PRESSE

Wider die Geiferer
 

23.05.09

Westfalia Herne beschäftigt sich vor dem Heimspiel gegen Fortuna Köln vornehmlich mit sich selbst. Verbale Ausfälle einiger beleidigter Besserwisser entsetzen Vorstand und Trainer. Frank Schulz: "Auch die Mannschaft hat die Schnauze voll."

Es hat nichts mit fehlendem Respekt gegenüber Fortuna Köln zu tun, dass sich der SC Westfalia Herne vor dem vorletzten NRW-Liga-Heimspiel (So., 15 Uhr) weniger mit seinem Gast beschäftigt als mit sich selbst. Die sportliche Bedeutung der Partie tendiert gegen Null, große Fußballkunst zweier von jeglichem Druck befreiter, der reinen Lust aufs Spiel verfallender Teams ist auch nicht zu erwarten. Was die Fans zum Schloss locken könnte, ist Neugier darauf, wie der SCW die von manchen als beschämend empfundene Pokalpleite beim DSC wegsteckt. Oder auch das Bedürfnis, sich gerade in der Not mit dem eigenen Verein und den in ihm handelnden Personen zu solidarisieren.

An Gründen, Flagge zu zeigen, mangelt es nicht. Seit Wochen müssen sich Spieler, Trainer und Vorstandsmitglieder berechtigte Kritik, aber auch wüste Beschimpfungen anhören. Nach dem Schlusspfiff in Wanne eskalierte die Situation, wäre es nach massiven, unter die Gürtellinie zielenden Anfeindungen fast zu Handgreiflichkeiten gekommen. Jürgen Stieneke war fassungslos: „Das waren extreme Beleidigungen, die sich Frank und Timur anhören mussten”, sagte der Mann, ohne den die Westfalia längst von der Bildfläche verschwunden wäre. „Ich habe mich geschämt.”

Er selbst sei dickhäutig genug, auch übelste verbale Entgleisungen an sich abprallen zu lassen. „Aber wenn das anhält, kann ich mit meiner Freizeit auch was anderes anfangen. Sowas muss ich nicht haben”, deutet der „Boss” Konsequenzen an. Vor den geifernden Schlaumeiern zu kuschen, entspricht aber nicht Stienekes Naturell. Auch fühlt er sich den „echten Fans” verpflichtet, jenen, die meckern, weil sie enttäuscht sind und nicht, weil sie als beleidigte Besserwisser alles niedermachen wollen. Deshalb denkt Stieneke zunächst an Konsequenzen anderer Art: „Wir werden überlegen, ob wir einige Stadionverbote aussprechen.”

Wie der Verein mit diesen Leuten umgeht, war für Frank Schulz das zentrale Thema bei der gestrigen Unterredung mit dem Vorstand, in der es eigentlich um seine weitere Arbeit und die sportliche Zukunft des SCW gehen sollte. „Was da in letzter Zeit passiert, ist absolut niveaulos. Kritik ist berechtigt, und der stellen wir uns auch. Von diesen Anfeindungen, die immer von den gleichen Leuten kommen, haben wir aber alle die Schnauze voll”, spricht der Trainer auch für die ganze Mannschaft. „Ich muss mir ganz genau überlegen, ob ich in Herne weiter mache.”

Das Angebot dazu hatte ihm Jürgen Stieneke am Dienstag unterbreitet.

von Wolfgang Volmer
 

Quelle: WAZ Herne

 

 

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