Westfalia Herne liefert die beste
Halbzeit seit vielen Wochen ab, kehrt aber
trotzdem ohne Punkte aus Dattenfeld zurück.
Gastgeber treffen in letzter Minute zum 2:1.
Außer Spesen nichts gewesen. Ohne Punkte
kehrte der SCW von seinem weitesten Ausflug
dieser Saison zurück. Wenigstens wissen die
Spieler jetzt, wo Dattenfeld liegt. Im Kreis
Windeck nämlich, auf halber Strecke zwischen
Siegen und Köln. Und nicht in der Walachei,
wie Co-Trainer Horst Albert noch kurz vor
der Ankunft in der 2400-Seelen-Gemeinde
meinte.
Der Nutzwert der gestrigen Exkursion lag
dennoch nicht allein im Vermehren
geografischer Kenntnisse. Immerhin brachten
die Herner auch die Einsicht mit, dass sie
das Fußballspielen noch nicht völlig
verlernt haben. „Das war die mit Abstand
beste erste Halbzeit, seitdem wir wieder in
Herne sind”, sprach Co-Trainer Horst Albert
auch für seinen Chef Frank Schulz. „Dattenfeld
hatte nicht den Hauch einer Chance.” Erst
als später die Kräfte schwanden, gaben die
Gäste die Spielkontrolle aus der Hand. „Ab
der 70. Minute waren wie stehend K.o., kamen
zu spät und waren in jedem Zweikampf zweiter
Sieger.” Zumindest gestern war es also ein
konditionelles und weniger ein mentales
Problem, das zur Niederlage führte.
Mit einigen angeschlagenen Spielern in ihrem
„letzten Aufgebot” traten die Herner gleich
die Flucht nach vorne an. Nils Eisen
verfehlte bereits in den ersten Sekunden
knapp das Ziel, kurz darauf konnte Cebula
einen Schuss von Marko Onucka abwehren (3.).
Der SCW hatte sich Respekt verschafft und
blieb am Drücker. Martin Setzke nach
Doppelpass mit Onucka (20.) und noch einmal
Onucka (36.) hatten die Herner Führung auf
dem Fuß, noch bevor Dattenfeld mit einem
etwas zu hoch angesetzten 18m-Schuss
erstmals gefährlich wurde.
Im direkten Gegenzug dann die längst
überfällige Herner Führung. Dominik Behrend
köpfte Dennis Gidaszewskis Maßflanke an den
Pfosten, den Abpraller hämmerte Zouhair
Allali in die Maschen.
Nach der Pause wurden die Gastgeber stärker
und kassierten prompt den Lohn, als
Sebastian Schoof nach einer Kerze im Herner
Strafraum Mirko Mustroph aus vollem Lauf
übersprang und aus sieben Metern einköpfte.
Noch aber hielten die Gäste dagegen, hätten
durch Setzke, Eisen und Behrend erneut in
Führung gehen können, ehe sie in der
Schlussphase völlig einbrachen und sich kaum
noch befreien konnten. Bei Hayers
Pfostenschuss hatte der SCW noch Glück, in
der Schlussminute aber fehlte auch das, als
erneut Schoof aus kurzer Distanz einlochte.
Germania Dattenfeld - SC Westfalia Herne 2:1
Tore: 0:1 (42.) Allali, 1:1 (57.) Schoof,
2:1 (90.) Schoof.
Dattenfeld: Cebula - Habel, Voike, Kessel
(84. Grebe), Meiß (46. Zaskoku),
Niewiadomski, Kaesberg, Reed, Tuysuz, Schoof,
Wendt (63. Hayer).
SCW: Lindenblatt - Kluy (31. Kilian), Baum,
Mustroph, Gidaszewski - Allali, Gebauer -
Eisen, Setzke (70. Freyni) - Behrend, Onucka
(75. Oerterer).
SR: Waldemar Stor (Aerzen).
Zuschauer: 263.
Gelb/Rot: Behrend (SCW/90.).
von Wolfgang Volmer
Trainerfrage:
Absolute Funkstille
"Wir hängen in der Luft. Keiner spricht mit
uns und sagt, wie es weitergehen soll." Das
beklagen Frank Schulz, Horst Albert aber
auch viele Spieler, die Mitte Mai immer noch
nicht wissen, ob der SCW weiter mit ihnen
plant. Die ganze Woche über habe sich
Trainer Schulz ohne Erfolg um ein Gespräch
mit dem Vorstand bemüht. "Das ist wie ein
Kampf gegen Windmühlen", sagt Horst Albert.
"Und das ist mehr als traurig und auch nicht
fair." Ein erstes Konzept, vor gut zwei
Wochen vorgelegt, habe der Vorstand mit
Hinweis auf das schwebende Lizenzverfahren
inzwischen zurückgezogen.