PRESSE

Das Ende ist nah
 

25.05.09

Noch zweimal 90 Minuten sind zu ertragen, dann kann man sich bei Westfalia Herne an die Aufräumarbeiten machen. Beim 2:3 gegen Fortuna Köln zeigt die Mannschaft nach der Pause durchaus Charakter. Frank Schulz ist noch hin- und hergerissen.

Noch zweimal stark sein, dann ist es geschafft. Dann kann sich der SC Westfalia Herne an die Aufräumarbeiten machen, kann die Trümmer wegschaffen nach einer Saison, in der ein scheinbar stabiles Gebäude einstürzte wie ein Kartenhaus. Nicht etwa durch ein Erdbeben, eher schleichend, so als zerbrösele der Beton. „Jeder bei Westfalia ist froh, dass wir dann mal durchatmen können und der Verein sich neu aufstellen kann”, sehnt auch Trainer Frank Schulz den 14. Juni herbei, wenn gegen 16.45 Uhr die Partie gegen Aachen beendet sein wird.

Ob Schulz selbst zu denen zählt, die den Neuaufbau in Angriff nehmen, will er spätestens am Dienstag entscheiden. Er sei hin- und hergerissen, ob er das Angebot zur Vertragsverlängerung annehmen solle. Unabhängig davon beteiligt sich Schulz an den Planungen für den künftigen Spielerkader. „Am Ende dieser Woche werden wir etwa 15 Spieler unter Vertrag haben”, kündigten Vorsitzender Horst Haneke und der Sportliche Leiter Timur Camci an. Darunter seien acht, neun Spieler aus dem aktuellen Kader. Namen wollten weder Schulz noch Camci nennen. Üben wir uns also noch ein paar Tage in Geduld.


Andre Badur zirkelt einen Freistoss knapp übers Kölner Gehäuse

Einer, der nicht mehr dabei sein wird, wurde gestern von den Fans besonders gefeiert: Sven Barton. Der Außenbahn-Sprinter, der zum Regionalliga-Aufsteiger Bonner SC wechselt, hängte sich gegen die Fortunen so rein wie in fast allen Spielen der letzten zehn Jahre. Und hatte dabei das, was ihm so oft fehlte, vielleicht sogar den Weg ins Profigeschäft verbaute: Glück im Abschluss. Dominik Behrends Kopfballtor zum 1:2 bereitete Barton mit einer harten, präzisen Flanke prächtig vor, das 2:3 erzielte er mit einer unhaltbaren Direktabnahme aus 16 Metern selbst. Barton hätte froh gelaunt nach Hause fahren können, wenn es seine Kameraden geschafft hätten, eine der Chancen in der Schlussphase noch zum Ausgleich zu nutzen. Einen Punkt nämlich hatten sich die Herner diesmal redlich verdient – schon deshalb, weil sie sich trotz des 0:2-Rückstands, trotz der Niederlagenserie, trotz ihrer müden Knochen nie hängen ließen.


Tim Gebauer tanzt drei Kölner aus - Leider vergebens

Einige Aktionen der zweiten Hälfte vermittelten sogar eine Ahnung davon, was diese Truppe spielerisch zu leisten imstande war/ist. Am Willen, an der Bereitschaft, Meter zu machen, mangelte es ebenfalls nicht. Allerdings ließ sich auch die große allgemeine Verunsicherung nicht kaschieren. Klaffte schon beim 0:1 durch Kruths Nachschuss eine Riesenlücke im Herner Abwehrverbund, leisteten die Platzherren bei den übrigen Kölner Treffern unfreiwillig direkte Hilfestellung. Vor dem 0:2 patzten Martin Setzke und Nils Eisen, beim 1:3 stand Tim Kilian Pate. Aber so ist das halt, wenn's nicht läuft.


Arben Tahiri klärt per Kopf im eigenen Sechzehner                                                                                             Fotos: Cib


SC Westfalia Herne - SC Fortuna Köln 2:3 (0:2)

Tore: 0:1 (22.) Kruth, 0:2 (37.) Dahmani, 1:2 (53.) Behrend, 1:3 (63.) Kruth, 2:3 (73.) Barton.

SCW: Lindenblatt - Barton, Mustroph, Eisen, Kilian (81. Gidaszewski) - Allali, Gebauer - Tahiri, Badur - Onucka (46.) Behrend, Setzke (46. Oerterer).

Köln: Möllering - Maaßen, Mimbala (68. Höffgen), Halili, Gran (46. Malsch) - Khan, Hoffmann, Blankenheim (84. Stasiulewski), Dahmani - Kruth, Bably.

SR: Andreas Steffens (Mechernich).

Zuschauer: 300.

von Wolfgang Volmer


Trainerstimmen:

Matthias Mink (Köln): Wir haben eine lange Durststrecke hinter uns mit vielen komischen Spielen und sind froh, dass wir aus Herne was mitnehmen können, womit wir nicht zwingend rechnen konnten. In der ersten Halbzeit haben wir ein ordentliches Spiel gemacht. Wir standen ganz gut und haben verdientermaßen 2:0 geführt. Dass Fußball auch Kopfsache ist, hat man an der zweiten Halbzeit gemerkt, als unsere Spieler ohne das nötige Selbstvertrauen auf den Platz gingen. So kriegt man dann ein Tor und gerät ins Schwimmen.

Frank Schulz (SCW): Eine lange Durststrecke haben wir auch, nur noch nicht hinter uns. Der Mannschaft kann ich heute gerade für die zweite Halbzeit keinen Vorwurf machen. In Gegensatz zu den letzten Spielen hatte ich das Gefühl, dass sie unbedingt wollte. Schade, dass sie nicht durch den verdienten Ausgleich belohnt wurde.
 

Kaderplanung:

Bautz will bleiben, Seidel kommen

Die Bereitschaft der derzeitigen SCW-Spieler ist groß, auch zu deutlich geringeren Bezügen für Herne zu kicken. Das ergaben erste Gespräche, die Timur Camci und Frank Schulz führten. Einer derer, die gern bleiben würden, ist Oliver Bautz. "So will ich mich hier nicht verabschieden", sagte der Torwart. Einer, der gern wiederkommen würde, ist Norman Seidel. Die "Klette" war gestern erneut im Stadion.

 

Quelle: WAZ Herne

Foto-Album von InfoSchlumpf

Video von Sven Bartons 2:3:

 

 

© SC Westfalia 04 Herne e.V. 2009