Noch zweimal 90 Minuten sind zu ertragen,
dann kann man sich bei Westfalia Herne an
die Aufräumarbeiten machen. Beim 2:3 gegen
Fortuna Köln zeigt die Mannschaft nach der
Pause durchaus Charakter. Frank Schulz ist
noch hin- und hergerissen.
Noch zweimal stark sein, dann ist es
geschafft. Dann kann sich der SC Westfalia
Herne an die Aufräumarbeiten machen, kann
die Trümmer wegschaffen nach einer Saison,
in der ein scheinbar stabiles Gebäude
einstürzte wie ein Kartenhaus. Nicht etwa
durch ein Erdbeben, eher schleichend, so als
zerbrösele der Beton. „Jeder bei Westfalia
ist froh, dass wir dann mal durchatmen
können und der Verein sich neu aufstellen
kann”, sehnt auch Trainer Frank Schulz den
14. Juni herbei, wenn gegen 16.45 Uhr die
Partie gegen Aachen beendet sein wird.
Ob Schulz selbst zu denen zählt, die den
Neuaufbau in Angriff nehmen, will er
spätestens am Dienstag entscheiden. Er sei
hin- und hergerissen, ob er das Angebot zur
Vertragsverlängerung annehmen solle.
Unabhängig davon beteiligt sich Schulz an
den Planungen für den künftigen
Spielerkader. „Am Ende dieser Woche werden
wir etwa 15 Spieler unter Vertrag haben”,
kündigten Vorsitzender Horst Haneke und der
Sportliche Leiter Timur Camci an. Darunter
seien acht, neun Spieler aus dem aktuellen
Kader. Namen wollten weder Schulz noch Camci
nennen. Üben wir uns also noch ein paar Tage
in Geduld.

Andre Badur zirkelt einen Freistoss knapp
übers Kölner Gehäuse
Einer, der nicht mehr dabei sein wird, wurde
gestern von den Fans besonders gefeiert:
Sven Barton. Der Außenbahn-Sprinter, der zum
Regionalliga-Aufsteiger Bonner SC wechselt,
hängte sich gegen die Fortunen so rein wie
in fast allen Spielen der letzten zehn
Jahre. Und hatte dabei das, was ihm so oft
fehlte, vielleicht sogar den Weg ins
Profigeschäft verbaute: Glück im Abschluss.
Dominik Behrends Kopfballtor zum 1:2
bereitete Barton mit einer harten, präzisen
Flanke prächtig vor, das 2:3 erzielte er mit
einer unhaltbaren Direktabnahme aus 16
Metern selbst. Barton hätte froh gelaunt
nach Hause fahren können, wenn es seine
Kameraden geschafft hätten, eine der Chancen
in der Schlussphase noch zum Ausgleich zu
nutzen. Einen Punkt nämlich hatten sich die
Herner diesmal redlich verdient – schon
deshalb, weil sie sich trotz des
0:2-Rückstands, trotz der Niederlagenserie,
trotz ihrer müden Knochen nie hängen ließen.

Tim Gebauer tanzt drei Kölner aus - Leider
vergebens
Einige Aktionen der zweiten Hälfte
vermittelten sogar eine Ahnung davon, was
diese Truppe spielerisch zu leisten imstande
war/ist. Am Willen, an der Bereitschaft,
Meter zu machen, mangelte es ebenfalls
nicht. Allerdings ließ sich auch die große
allgemeine Verunsicherung nicht kaschieren.
Klaffte schon beim 0:1 durch Kruths
Nachschuss eine Riesenlücke im Herner
Abwehrverbund, leisteten die Platzherren bei
den übrigen Kölner Treffern unfreiwillig
direkte Hilfestellung. Vor dem 0:2 patzten
Martin Setzke und Nils Eisen, beim 1:3 stand
Tim Kilian Pate. Aber so ist das halt,
wenn's nicht läuft.

Arben Tahiri klärt per Kopf im eigenen
Sechzehner
Fotos: Cib
SC Westfalia Herne - SC Fortuna Köln 2:3
(0:2)
Tore: 0:1 (22.) Kruth, 0:2 (37.) Dahmani,
1:2 (53.) Behrend, 1:3 (63.) Kruth, 2:3
(73.) Barton.
SCW: Lindenblatt - Barton, Mustroph, Eisen,
Kilian (81. Gidaszewski) - Allali, Gebauer -
Tahiri, Badur - Onucka (46.) Behrend, Setzke
(46. Oerterer).
Köln: Möllering - Maaßen, Mimbala (68.
Höffgen), Halili, Gran (46. Malsch) - Khan,
Hoffmann, Blankenheim (84. Stasiulewski),
Dahmani - Kruth, Bably.
SR: Andreas Steffens (Mechernich).
Zuschauer: 300.
von Wolfgang Volmer
Trainerstimmen:
Matthias Mink
(Köln): Wir haben eine lange Durststrecke
hinter uns mit vielen komischen Spielen und
sind froh, dass wir aus Herne was mitnehmen
können, womit wir nicht zwingend rechnen
konnten. In der ersten Halbzeit haben wir
ein ordentliches Spiel gemacht. Wir standen
ganz gut und haben verdientermaßen 2:0
geführt. Dass Fußball auch Kopfsache ist,
hat man an der zweiten Halbzeit gemerkt, als
unsere Spieler ohne das nötige
Selbstvertrauen auf den Platz gingen. So
kriegt man dann ein Tor und gerät ins
Schwimmen.
Frank Schulz (SCW): Eine lange
Durststrecke haben wir auch, nur noch nicht
hinter uns. Der Mannschaft kann ich heute
gerade für die zweite Halbzeit keinen
Vorwurf machen. In Gegensatz zu den letzten
Spielen hatte ich das Gefühl, dass sie
unbedingt wollte. Schade, dass sie nicht
durch den verdienten Ausgleich belohnt
wurde.
Kaderplanung:
Bautz will bleiben, Seidel kommen
Die Bereitschaft der derzeitigen SCW-Spieler
ist groß, auch zu deutlich geringeren
Bezügen für Herne zu kicken. Das ergaben
erste Gespräche, die Timur Camci und Frank
Schulz führten. Einer derer, die gern
bleiben würden, ist Oliver Bautz. "So will
ich mich hier nicht verabschieden", sagte
der Torwart. Einer, der gern wiederkommen
würde, ist Norman Seidel. Die "Klette" war
gestern erneut im Stadion.