Westfalia Herne steckt vor dem Heimspiel
gegen RW Essen II ganz tief im Tal der
Tränen. Trainer Frank Schulz vermisst
Persönlichkeiten, die sich wirklich dagegen
stemmen.
Gemeinhin, so heißt es, brennen Fußballer
nach einer miesen Leistung darauf, möglichst
schnell wieder auf den Platz zu dürfen und
alles besser zu machen. Beim SC Westfalia
Herne aber ist derzeit alles anders. Die
Spieler dürften es als blanken Horror
empfinden, dass sie am Sonntag um 15 Uhr
genau den Rasen wieder betreten müssen, den
sie 90 Stunden zuvor wie geprügelte Hunde
verlassen hatten.
Auch Trainer Frank Schulz brennt nicht
gerade vor Vorfreude auf die NRW-Liga-Partie
gegen Rot-Weiß Essen II. „Es ist momentan
sehr einfach, gegen uns zu gewinnen”, gibt
er ehrlich zu. Und wirkt, als habe er die
Hoffnung fast verloren, in den verbleibenden
fünf Spielen noch einmal jene Mannschaft
wiederzusehen, die er vor knapp einem Jahr
Richtung Cloppenburg verlassen hatte. „Es
tut schon sehr, sehr weh, sehen zu müssen,
was aus dieser Mannschaft geworden ist”,
stöhnt Schulz. „Schließlich habe ich sechs
Jahre lang versucht, hier etwas zu bewegen
und etwas aufzubauen. Und dabei ist ja auch
viel Positives passiert. Da ist es sehr
traurig, dass die Mannschaft jetzt komplett
in sich zusammenfällt.”
Über die Gründe, die Fehler, die andere,
vielleicht auch er selbst gemacht haben, mag
Schulz nicht länger grübeln. „So wie zuletzt
dürfen sich Fußballer nicht präsentieren.
Das ist verantwortungslos gegenüber dem
Verein und seinen Fans. Da braucht sich kein
Spieler auf den Schwanz getreten zu fühlen,
das ist einfach Fakt.” Er selbst hat es mit
Zuckerbrot versucht und Peitsche, hat alle
Mittel angewendet, die einem Trainer zur
Verfügung stehen. Ohne Erfolg. „Ich habe
viel versucht, aber aus der Mannschaft kommt
nichts raus. Das wirkt auf mich wie eine
Depression. Die ist auch schwer zu
behandeln.”
Jetzt sei die Mannschaft selbst gefordert.
„Sie muss sich an den eigenen Haaren aus dem
Sumpf ziehen”, nimmt Schulz seinen
Schützlingen jedes Alibi. „Aber leider sehe
ich zu wenig Persönlichkeiten im Team, die
sich richtig dagegen stemmen.”
Einer, der es vom Naturell her könnte, ist
Sven Barton. Doch der Ur-Herner, seit zehn
Jahren für den SCW am Ball, fällt mit einem
Muskelfaserriss noch mindestens zwei weitere
Wochen aus. Wegen einer
Schleimbeutelentzündung im Knie muss auch
Andreas Kluy noch pausieren. Arben Tahiri
sitzt seine Rotsperre ab, und am Donnerstag
meldete sich auch Martin Setzke verletzt. Er
hat sich im Velbert-Spiel eine Rippe
angebrochen. Wahrscheinlich werden auch Sven
Jubt und Fatih Gürpinar nicht dabei sein,
weil sie für die A-Junioren unverzichtbar
sind.
Doch egal, wer spielt: Mit einer Leistung
wie gegen Velbert ist die nächste
Katastrophe programmiert – selbst wenn mit
RW Essen II nicht gerade eine Übermannschaft
am Schloss aufkreuzt.
von Wolfgang Volmer