PRESSE

Kraft reicht nur für 70 Minuten
 

18.05.09

Westfalia Herne liefert die beste Halbzeit seit vielen Wochen ab, kehrt aber trotzdem ohne Punkte aus Dattenfeld zurück. Gastgeber treffen in letzter Minute zum 2:1.

Außer Spesen nichts gewesen. Ohne Punkte kehrte der SCW von seinem weitesten Ausflug dieser Saison zurück. Wenigstens wissen die Spieler jetzt, wo Dattenfeld liegt. Im Kreis Windeck nämlich, auf halber Strecke zwischen Siegen und Köln. Und nicht in der Walachei, wie Co-Trainer Horst Albert noch kurz vor der Ankunft in der 2400-Seelen-Gemeinde meinte.

Der Nutzwert der gestrigen Exkursion lag dennoch nicht allein im Vermehren geografischer Kenntnisse. Immerhin brachten die Herner auch die Einsicht mit, dass sie das Fußballspielen noch nicht völlig verlernt haben. „Das war die mit Abstand beste erste Halbzeit, seitdem wir wieder in Herne sind”, sprach Co-Trainer Horst Albert auch für seinen Chef Frank Schulz. „Dattenfeld hatte nicht den Hauch einer Chance.” Erst als später die Kräfte schwanden, gaben die Gäste die Spielkontrolle aus der Hand. „Ab der 70. Minute waren wie stehend K.o., kamen zu spät und waren in jedem Zweikampf zweiter Sieger.” Zumindest gestern war es also ein konditionelles und weniger ein mentales Problem, das zur Niederlage führte.

Mit einigen angeschlagenen Spielern in ihrem „letzten Aufgebot” traten die Herner gleich die Flucht nach vorne an. Nils Eisen verfehlte bereits in den ersten Sekunden knapp das Ziel, kurz darauf konnte Cebula einen Schuss von Marko Onucka abwehren (3.). Der SCW hatte sich Respekt verschafft und blieb am Drücker. Martin Setzke nach Doppelpass mit Onucka (20.) und noch einmal Onucka (36.) hatten die Herner Führung auf dem Fuß, noch bevor Dattenfeld mit einem etwas zu hoch angesetzten 18m-Schuss erstmals gefährlich wurde.

Im direkten Gegenzug dann die längst überfällige Herner Führung. Dominik Behrend köpfte Dennis Gidaszewskis Maßflanke an den Pfosten, den Abpraller hämmerte Zouhair Allali in die Maschen.

Nach der Pause wurden die Gastgeber stärker und kassierten prompt den Lohn, als Sebastian Schoof nach einer Kerze im Herner Strafraum Mirko Mustroph aus vollem Lauf übersprang und aus sieben Metern einköpfte. Noch aber hielten die Gäste dagegen, hätten durch Setzke, Eisen und Behrend erneut in Führung gehen können, ehe sie in der Schlussphase völlig einbrachen und sich kaum noch befreien konnten. Bei Hayers Pfostenschuss hatte der SCW noch Glück, in der Schlussminute aber fehlte auch das, als erneut Schoof aus kurzer Distanz einlochte.


Germania Dattenfeld - SC Westfalia Herne 2:1

Tore: 0:1 (42.) Allali, 1:1 (57.) Schoof, 2:1 (90.) Schoof.

Dattenfeld: Cebula - Habel, Voike, Kessel (84. Grebe), Meiß (46. Zaskoku), Niewiadomski, Kaesberg, Reed, Tuysuz, Schoof, Wendt (63. Hayer).

SCW: Lindenblatt - Kluy (31. Kilian), Baum, Mustroph, Gidaszewski - Allali, Gebauer - Eisen, Setzke (70. Freyni) - Behrend, Onucka (75. Oerterer).

SR: Waldemar Stor (Aerzen).

Zuschauer: 263.

Gelb/Rot: Behrend (SCW/90.).

von Wolfgang Volmer


Trainerfrage:

Absolute Funkstille

"Wir hängen in der Luft. Keiner spricht mit uns und sagt, wie es weitergehen soll." Das beklagen Frank Schulz, Horst Albert aber auch viele Spieler, die Mitte Mai immer noch nicht wissen, ob der SCW weiter mit ihnen plant. Die ganze Woche über habe sich Trainer Schulz ohne Erfolg um ein Gespräch mit dem Vorstand bemüht. "Das ist wie ein Kampf gegen Windmühlen", sagt Horst Albert. "Und das ist mehr als traurig und auch nicht fair." Ein erstes Konzept, vor gut zwei Wochen vorgelegt, habe der Vorstand mit Hinweis auf das schwebende Lizenzverfahren inzwischen zurückgezogen.
 

Quelle: WAZ Herne

 

 

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