PRESSE

Schwere Depression
 

09.05.09

Westfalia Herne steckt vor dem Heimspiel gegen RW Essen II ganz tief im Tal der Tränen. Trainer Frank Schulz vermisst Persönlichkeiten, die sich wirklich dagegen stemmen.

Gemeinhin, so heißt es, brennen Fußballer nach einer miesen Leistung darauf, möglichst schnell wieder auf den Platz zu dürfen und alles besser zu machen. Beim SC Westfalia Herne aber ist derzeit alles anders. Die Spieler dürften es als blanken Horror empfinden, dass sie am Sonntag um 15 Uhr genau den Rasen wieder betreten müssen, den sie 90 Stunden zuvor wie geprügelte Hunde verlassen hatten.

Auch Trainer Frank Schulz brennt nicht gerade vor Vorfreude auf die NRW-Liga-Partie gegen Rot-Weiß Essen II. „Es ist momentan sehr einfach, gegen uns zu gewinnen”, gibt er ehrlich zu. Und wirkt, als habe er die Hoffnung fast verloren, in den verbleibenden fünf Spielen noch einmal jene Mannschaft wiederzusehen, die er vor knapp einem Jahr Richtung Cloppenburg verlassen hatte. „Es tut schon sehr, sehr weh, sehen zu müssen, was aus dieser Mannschaft geworden ist”, stöhnt Schulz. „Schließlich habe ich sechs Jahre lang versucht, hier etwas zu bewegen und etwas aufzubauen. Und dabei ist ja auch viel Positives passiert. Da ist es sehr traurig, dass die Mannschaft jetzt komplett in sich zusammenfällt.”

Über die Gründe, die Fehler, die andere, vielleicht auch er selbst gemacht haben, mag Schulz nicht länger grübeln. „So wie zuletzt dürfen sich Fußballer nicht präsentieren. Das ist verantwortungslos gegenüber dem Verein und seinen Fans. Da braucht sich kein Spieler auf den Schwanz getreten zu fühlen, das ist einfach Fakt.” Er selbst hat es mit Zuckerbrot versucht und Peitsche, hat alle Mittel angewendet, die einem Trainer zur Verfügung stehen. Ohne Erfolg. „Ich habe viel versucht, aber aus der Mannschaft kommt nichts raus. Das wirkt auf mich wie eine Depression. Die ist auch schwer zu behandeln.”

Jetzt sei die Mannschaft selbst gefordert. „Sie muss sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen”, nimmt Schulz seinen Schützlingen jedes Alibi. „Aber leider sehe ich zu wenig Persönlichkeiten im Team, die sich richtig dagegen stemmen.”

Einer, der es vom Naturell her könnte, ist Sven Barton. Doch der Ur-Herner, seit zehn Jahren für den SCW am Ball, fällt mit einem Muskelfaserriss noch mindestens zwei weitere Wochen aus. Wegen einer Schleimbeutelentzündung im Knie muss auch Andreas Kluy noch pausieren. Arben Tahiri sitzt seine Rotsperre ab, und am Donnerstag meldete sich auch Martin Setzke verletzt. Er hat sich im Velbert-Spiel eine Rippe angebrochen. Wahrscheinlich werden auch Sven Jubt und Fatih Gürpinar nicht dabei sein, weil sie für die A-Junioren unverzichtbar sind.

Doch egal, wer spielt: Mit einer Leistung wie gegen Velbert ist die nächste Katastrophe programmiert – selbst wenn mit RW Essen II nicht gerade eine Übermannschaft am Schloss aufkreuzt.

von Wolfgang Volmer
 

Quelle: WAZ Herne

 

 

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