PRESSE

Viel Murks und ein Masseltor
 

27.04.09

Westfalia Herne gewinnt einen Grottenkick gegen Oestrich durch ein spätes Tor von Arben Tahiri mit 1:0.

Es war ein Grottenkick. Armseliger Rumpelfußball, wie er in der NRW-Liga zum Glück nur selten zu erleiden ist. Dass sich der SC Westfalia als etwas schwächere von zwei ganz schwachen Mannschaften für seine Pöhlerei drei Punkte gutschreiben durfte, dafür hätte sich Trainer Frank Schulz fast entschuldigt. „Dieses Spiel hatte wirklich keinen Sieger verdient”, gab er ehrlich zu.

Die letzten treuen Zuschauer, die sich vom ähnlich desolaten Auftritt gegen Wattenscheid nicht hatten abschrecken lassen, quittierten das Gestolpere auf dem Rasen mit Schweigen, feiner Ironie („Oh, wie ist das schön”) oder auch mal einem gut gemeinten Ratschlag („Wechselt doch besser die Sportart”). Die Fanseele, sie kochte nicht, sie war einfach nur traurig und leer.


Marko Onucka klärt auf der Linie und verhindert so die Oestricher Führung

Selbst nach Arben Tahiris Billard-Tor in der Schlussphase kamen keine großen Glücksgefühle auf. Dabei passte dieser Treffer prima zu dem Murks, den die Kicker beider Teams verzapften. Vom Pfosten prallte Tahiris Kopfball zurück, traf Torwart Scholz am Körper, der mit seinem Knie dann ebenfalls vor den Pfosten knallte und mit Ball in den Händen ins Tor fiel. Kurios.

Erträglich war ansonsten nur die erste Viertelstunde. Die Herner begannen konzentriert, waren nah bei den Gegenspielern und versuchten, das Leder über viele Stationen laufen zu lassen und sich so Sicherheit zu holen. Sie kontrollierten das Spiel, ohne gefährlich zu werden. Mit einer Ausnahme: Bereits in der 4. Minute hätte Martin Setzke das 1:0 machen müssen, als er nach einem per Kopf verlängerten Mustroph-Einwurf nur Torwart Scholz vor sich hatte, den aber aus fünf Metern nicht überwinden konnte.

Es sollte bis zur Pause Westfalias einzige Chance bleiben. Mit zunehmender Dauer wurde das Herner Spiel immer zerfahrener. Weder André Badur, dem ungewöhnlich viele Abspielfehler unterliefen, noch der seit Wochen blasse Dominik Behrend oder der ebenfalls formschwache Tim Gebauer konnten dem Spiel kreative Impulse geben, und über die wegen Verletzungen von Sven Barton und Andreas Kluy umbesetzten Außenbahnen ging erst recht nichts.


Das 1:0 von Arben Tahiri in der 88. Spielminute                                                                                                  Fotos: Cib

Spätestens nach einer halben Stunde hätten die Gäste eigentlich ihre Chance wittern und energisch auf Sieg spielen müssen. Leichter als gestern in Herne werden sie kaum noch einmal an drei wichtige Punkte gegen den Abstieg kommen. Aber sie scheuten das Risiko und verließen sich ganz auf ihre Standards. Fast wäre diese Rechnung sogar aufgegangen. Mehrfach suchte und fand Achilleas Courtoglou mit seinen Eck- und Freistößen den langen Thiele. Doch der Innenverteidiger hatte viel Pech, verfehlte mit einer Direktabnahme den Winkel (17.), setzte einen Kopfball an die Latte (45.) und rasselte bei seiner dritten Chance mit SCW-Torwart Olli Bautz zusammen (54.), dem zuvor schon einmal der Pfosten zur Seite stand, als er eine harmlosen Flanke durchrutschen ließ (38.).

Mit einem Punkt wären die Herner deshalb gut bedient gewesen. Am Ende hatten sie plötzlich drei. Und keiner wusste, warum.
 

SC Westfalia Herne - SF Oestrich-Iserlohn 1:0 (0:0)

Tor: 1:0 (88.) Tahiri.

SCW: Bautz - Kilian, Mustroph, Baum, Gidaszewski - Eisen (73. Tahiri), Gebauer - Behrend (58. Oerterer), Badur - Onucka, Setzke.

SFO: Scholz - Ochs, Thiele, Rothholz (85. Langer), Stiesberg - Hederich (64. Scheerer), Kut, Ballout, El Mabtoul - Courtoglou, Ünal (79. Biehs).

SR: Claas Steenebrügge (Bochum).

Zuschauer: 287
 

Trainerstimmen:

Tim Langenbach (Oestrich): Ich glaube, wir alle haben kein besonders gutes Spiel gesehen. Es war mehr Kampf und Krampf, war von sehr vielen Ungenauigkeiten geprägt. Mit diesem Schiedsrichtergespann sind wir nicht in der Lage, zu punkten. Wir haben im Verlauf der ersten Halbzeit die besseren Chancen gehabt, vor allem den Lattentreffer in letzter Minute und den anschließenden Nachschuss, der von der Linie geschlagen wurde. Insgesamt war es ein sehr schlechtes Spiel, bei dem ein Unentschieden ein gerechtes Ergebnis gewesen wäre.

Frank Schulz (SCW): Selten habe ich in der NRW- oder der Oberliga ein schlechteres Spiel gesehen, und zwar von beiden Seiten. Wenn überhaupt, dann hatte es Landesligaformat. Ich freue mich natürlich für meine Mannschaft, dass sie noch das Tor gemacht hat, obwohl dieses Spiel wirklich keinen Sieger verdient gehabt hätte.

 

Randnotiz:

Stieneke kündigt harten Schnitt an

Noch sind keine personellen Entscheidungen getroffen, auf eine Richtung hat sich der SCW-Vorstand aber jetzt festgelegt. „Es wird einen harten Schnitt geben", stellte Jürgen Stieneke gestern klar. „Den finanziellen Kraftakt dieses Jahres können wir uns nicht mehr erlauben. Auch die sportliche Entwicklung spricht für einen Neuaufbau." Jünger und billiger soll die Mannschaft werden, wenn‘s geht, auch noch besser. Das steht fest. Ob Frank Schulz bei diesen Vorgaben als Trainer an Bord bleibt, soll sich binnen zehn Tagen entscheiden. „Wir haben mit ihm gesprochen und ihm gesagt, dass wir gern mit ihm weitermachen würden."

Die derzeitige Mannschaft dürfte also auseinanderfallen. Auch wenn sie sich jetzt noch einmal zusammenraufen will. Sie sieht die Gründe für ihren Leistungseinbruch in fehlender körperlicher und geistiger Frische, aber auch in vielen Problemen, die sich in der Hinrunde angehäuft hätten und jetzt abgearbeitet werden.


von Wolfgang Volmer
 

Quelle: WAZ Herne
 

Video vom 1:0

Fotoserie Reviersport
 

 

 

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