Westfalia Herne gewinnt einen Grottenkick
gegen Oestrich durch ein spätes Tor von
Arben Tahiri mit 1:0.
Es war ein Grottenkick. Armseliger
Rumpelfußball, wie er in der NRW-Liga zum
Glück nur selten zu erleiden ist. Dass sich
der SC Westfalia als etwas schwächere von
zwei ganz schwachen Mannschaften für seine
Pöhlerei drei Punkte gutschreiben durfte,
dafür hätte sich Trainer Frank Schulz fast
entschuldigt. „Dieses Spiel hatte wirklich
keinen Sieger verdient”, gab er ehrlich zu.
Die letzten treuen Zuschauer, die sich vom
ähnlich desolaten Auftritt gegen
Wattenscheid nicht hatten abschrecken
lassen, quittierten das Gestolpere auf dem
Rasen mit Schweigen, feiner Ironie („Oh, wie
ist das schön”) oder auch mal einem gut
gemeinten Ratschlag („Wechselt doch besser
die Sportart”). Die Fanseele, sie kochte
nicht, sie war einfach nur traurig und leer.

Marko Onucka klärt auf der Linie und
verhindert so die Oestricher Führung
Selbst nach Arben Tahiris Billard-Tor in der
Schlussphase kamen keine großen
Glücksgefühle auf. Dabei passte dieser
Treffer prima zu dem Murks, den die Kicker
beider Teams verzapften. Vom Pfosten prallte
Tahiris Kopfball zurück, traf Torwart Scholz
am Körper, der mit seinem Knie dann
ebenfalls vor den Pfosten knallte und mit
Ball in den Händen ins Tor fiel. Kurios.
Erträglich war ansonsten nur die erste
Viertelstunde. Die Herner begannen
konzentriert, waren nah bei den
Gegenspielern und versuchten, das Leder über
viele Stationen laufen zu lassen und sich so
Sicherheit zu holen. Sie kontrollierten das
Spiel, ohne gefährlich zu werden. Mit einer
Ausnahme: Bereits in der 4. Minute hätte
Martin Setzke das 1:0 machen müssen, als er
nach einem per Kopf verlängerten
Mustroph-Einwurf nur Torwart Scholz vor sich
hatte, den aber aus fünf Metern nicht
überwinden konnte.
Es sollte bis zur Pause Westfalias einzige
Chance bleiben. Mit zunehmender Dauer wurde
das Herner Spiel immer zerfahrener. Weder
André Badur, dem ungewöhnlich viele
Abspielfehler unterliefen, noch der seit
Wochen blasse Dominik Behrend oder der
ebenfalls formschwache Tim Gebauer konnten
dem Spiel kreative Impulse geben, und über
die wegen Verletzungen von Sven Barton und
Andreas Kluy umbesetzten Außenbahnen ging
erst recht nichts.

Das 1:0 von Arben Tahiri in der 88.
Spielminute
Fotos: Cib
Spätestens nach einer halben Stunde hätten
die Gäste eigentlich ihre Chance wittern und
energisch auf Sieg spielen müssen. Leichter
als gestern in Herne werden sie kaum noch
einmal an drei wichtige Punkte gegen den
Abstieg kommen. Aber sie scheuten das Risiko
und verließen sich ganz auf ihre Standards.
Fast wäre diese Rechnung sogar aufgegangen.
Mehrfach suchte und fand Achilleas
Courtoglou mit seinen Eck- und Freistößen
den langen Thiele. Doch der Innenverteidiger
hatte viel Pech, verfehlte mit einer
Direktabnahme den Winkel (17.), setzte einen
Kopfball an die Latte (45.) und rasselte bei
seiner dritten Chance mit SCW-Torwart Olli
Bautz zusammen (54.), dem zuvor schon einmal
der Pfosten zur Seite stand, als er eine
harmlosen Flanke durchrutschen ließ (38.).
Mit einem Punkt wären die Herner deshalb gut
bedient gewesen. Am Ende hatten sie
plötzlich drei. Und keiner wusste, warum.
SC Westfalia Herne - SF Oestrich-Iserlohn
1:0 (0:0)
Tor: 1:0 (88.) Tahiri.
SCW: Bautz - Kilian, Mustroph, Baum,
Gidaszewski - Eisen (73. Tahiri), Gebauer -
Behrend (58. Oerterer), Badur - Onucka,
Setzke.
SFO: Scholz - Ochs, Thiele, Rothholz (85.
Langer), Stiesberg - Hederich (64. Scheerer),
Kut, Ballout, El Mabtoul - Courtoglou, Ünal
(79. Biehs).
SR: Claas Steenebrügge (Bochum).
Zuschauer: 287
Trainerstimmen:
Tim Langenbach (Oestrich): Ich
glaube, wir alle haben kein besonders gutes
Spiel gesehen. Es war mehr Kampf und Krampf,
war von sehr vielen Ungenauigkeiten geprägt.
Mit diesem Schiedsrichtergespann sind wir
nicht in der Lage, zu punkten. Wir haben im
Verlauf der ersten Halbzeit die besseren
Chancen gehabt, vor allem den Lattentreffer
in letzter Minute und den anschließenden
Nachschuss, der von der Linie geschlagen
wurde. Insgesamt war es ein sehr schlechtes
Spiel, bei dem ein Unentschieden ein
gerechtes Ergebnis gewesen wäre.
Frank Schulz (SCW): Selten habe ich
in der NRW- oder der Oberliga ein
schlechteres Spiel gesehen, und zwar von
beiden Seiten. Wenn überhaupt, dann hatte es
Landesligaformat. Ich freue mich natürlich
für meine Mannschaft, dass sie noch das Tor
gemacht hat, obwohl dieses Spiel wirklich
keinen Sieger verdient gehabt hätte.
Randnotiz:
Stieneke kündigt harten Schnitt an
Noch sind keine personellen Entscheidungen
getroffen, auf eine Richtung hat sich der
SCW-Vorstand aber jetzt festgelegt. „Es wird
einen harten Schnitt geben", stellte Jürgen
Stieneke gestern klar. „Den finanziellen
Kraftakt dieses Jahres können wir uns nicht
mehr erlauben. Auch die sportliche
Entwicklung spricht für einen Neuaufbau."
Jünger und billiger soll die Mannschaft
werden, wenn‘s geht, auch noch besser. Das
steht fest. Ob Frank Schulz bei diesen
Vorgaben als Trainer an Bord bleibt, soll
sich binnen zehn Tagen entscheiden. „Wir
haben mit ihm gesprochen und ihm gesagt,
dass wir gern mit ihm weitermachen würden."
Die derzeitige Mannschaft dürfte also
auseinanderfallen. Auch wenn sie sich jetzt
noch einmal zusammenraufen will. Sie sieht
die Gründe für ihren Leistungseinbruch in
fehlender körperlicher und geistiger
Frische, aber auch in vielen Problemen, die
sich in der Hinrunde angehäuft hätten und
jetzt abgearbeitet werden.
von Wolfgang Volmer