PRESSE

Niederlage als Fortschritt
 

04.05.09

Westfalia Herne zeigt sich in Essen deutlich verbessert, kann sich nach der 1:2-Niederlage den Aufstiegstraum aber endgültig abschminken.

Obwohl die Partie am Uhlenkrug für den SC Westfalia verloren ging, wirkten die Herner nach dem Schlusspfiff entspannter, gelassener, vielleicht sogar zufriedener als nach dem jüngsten 1:0-Sieg gegen Oestrich. Was paradox klingt, folgt durchaus einer gewissen Logik. Die Mannschaft merkte, dass sie das Fußballspielen nicht vollends verlernt hat, Trainer Frank Schulz sah klare Fortschritte, sprach sogar von der stärksten Leistung seiner zweiten Herner Schaffensperiode, und der Vorstand hat endlich Klarheit und somit eine Grundlage für nun anstehende Entscheidungen. „Das Ding ist abgefahren. Jetzt können wir voll für die NRW-Liga planen”, hakten die Vorsitzenden Horst Haneke und Jürgen Stieneke das Thema Regionalliga noch an Ort und Stelle ab.

Regionalliga abgehakt

Damit dürfte der Schnitt tiefer, der Umbau radikaler ausfallen, als wenn man zweigleisig hätte planen müssen. Viele Spieler der aktuellen Mannschaft werden am Schloss keine Zukunft mehr haben. „In den nächsten Tagen wird es erste Entscheidungen geben”, kündigte Timur Camci als Sportlicher Leiter an.

Arben Tahiri könnte bereits seine letzten zehn Minuten für Herne absolviert haben. Exakt so lange dauerte es, bis sich der SCW-Kapitän nach seiner Einwechslung eine absolut überflüssige rote Karte eingehandelt hatte. Der Ball ruhte vor einem Freistoß in Nähe des Mittelkreises, Essener wie Herner versammelten sich im SCW-Strafraum, da gingen Tahiri und Michael Jost plötzlich zu Boden. Der Assistent hatte Tahiris Schubser gesehen, er winkte, und Thomas Metzen griff in die Gesäßtasche. Einen Elfmeter gab es nicht, weil das Spiel unterbrochen war.


Schiri Thomas "Django Doppelgelb" Metzen zeigt Arben Tahiri nach einer Tätlichkeit den roten Karton              Foto: Cib

Kurios, dass sich drei Minuten später fast eine eine Doublette dieser Szene zutrug. Etwa an der gleichen Stelle erhielt Essen erneut einen Freistoß, wieder lief der frühere Herner Kamil Bednarski an – nur war diesmal niemand da, der Michael Jost in die Quere kam. Und so konnte der Essener Innenverteidiger ungehindert zum 2:1-Endstand einköpfen.

Womit die Gäste um die Früchte ihrer Arbeit gebracht waren. Die Schulz-Elf spielte nicht glanzvoll, aber ordentlich. Sie stand kompakt, hielt ihre Ordnung, ackerte und rackerte - kurz: sie beherzigte die Grundtugenden. Und deutete hin und wieder an, dass Kreativität, Spielkultur und fußballerisches Potenzial in diesem Team schlummern.

Nils Eisen gleicht aus

Immerhin reichte das, um den seit acht Spielen ungeschlagenen Schwarz-Weißen ebenbürtig zu sein. Deren Führung durch Sebastian Westerhoff, vom starken Bednarski vorbereitet, glich Nils Eisen nur zehn Minuten später aus spitzem Winkel aus. Bis zum Wechsel verzeichneten beide Teams noch ein Abseitstor, Essen zudem einen Lattentreffer durch Ouro-Akpo.

Hatte Essen vor der Pause leichte Vorteile, war Herne im zweiten Abschnitt teilweise drückend überlegen, ohne zwingend zu sein. Bis zum Sechzehner spielte die Schulz-Elf ganz ansprechend, dann war sie mit ihrem Latein am Ende. Beide Spitzen waren bemüht, verweigerten aber den Abschluss, und auch André Badur und Co. geizten aus der zweiten Reihe mit Schüssen. Und um den Ball spielerisch ins Tor zu tragen, dazu fehlt dem SCW derzeit einiges.


ETB Schwarz-Weiß Essen - SC Westfalia Herne 2:1 (1:1)

Tore: 1.0 (26.) Westerhoff, 1:1 (36.) Eisen, 2:1 (84.) Jost.

ETB: Ritz - Schulz, Losing, Jost, Zeh (72. Dluhosch) - Hecht (46. Grallert), Saracevic (53. Höhle), Vladi, Bednarski - Westerhoff, Ouro-Akpo.

SCW: Bautz - Barton (71. Allali), Mustroph, Baum, Kilian - Gebauer, Eisen, Gidaszewski (71. Tahiri) - Badur - Onucka (82. Behrend), Setzke.

SR: Thomas Metzen (Mechernich).

Zuschauer: 520.

Rote Karte: Tahiri (SCW/81.).


Trainerstimmen:

Frank Schulz (SCW): Wir haben ein sehr intensives Spiel von beiden Seiten gesehen. Ich bin der Meinung, dass wir über die 90 Minuten die bessere Mannschaft waren. Die Tore gegen uns sind sehr unglücklich gefallen. Für mich war es die beste Leistung, seitdem ich wieder Trainer in Herne bin. Die Niederlage ausgenommen, kann ich diesmal mit der Mannschaft zufrieden sein.

Klaus Berge (ETB): Uns ist es heute zum ersten Mal gelungen, gegen eine Mannschaft zu gewinnen, die über uns steht. Auch das zeigt, dass sich die Mannschaft weiter entwickelt hat. Ob verdient oder unverdient, glücklich oder unglücklich, muss jeder für sich selbst entscheiden. Jedenfalls haben wir über 90 Minuten gezeigt, dass wir Lust haben auf Zweikämpfe, Lust aufs Gewinnen. Und das beweist, dass das Klima stimmt in dieser Mannschaft.


von Wolfgang Volmer
 

Quelle: WAZ Herne

Fotoalbum von InfoSchlumpf

Das 1:1 durch Nils Eisen 

 

 

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