Christoph
Schlebach räumen musste. Der Auftrag ist
klar: Notbremse ziehen, Steuer herumreißen,
Erfolgsspur wiederfinden. Damit die Saison
in ein paar Wochen nicht als vermurkst gilt
und alles aus den Fugen gerät, was sich die
Strünkeder in den letzten Jahren aufgebaut
haben.
Spielfeld ist zu groß
Kein leichtes Unterfangen, wie Schulz nach
seinen ersten Eindrücken schwant. „Die
Mannschaft bringt nicht das rüber, was ich
von ihr kenne. Sie ist nicht locker,
manchmal ist das Spielfeld zu groß” – ein
wenig verklausuliert kommt rüber, was Schulz
keinesfalls als Kritik an seinem Vorgänger
verstanden haben möchte.
Es brächte eh' nichts. Was zählt, ist auf'm
Platz, und der liegt am heutigen Donnerstag
an der Rußheide in Bielefeld, wo die
punktgleiche Arminen-Reserve um 19.30 Uhr
auf die Herner wartet. Hier treffen die
beiden einzigen Klubs der ehemaligen
Oberliga Westfalen aufeinander, die sich
zwischen die dominierenden Nordrhein-Vereine
geschoben haben. Der Sieger hält Kontakt zu
Platz drei, der durchaus aufstiegsrelevant
sein kann. Jedenfalls wird gemunkelt, dass
Düsseldorfs Zweite nur dann aufsteigen soll,
wenn die „Erste” den Sprung in die 2.
Bundesliga schafft.
Wichtig: Die Körpersprache
Für Frank Schulz sind diese Überlegungen
zweitrangig, zumal er sich bislang nur als
„Aushilfstrainer” bis Saisonende betrachtet.
Ihm geht es darum, aus Bielefeld Zählbares
mitzubringen. „Wichtig ist, dass wir von der
Körpersprache und vom Einsatz her da
beginnen, wo wir Sonntag aufgehört haben.
Und vielleicht ist fußballerisch auf dem
anderen Platz mehr drin.” Im Training hat er
versucht, die Jungs wieder aufzurichten. Mit
einigem Erfolg, wie er meint. „Wir haben am
Dienstag zwei Stunden intensiv trainiert.
Das war richtig gut, da war richtig Stimmung
drin.”
Natürlich rechnet der Herner Coach damit,
dass der eine oder andere Profi heute für
die Jung-Arminen aufläuft. „Egal, wer da
spielt, das sind junge, technisch gut
ausgebildete und schnelle Leute, die nach
oben wollen. Zweite Mannschaften der
Bundesligaklubs sind immer stark”, weiß
Schulz. „Aber daran orientiere ich mich
nicht. Westfalia Herne hat eigene Klasse und
eigene Qualität.” Auch wenn heute der
Kapitän ausfällt. Arben Tahiri hat sich
gegen Bonn am Knie verletzt und fehlt ebenso
wie Sebastian Freyni und der beruflich
verhinderte Dennis Gidaszewski.
Wolfgang Volmer