PRESSE

Krise aus dem Nichts
 

25.04.09

Der Leistungsabfall der Mannschaft gibt den Verantwortlichen des SC Westfalia Rätsel auf. Vor dem Heimspiel gegen SF Oestrich stehen die Herner vor den Trümmern einer Saison. Trainer Frank Schulz wehrt sich gegen Vorwürfe seines Vorgängers.

Weltweit ist die größte Krise seit Jahren im Anmarsch, viele Deutsche aber spüren Umfragen zufolge noch nichts. Einen entgegengesetzten Charakter hat die Krise des SC Westfalia. Sie ist da, sie ist greifbar, sie ist erfahrbar - jeden dritten, vierten Tag für 90 Minuten, zuletzt am Mittwoch beim peinlichen 1:3 gegen Wattenscheid. Nur weiß niemand, woher sie kommt und was ihre Ursachen sind. Geschweige denn, wie ihr zu begegnen ist.

„Ich bin vollkommen ratlos. Habe absolut keine Erklärung, was da los ist. So etwas habe ich noch nie erlebt”, stöhnt Horst Haneke zerknirscht. Der Vorsitzende, der aus alter Liebe zu seiner Westfalia seit gut einem halben Jahr wieder mit Jürgen Stieneke am Steuer steht, hätte sich den plötzlichen Absturz dieser „teuersten Herner Mannschaft seit der Goldin-Zeit” in seinen übelsten Albträumen nicht vorstellen können. „Die Mannschaft ist total ausgelaugt, vollkommen kaputt. Das ist nur noch ein Haufen Elend.”

Ratlos und mutlos

Und weil weder er noch seine Kollegen aus dem engeren Zirkel die Ursachen fänden, werde aus Ratlosigkeit auch Mutlosigkeit. „Normalerweise bringt man die Sachen auf den Tisch, stellt die Alternativen gegenüber, und dann wird entschieden”, so Haneke. „Diesmal kann ich keine Entscheidung treffen. Und das tut mir innerlich weh.”

Deshalb wolle man noch das Spiel gegen SF Oestrich am Sonntag (15 Uhr, Schloss) abwarten, ehe man den Kurs für die neue Saison bestimme. „Wir sind immer noch nur einen Punkt von Platz drei entfernt. Und wer weiß, ob alle anderen die Lizenzen bekommen”, sagt Haneke, ohne sonderlich hoffnungsvoll zu klingen. Eher wie jemand, der nicht loslassen kann. „Ich werde verrückt, wenn ich an den Aufwand denke, den wir hier betrieben haben. Was wir für Summen ins Stadion und die Lizenzanträge investiert haben. Das sollte für die Regionalliga sein.”

Spätestens ab Montag aber wird der Vorstand entscheiden müssen, ob er weiter auf diese Mannschaft setzt, die derzeit keine ist, oder mit jungen Leuten einen Neuaufbau wagt. Und natürlich: Wer die sportliche Verantwortung tragen soll. Die hat vor drei Wochen Frank Schulz übernommen. Seitdem gab es zwei Siege und drei Niederlagen, aber keine nachhaltige Besserung. „Die Initialwirkung ist ausgeblieben”, gesteht auch Schulz ein. „Von daher kann man sicher darüber diskutieren, ob es richtig oder falsch war. Fakt ist, dass der Vorstand mit dem Trainerwechsel versucht hat, etwas zu retten.”

Schulz wehrt sich

Während der 48-Jährige für die Unzufriedenheit der Fans viel Verständnis hat, befremden ihn die Aussagen seine Vorgängers Christoph Schlebach, die gestern in der WAZ zu lesen waren. „Da erkenne ich meinen Sohn wieder, der ist in der Pubertät und macht Sachen, die sind auch nicht immer so durchdacht. Aber er ist auch erst Zwölf”, weist er den Vorwurf zurück, er habe mit indirekter Kritik an Schlebachs Arbeit gegen den Ehrenkodex im Trainergeschäft verstößen. „Ich habe darauf hingewiesen, dass der Mannschaft die Lockerheit fehlt, dass sie auch gedanklich nicht so richtig auf dem Platz ist. Und das bestätigen mir die Spieler auch selbst. Aber ich habe nie jemanden persönlich mit Namen angegriffen, so wie es jetzt von der anderen Seite passiert ist. Soviel zum Thema Ehrenkodex.”

Damit sei das Thema für ihn aber auch durch. „Wichtig ist, dass der Verein jetzt zur Ruhe kommt. Unruhe von außen kann niemand gebrauchen”, so Schulz, der für das morgige Spiel erneut an die Ehre und den Stolz jedes Spielers appellieren wird. „Wir müssen einfach noch mal alle zusammen angreifen. So wie gegen Wattenscheid darf man sich nicht präsentieren. Das haben auch die treuen Zuschauer nicht verdient.”

von Wolfgang Volmer
 

Quelle: WAZ Herne

 

 

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