Die Westfalia entwickelt sich zum
Derby-Deppen. Am Sonntag ging der Schlager
in Essen in die Hose. Am Mittwoch-Abend
scheiterte Herne auch am Nachbarn aus
Velbert. Das Kellerkind blamierte den SCW
bis auf die Knochen und sackte beim 3:0
(0:0)-Sieg den wichtigen Dreier im Kampf um
denn Klassenerhalt ein.
„Wir sind überglücklich, den Sieg
eingefahren zu haben“, pustete Marek Lesniak
tief durch. Der Trainer der SSVg. legte
nach: „Es war ein verdienter Erfolg, den
sich das Team redlich erarbeitet hat.“
Während die Gäste ausgelassen das Verlassen
des letzten Tabellenplatzes feierten,
schlichen die Herner mit hängenden Köpfen in
die Katakomben. „Dafür gibt es keine
Erklärung. Die Mannschaft ist einfach
platt“, stellte Timur Camci enttäuscht fest.
Damit meinte der Sportliche Leiter der
Hausherren aber nicht nur den körperlichen
Zustand der Elf von Coach Frank Schulz. „Die
Jungs haben das Fußballspielen ja nicht
verlernt“, schränkte Camci ein. „Aber vom
Kopf her sind wir vollkommen blockiert.“
Dabei haben die Herner nun
Planungssicherheit, denn der Aufstiegszug
ist endgültig ohne sie abgebraust. „Darüber
müssen wir wirklich nicht mehr nachdenken“,
redete der Funktionär nicht um den heißen
Brei herum. „Wir konzentrieren uns nur noch
auf die NRW-Liga.“ Und das wird hart genug.
Denn Camci kündigte an, im Kader gnadenlos
auszusortieren: „Es wird einen großen
personellen Umbruch geben. So geht es
einfach nicht.“
Dennoch suchte er dann noch den
Schulterschluss mit den Mannschaft: „Alle
prügeln auf das Team ein, aber das ist auch
nicht richtig. Denn schließlich hat diese
Truppe auch Erfolge gefeiert. Es ist
menschlich, dass man auch mal ein Tief hat.
Wir sind nun einmal keine Maschinen.“
Und dennoch entspricht das Abschneiden seit
dem Winter nicht den Anforderungen. „Für den
Verein ist es eine schwierige Situation“,
weiß Camci: „Und diesen enormen finanziellen
Aufwand, den wir betrieben haben, können wir
uns nicht noch einmal leisten.“ Genauso
wenig wie eine erneute Niederlage am Sonntag
gegen Essen II. Das nächste Derby...
Thorsten Richter