Beim SC Westfalia Herne sind noch viele
Fragen offen. Das Gastspiel am Essener
Uhlenkrug kann Sonntag erste Antworten
bringen.
Wenig Fakten, viele Mutmaßungen. Sechs
Wochen vor Ende der NRW-Liga-Saison ist die
Situation beim SC Westfalia Herne ziemlich
unübersichtlich. Klar ist, dass es einen
Schnitt geben und die Mannschaft billiger
werden soll. Klar ist auch, dass der
Vorstand diese Aufgabe gern mit Trainer
Frank Schulz angehen würde. Alles weitere
ist Spekulation. Selbst die Frage der
künftigen Ligazugehörigkeit ist wieder ein
Stück weit offen.
Erneut sind nämlich Gerüchte aufgeflammt,
dass Fortuna Düsseldorf nur dann mit der
Reserve in der Regionalliga antreten werde,
wenn die „Erste” ebenfalls den Aufstieg
schafft. Solange diese Gerüchte wabern, ist
Platz drei in der NRW-Liga hochinteressant.
Und der ist für den SCW vor dem Gastspiel
beim ETB SW Essen (So., 15 Uhr) absolut in
Reichweite.
Denn so mager die Darbietungen auf dem Platz
waren, die Ausbeute war so schlecht nicht.
Immerhin neun Punkte hat die Westfalia in
den letzten vier Spielen eingefahren. Mit
Leistungen wie gegen Oestrich aber wird am
Uhlenkrug wenig zu holen sein.
Das weiß auch der Trainer. „Momentan ist
alles schwierig. Es läuft einfach nicht
rund”, stellt Frank Schulz fest. Und
versucht alles, die Mannschaft wieder nach
vorne zu bringen. Am Mittwoch packte er die
Peitsche aus, als er direkt nach dem
Pokalspiel noch in Elpeshof eine längere
Laufeinheit ansetzte. Eher Zuckerbrot gibt's
am heutigen Samstag beim gemeinsamen
Frühstück vor dem Abschlusstraining.
„Spielerisch müssen wir uns gewaltig
steigern. Das Kämpferische und Läuferische
sind sowieso Grundvoraussetzungen, um
bestehen zu können”, mahnt Schulz. „Essen
hat eine sehr gute Mannschaft mit vielen
erfahrenen Spielern, die zurecht auf Platz
sechs steht.”
Anders als in Herne weist die Formkurve der
Schwarz-Weißen deutlich aufwärts. Obwohl
Trainer Klaus Berge schon vor Monaten
ankündigte, den ETB zum Saisonende zu
verlassen und die A-Junioren des Nachbarn
RWE zu übernehmen, haben die Essener im Jahr
2009 von zehn Ligaspielen nur eines verloren
(gegen Düsseldorf), 21 Punkte geholt – und
dabei fast immer ordentlichen Fußball
gespielt. Besonders augenfällig ist die
Steigerung von Torjäger Sebastian Westerhoff,
der in Delbrück gleich viermal traf und
zuletzt auch beim 1:1 gegen RW Essen II
erfolgreich war.
Der SCW trifft also auf einen starken
Gegner. Das birgt Risiken, aber auch
Chancen. Vielleicht schafft der SCW ja die
Wende zum Guten, spielt endlich einmal
wieder überzeugend und liefert seinem
Trainer Argumente, am Schloss zu bleiben.
Noch hat sich Frank Schulz nämlich nicht
entschieden. „Ich habe ja noch ein paar Tage
Zeit, werde mich nächste Woche mit dem
Vorstand unterhalten.” Bis dahin will er
auch abklopfen, welche „Korsettstangen”
einen Neuaufbau mittragen würden. „Mit
einigen haben ich schon gesprochen. Manche
haben Anfragen andere Vereine, aber das
letzte Wort ist noch bei niemandem
gesprochen.”
Es sind viele Fragen offen beim SCW.
Irgendwann werden sie beantwortet, so oder
so. Das ist sicher.
von Wolfgang Volmer