Westfalia Herne zeigt sich in Essen
deutlich verbessert, kann sich nach der
1:2-Niederlage den Aufstiegstraum aber
endgültig abschminken.
Obwohl die Partie am Uhlenkrug für den SC
Westfalia verloren ging, wirkten die Herner
nach dem Schlusspfiff entspannter,
gelassener, vielleicht sogar zufriedener als
nach dem jüngsten 1:0-Sieg gegen Oestrich.
Was paradox klingt, folgt durchaus einer
gewissen Logik. Die Mannschaft merkte, dass
sie das Fußballspielen nicht vollends
verlernt hat, Trainer Frank Schulz sah klare
Fortschritte, sprach sogar von der stärksten
Leistung seiner zweiten Herner
Schaffensperiode, und der Vorstand hat
endlich Klarheit und somit eine Grundlage
für nun anstehende Entscheidungen. „Das Ding
ist abgefahren. Jetzt können wir voll für
die NRW-Liga planen”, hakten die
Vorsitzenden Horst Haneke und Jürgen
Stieneke das Thema Regionalliga noch an Ort
und Stelle ab.
Regionalliga abgehakt
Damit dürfte der Schnitt tiefer, der Umbau
radikaler ausfallen, als wenn man
zweigleisig hätte planen müssen. Viele
Spieler der aktuellen Mannschaft werden am
Schloss keine Zukunft mehr haben. „In den
nächsten Tagen wird es erste Entscheidungen
geben”, kündigte Timur Camci als Sportlicher
Leiter an.
Arben Tahiri könnte bereits seine letzten
zehn Minuten für Herne absolviert haben.
Exakt so lange dauerte es, bis sich der
SCW-Kapitän nach seiner Einwechslung eine
absolut überflüssige rote Karte eingehandelt
hatte. Der Ball ruhte vor einem Freistoß in
Nähe des Mittelkreises, Essener wie Herner
versammelten sich im SCW-Strafraum, da
gingen Tahiri und Michael Jost plötzlich zu
Boden. Der Assistent hatte Tahiris Schubser
gesehen, er winkte, und Thomas Metzen griff
in die Gesäßtasche. Einen Elfmeter gab es
nicht, weil das Spiel unterbrochen war.

Schiri Thomas "Django Doppelgelb" Metzen
zeigt Arben Tahiri nach einer Tätlichkeit
den roten Karton
Foto: Cib
Kurios, dass sich drei Minuten später fast
eine eine Doublette dieser Szene zutrug.
Etwa an der gleichen Stelle erhielt Essen
erneut einen Freistoß, wieder lief der
frühere Herner Kamil Bednarski an – nur war
diesmal niemand da, der Michael Jost in die
Quere kam. Und so konnte der Essener
Innenverteidiger ungehindert zum
2:1-Endstand einköpfen.
Womit die Gäste um die Früchte ihrer Arbeit
gebracht waren. Die Schulz-Elf spielte nicht
glanzvoll, aber ordentlich. Sie stand
kompakt, hielt ihre Ordnung, ackerte und
rackerte - kurz: sie beherzigte die
Grundtugenden. Und deutete hin und wieder
an, dass Kreativität, Spielkultur und
fußballerisches Potenzial in diesem Team
schlummern.
Nils Eisen gleicht aus
Immerhin reichte das, um den seit acht
Spielen ungeschlagenen Schwarz-Weißen
ebenbürtig zu sein. Deren Führung durch
Sebastian Westerhoff, vom starken Bednarski
vorbereitet, glich Nils Eisen nur zehn
Minuten später aus spitzem Winkel aus. Bis
zum Wechsel verzeichneten beide Teams noch
ein Abseitstor, Essen zudem einen
Lattentreffer durch Ouro-Akpo.
Hatte Essen vor der Pause leichte Vorteile,
war Herne im zweiten Abschnitt teilweise
drückend überlegen, ohne zwingend zu sein.
Bis zum Sechzehner spielte die Schulz-Elf
ganz ansprechend, dann war sie mit ihrem
Latein am Ende. Beide Spitzen waren bemüht,
verweigerten aber den Abschluss, und auch
André Badur und Co. geizten aus der zweiten
Reihe mit Schüssen. Und um den Ball
spielerisch ins Tor zu tragen, dazu fehlt
dem SCW derzeit einiges.
ETB Schwarz-Weiß Essen - SC Westfalia Herne
2:1 (1:1)
Tore: 1.0 (26.) Westerhoff, 1:1 (36.) Eisen,
2:1 (84.) Jost.
ETB: Ritz - Schulz, Losing, Jost, Zeh (72.
Dluhosch) - Hecht (46. Grallert), Saracevic
(53. Höhle), Vladi, Bednarski - Westerhoff,
Ouro-Akpo.
SCW: Bautz - Barton (71. Allali), Mustroph,
Baum, Kilian - Gebauer, Eisen, Gidaszewski
(71. Tahiri) - Badur - Onucka (82. Behrend),
Setzke.
SR: Thomas Metzen (Mechernich).
Zuschauer: 520.
Rote Karte: Tahiri (SCW/81.).
Trainerstimmen:
Frank Schulz (SCW): Wir haben ein
sehr intensives Spiel von beiden Seiten
gesehen. Ich bin der Meinung, dass wir über
die 90 Minuten die bessere Mannschaft waren.
Die Tore gegen uns sind sehr unglücklich
gefallen. Für mich war es die beste
Leistung, seitdem ich wieder Trainer in
Herne bin. Die Niederlage ausgenommen, kann
ich diesmal mit der Mannschaft zufrieden
sein.
Klaus Berge (ETB): Uns ist es heute
zum ersten Mal gelungen, gegen eine
Mannschaft zu gewinnen, die über uns steht.
Auch das zeigt, dass sich die Mannschaft
weiter entwickelt hat. Ob verdient oder
unverdient, glücklich oder unglücklich, muss
jeder für sich selbst entscheiden.
Jedenfalls haben wir über 90 Minuten
gezeigt, dass wir Lust haben auf Zweikämpfe,
Lust aufs Gewinnen. Und das beweist, dass
das Klima stimmt in dieser Mannschaft.
von Wolfgang Volmer