Antworten lassen Raum für Spekulation.
Westfalia Herne legt alle Personalien auf
Eis, bis die Zulassung für die neue
NRW-Liga-Saison vorliegt. Das Spiel bei
Germania Dattenfeld ist nur noch von
statistischem Wert. Frank Schulz reist mit
letztem Aufgebot an.
Dieser Mann kann sich nicht verstecken.
Schon gar nicht hier, mitten im Pott, in
einem Stadion, in dem sich gerade mal 300
Menschen aufhalten. Dass Olaf Thon sich am
Sonntag 45 Minuten NRW-Liga-Fußball in Herne
antat, war demnach schnell rund am Schloss.
Und etliche Besucher zückten ihre
Handy-Kameras und ließen sich mit dem
Schalke-Idol ablichten.
Irgendwer erwischte den 52-fachen
Nationalspieler auch im Gespräch mit Timur
Camci, dem Sportlichen Leiter des SC
Westfalia. Und irgendwie landete das
Foto auf der
Homepage des Vereins. Was natürlich
Fragen aufwirft. „Die kennen sich und haben
miteinander gesprochen”, wiegelt Jürgen
Stieneke ab, der zweite Vorsitzende und
starke Mann. Worüber? „Ich gehe mal davon
aus, dass sie auch über Westfalia Herne
gesprochen haben.”
Läuft da also was mit Thon? Buhlt der Klub
um einen namhaften Trainer, oder will er
sich nur beim Fußball-Professor Rat holen?
Auf diese Fragen gibt es keine klaren
Antworten. Thon spricht in einem Interview
mit „Reviersport” von der Westfalia als sehr
interessantem Verein mit viel Tradition und
großem Potenzial, bezeichnet ein Engagement
in Herne als spannende Aufgabe, verweist
aber auch auf seinen bis Ende Juli laufenden
Vertrag mit Schalke. Als klare Absage lässt
sich das nicht interpretieren. Es bleibt
Raum für Spekulationen.
Raum, den auch Stieneke offen lässt.
Wasserstandsmeldungen mag er nicht
verkünden, und Fakten wurden nicht
geschaffen. „Wir haben weder mit Frank
Schulz verlängert, noch einen Vertrag mit
Olaf Thon abgeschlossen”, wehrt der Boss den
Angriff ab. Und setzt gleich den Konter. „Im
Moment läuft gar nichts. Es könnte nämlich
die Gefahr bestehen, dass wir keine Lizenz
kriegen für die NRW-Liga.”
Wie bitte? „Ja”, bestätigt Stieneke, „so ist
es. Aber ich bin überzeugt, dass es klappt.”
Am Montag sei der SCW per Fax aufgefordert
worden, seine Unterlagen nachzubessern.
„Alle Punkte sind wir sofort mit unserer
Steuerberaterin nachgegangen. Auch haben wir
Bürgen beigebracht für den Fall, dass die
finanzielle Lage unübersichtlich werden
sollte”, erläutert Stieneke. Seit Mittwoch
lägen die Herner Antworten in Duisburg vor.
„Ich gehe davon aus, dass wir die Lizenz
bekommen. Aber bis sie da ist, werden wir
keinen Vertrag abschließen.” Das könnte ein
Geduldsspiel werden. Noch gibt es nämlich
keinen Termin, an dem das
Zulassungsverfahren abgeschlossen sein soll.
Stienekes Information, die Kommission werde
an diesem Wochenende entscheiden, wurde vom
Verband jedenfalls nicht bestätigt.
Stillstand wie an der Lizenzfront herrschte
zuletzt auch auf dem Platz. Durch
übermäßigen Bewegungsdrang jedenfalls fielen
Westfalias Fußballer in den letzten Partien
nicht auf. Die Saison ist gelaufen, alle
sehnen ihr Ende herbei. Fünfmal muss die
Schulz-Elf noch ran, bevor sie sich
vermutlich in alle Winde zerstreut. Am
Sonntag lernen die Herner das Dörfchen
Dattenfeld kennen, wo die heimische Germania
ab 15 Uhr Revanche nehmen will für ihre
höchste Saisonniederlage.
5:1 gewann die Westfalia ihr erstes
Pflichtspiel des Jahres. Arben Tahiri (3)
und Marko Onucka (2) schossen eine wie
entfesselt aufspielende Schlebach-Elf an die
Tabellenspitze. Dreieinhalb Monate ist das
her, dreieinhalb Monate, in denen es stetig
bergab ging.
Viel tiefer geht's jetzt nicht mehr.
Insofern kann der SCW nur positiv
überraschen, selbst wenn Frank Schulz mit
zwölf oder 13 Spielen anreisen muss. Neben
Sven Barton, Tahiri und Martin Setzke fällt
auch Torwart Oliver Bautz mit zwei
gebrochenen Rippen aus. Dicke Fragezeichen
stehen hinter Andreas Kluy, Tim Kilian,
André Badur und Gökhan Özdemir. „Auch mit
unserem letzten Aufgebot werden wir
versuchen, ein gutes Spiel abzuliefern”,
kündigt Schulz an. „Wenigstens haben wir
diese Woche mal dreimal trainieren können,
und das hat mir richtig gut gefallen. Die
Mannschaft ist zwar down, aber Lustlosigkeit
kann ich ihr nicht vorwerfen.”
von Wolfgang Volmer