Der Leistungsabfall der Mannschaft gibt
den Verantwortlichen des SC Westfalia Rätsel
auf. Vor dem Heimspiel gegen SF Oestrich
stehen die Herner vor den Trümmern einer
Saison. Trainer Frank Schulz wehrt sich
gegen Vorwürfe seines Vorgängers.
Weltweit ist die größte Krise seit Jahren im
Anmarsch, viele Deutsche aber spüren
Umfragen zufolge noch nichts. Einen
entgegengesetzten Charakter hat die Krise
des SC Westfalia. Sie ist da, sie ist
greifbar, sie ist erfahrbar - jeden dritten,
vierten Tag für 90 Minuten, zuletzt am
Mittwoch beim peinlichen 1:3 gegen
Wattenscheid. Nur weiß niemand, woher sie
kommt und was ihre Ursachen sind. Geschweige
denn, wie ihr zu begegnen ist.
„Ich bin vollkommen ratlos. Habe absolut
keine Erklärung, was da los ist. So etwas
habe ich noch nie erlebt”, stöhnt Horst
Haneke zerknirscht. Der Vorsitzende, der aus
alter Liebe zu seiner Westfalia seit gut
einem halben Jahr wieder mit Jürgen Stieneke
am Steuer steht, hätte sich den plötzlichen
Absturz dieser „teuersten Herner Mannschaft
seit der Goldin-Zeit” in seinen übelsten
Albträumen nicht vorstellen können. „Die
Mannschaft ist total ausgelaugt, vollkommen
kaputt. Das ist nur noch ein Haufen Elend.”
Ratlos und mutlos
Und weil weder er noch seine Kollegen aus
dem engeren Zirkel die Ursachen fänden,
werde aus Ratlosigkeit auch Mutlosigkeit.
„Normalerweise bringt man die Sachen auf den
Tisch, stellt die Alternativen gegenüber,
und dann wird entschieden”, so Haneke.
„Diesmal kann ich keine Entscheidung
treffen. Und das tut mir innerlich weh.”
Deshalb wolle man noch das Spiel gegen SF
Oestrich am Sonntag (15 Uhr, Schloss)
abwarten, ehe man den Kurs für die neue
Saison bestimme. „Wir sind immer noch nur
einen Punkt von Platz drei entfernt. Und wer
weiß, ob alle anderen die Lizenzen
bekommen”, sagt Haneke, ohne sonderlich
hoffnungsvoll zu klingen. Eher wie jemand,
der nicht loslassen kann. „Ich werde
verrückt, wenn ich an den Aufwand denke, den
wir hier betrieben haben. Was wir für Summen
ins Stadion und die Lizenzanträge investiert
haben. Das sollte für die Regionalliga
sein.”
Spätestens ab Montag aber wird der Vorstand
entscheiden müssen, ob er weiter auf diese
Mannschaft setzt, die derzeit keine ist,
oder mit jungen Leuten einen Neuaufbau wagt.
Und natürlich: Wer die sportliche
Verantwortung tragen soll. Die hat vor drei
Wochen Frank Schulz übernommen. Seitdem gab
es zwei Siege und drei Niederlagen, aber
keine nachhaltige Besserung. „Die
Initialwirkung ist ausgeblieben”, gesteht
auch Schulz ein. „Von daher kann man sicher
darüber diskutieren, ob es richtig oder
falsch war. Fakt ist, dass der Vorstand mit
dem Trainerwechsel versucht hat, etwas zu
retten.”
Schulz wehrt sich
Während der 48-Jährige für die
Unzufriedenheit der Fans viel Verständnis
hat, befremden ihn die Aussagen seine
Vorgängers Christoph Schlebach, die gestern
in der WAZ zu lesen waren. „Da erkenne ich
meinen Sohn wieder, der ist in der Pubertät
und macht Sachen, die sind auch nicht immer
so durchdacht. Aber er ist auch erst Zwölf”,
weist er den Vorwurf zurück, er habe mit
indirekter Kritik an Schlebachs Arbeit gegen
den Ehrenkodex im Trainergeschäft verstößen.
„Ich habe darauf hingewiesen, dass der
Mannschaft die Lockerheit fehlt, dass sie
auch gedanklich nicht so richtig auf dem
Platz ist. Und das bestätigen mir die
Spieler auch selbst. Aber ich habe nie
jemanden persönlich mit Namen angegriffen,
so wie es jetzt von der anderen Seite
passiert ist. Soviel zum Thema Ehrenkodex.”
Damit sei das Thema für ihn aber auch durch.
„Wichtig ist, dass der Verein jetzt zur Ruhe
kommt. Unruhe von außen kann niemand
gebrauchen”, so Schulz, der für das morgige
Spiel erneut an die Ehre und den Stolz jedes
Spielers appellieren wird. „Wir müssen
einfach noch mal alle zusammen angreifen. So
wie gegen Wattenscheid darf man sich nicht
präsentieren. Das haben auch die treuen
Zuschauer nicht verdient.”
von Wolfgang Volmer