Westfalia
holt beim Aufsteiger einen frühen
0:3-Rückstand auf und hat sogar Siegchancen,
gerät in der Schlussphase aber erneut ins
Hintertreffen. Jugendspieler Sven Jubt
trifft zweimal.
Wenn die Saison zu Ende geht, wird das
Verrückte normal. So wie dieses 5:3 der als
Aufsteiger feststehenden Fortunen gegen eine
Westfalia, die lieber heute als morgen zur
Abschlussfahrt nach Gran Canaria starten
würde.
Anfangs schien es, als müssten die Herner
eine ganz derbe Packung mit nach Hause
nehmen. Nach 15 Minuten hatte André
Lindenblatt bereits dreimal den Ball aus dem
Netz geklaubt. Dabei entfachte die „Zwote”,
wie sie in der Landeshauptstadt genannt
wird, keinen orkanartigen Sturm, der die
Herner Deckung einfach hinweg gefegt hätte.
Vielmehr nahm sie kleine chirurgische
Eingriffe vor, untersuchte die schwerfällige
Abwehr auf ihre Standfestigkeit, um sie dann
mit sauberen, schnellen Schnitten zu
sezieren.
Beim 1:0 nahm Erhan Zent an der Mittellinie
Arben Tahiris Fehlpass auf und startete
leichtfüßig ein Solo, das er frei vor
Lindenblatt aus 14 Metern abschloss. Erkan
Aris Gedankenblitz und sein Schlenzer in den
Rücken der Innenverteidigung ebneten dem
überragenden Ben Abelski den Weg zum 2:0,
das 3:0 markierte Ari mit feiner
Einzelleistung selbst.
Bis dahin spielte Fortuna meisterlich, Herne
wie eine Altherrenmannschaft. Was sich
alsbald gründlich änderte. Nachdem sie
Chancen zum vierten und fünften Tor
verbaselt hatten, war von den Platzherren
nichts mehr zu sehen. Die Herner kämpften
sich in das fast verlorene Spiel hinein -
imponierend nach den Nackenschlägen der
letzten Zeit. Als Michael Baum per Kopf nach
einer Badur-Ecke und Sven Jubt nach
Vorarbeit von Tim Gebauer und Sven Barton
noch vor der Pause auf 2:3 verkürzten,
hatten sich die Jungs aus dem Pott auch auf
der Tribüne Respekt verschafft.

Das
1:3 durch Michael Baums Kopfball in der 41.
Minute
Nach Wiederbeginn waren die Gäste eindeutig
die Chefs im Paul-Janes-Stadion. Und wurden
durch Jugendspieler Jubt belohnt, der nach
Badurs Freistoß erneut den richtigen Riecher
hatte und seine Knipser-Qualität nachwies.

In der 70. Minute erzielt Sven Jubt
(verdeckt) das mittlerweile verdiente 3:3
Fotos: Cib
Wenig später
hatte Baum sogar die keineswegs unverdiente
4:3-Führung auf dem Fuß. Bei einigen Fans
hatte der Aufsteiger seinen Kredit
verspielt, man hörte sie maulen und meutern.
Bis Abelski mit einem technischen
Kabinettstückchen den Weg zum 4:3 durch
Marcel Gaus bahnte, dem der verwirrte Mirko
Mustroph noch ein kurioses Eigentor folgen
ließ.
„Schade, einen Punkt hätten wir mitnehmen
müssen”, meinte Co-Trainer Horst Albert.
Ähnlich sah es sein Chef. „Wir haben das
Spiel in den ersten 20 Minuten verloren. Der
Rest war absolut in Ordnung”, so Frank
Schulz.
Fortuna Düsseldorf II - SC Westfalia 04
Herne 5:3
Tore: 1:0 (5.) Zent, 2:0 (10.) Abelski, 3:0
(15.) Ari, 3:1 (41.) Baum, 3:2, 3:3 (45.,
70.) Jubt, 4:3 (78.) Gaus, 5:3 (81.)
Eigentor Mustroph.
Fortuna II: Schulze Niehues - van den Bergh,
Caspari, Altenbeck, Venekamp - Michalsky -
Zent (46. Gaus), Ari, Schmitz - Königs (64.
Walbaum), Abelski (84. Scheidemann).
SCW: Lindenblatt - Barton, Mustroph, Baum,
Eisen - Allali, Gebauer - Tahiri (87.
Oerterer), Badur - Jubt (74. Onucka), Setzke
(69. Behrend).
SR: Dennis Kraus (Baesweiler).
Zuschauer: 457.
von Wolfgang Volmer