Mission Titelverteidigung geglückt! Westfalia Herne sicherte sich den 1. Platz beim 5. Mitternachtscup in Herten - aber es war ein schwieriger Weg dorthin.

Gewinner des 5. Mitternachts-Cups: SC Westfalia 04 Herne
Foto: InfoSchlumpf
Vorrunde:
Das Turnier ist ein Phänomen: Das "Who-ist-who"
des Amateurfußballs trifft sich Jahr für
Jahr zwischen Weihnachten und Neujahr in der
Hertener Rosa-Parks-Gesamtschule. Und nicht
nur die Aktiven pilgern an die
Fritz-Erler-Straße, auch die
Fußball-Anhänger: In der Nacht auf Silvester
kamen über 1.000 Zuschauer, Herten meldete
"ausverkauft"! Aber jetzt zum sportlichen
Geschehen.
A: Gruppe GelsenTrabPark
SpVgg. Erkenschwick
FC 96 Recklinghausen
SV Herbede
SV Horst-Emscher 08
Gleich drei Westfalenligisten tummelten sich
gemeinsam mit Bezirksliga-Vertreter SV
Horst-Emscher in Gruppe A. Die Spvgg
Erkenschwick, in der Meisterschaft derzeit
Tabellenführer, hatte anfangs die größten
Probleme. Gegen die Ligakonkurrenten FC 96
Recklinghausen (1:1) und SV Herbede (0:1)
gelang der Spvgg kein Sieg. Nach dem glatten
2:0 gegen Horst 08 sprang am Ende aber doch
noch Platz zwei heraus - ein standesgemäßes
Abschneiden des Teams von Jürgen Wielert.
Den besten Ball spielte aber der Konkurrent
aus Recklinghausen. In der Westfalenliga
sorgte das Aufeinandertreffen von FC 96 und
Erkenschwick vor einigen Wochen wegen eines
Recklinghäuser "Phantom-Tors" für jede Menge
Ärger - in Herten trennte man sich
schiedlich und vor allem friedlich 1:1.
Seine Mitternachtscup-Premiere feierte der
SV Herbede. Trainer Jörg Silberbach ließ es
sich nicht nehmen, selbst die Schuhe zu
schnüren - in die Endrunde mogelten sich die
Wittener aber eher als dass sie sich in
einen Rausch kickten. In die Röhre guckte
deshalb der SV Horst Emscher 08,
Turnier-Debütant im Vorjahr. Das Team von
Klaus Schmidtchen schlug sich achtbar,
konnte an die tolle Überraschungs-Leistung
vor einem Jahr aber nicht anknüpfen. An den
Fans lag es nicht. Neben den "Schwickern"
sorgten die Zuschauer aus Horst für
ordentlich Stimmung auf den Rängen.
18:00 Spvgg Erkenschwick - FC 96
Recklinghausen 1:1
18:15 SV Herbede - SV Horst-Emscher 08 2:4
19:30 Spvgg Erkenschwick - SV Herbede 0:1
19:45 FC 96 Recklinghausen - SV
Horst-Emscher 08 3:0
21:00 Spvgg Erkenschwick - SV Horst-Emscher
08 2:0
21:15 FC 96 Recklinghausen - SV Herbede 2:1
Tabelle:
1 FC RE 96 6:2 7
2 SpVgg. E'schwick 3:2 4
3 SV Herbede 4:6 3
4 SV Horst 08 4:7 3
B: Gruppe Sportinho
Westfalia Herne
SSV Buer
SC Hassel 1919
DJK SpVgg. Herten
In der Gruppe B traf Gastgeber DJK SpVgg
Herten durchweg auf klassenhöhere Teams.
Nachdem Westfalenligist SC Hassel noch eine
Nummer zu groß war, gab es gegen die SSV
Buer einen überzeugenden 4:0–Erfolg. Der
reichte den Gastgebern am Ende zur kleinen
Sensation: Als bester Gruppendritter zog das
Team von Arno Stockhausen in die K.O.-Runde
ein. „ Im ersten Spiel waren wir noch nicht
ganz da, aber der Sieg gegen Buer war
hochverdient, da waren wir in allen Belangen
überlegen. Auch gegen Herne sahen wir lange
gut aus“, fasste er die Ergebnisse der
Vorrunde zusammen. „Besonders freut mich,
dass wir als letzter Verein aus Herten die
Fahne in der K.O.-Runde hochhalten“,
strahlte der Trainer des Bezirksligisten.
„Jetzt geht es zwar gegen Hüls, aber warum
sollen wir nicht da auch für einie
Überraschung sorgen? Das wäre sensationell“,
hoffte er darauf, noch länger vom
Heimvorteil zu profitieren.
Apropos Buer. Die Mannschaft von Hansi
Herget macht ihrem Ruf als gutes Hallenteam
- immerhin ist der Landesligist
Hallenstadtmeister in Gelsenkirchen - keine
Ehre. Nach der schmerzvollen Niederlage im
Derby gegen den SC Hassel stand fest, dass
die rot-weiß gekleideten Kicker nicht nur
ohne Punkt, sondern auch ohne eigenen
Treffer nach Hause reisen mussten. Doch
Trainer Herget war darüber nicht besonders
enttäuscht. „Wir hatten einige Verletzte,
gerade ein paar Hallenspezialisten haben uns
gefehlt, deshalb kam das nicht
überraschend“, konnte der Coach schmunzeln.
Er verteilte sogar noch Komplimente:
„Respekt vor Gastgeber Herten, die haben
gegen uns einen richtig starken Auftritt
gezeigt.“ Noch besser gefiel ihm ein anderes
Team. „Der Favorit heißt für mich jetzt FC
96 Recklinghausen, die haben einen super
Ball gespielt“, war sein Eindruck nach der
Hinrunde.
Hassel-Coach Michael Dier war nach dem
geglückten Start in die Vorrunde schon recht
zufrieden. "Das 2:0 gegen den Gastgeber tut
schon einmal gut", befand der Linienchef des
Gelsenkirchener Mitternachtscup-Stammgastes.
"Von einem gelungenen Jahresabschluss will
ich aber erst sprechen, wenn wir uns heute
erfolgreich verkaufen." Den konnte der SCH
auf jeden Fall verbuchen, schließlich zog
man nur gegen Westfalia Herne den Kürzeren.
Der Titelverteidiger spazierte fast durch
die Vorrunde, überstand die Gruppenphase
ohne Gegentor. Der NRW-Ligist macht in allen
Vorrundenspielen klar: Der mit 700 Euro
dotierte erste Platz führt nur über den SCW.
18:30 SC Westfalia Herne - SSV Buer
2:0
18:45 SC Hassel 1919 - DJK SpVgg. Herten 2:0
20:00 SC Westfalia Herne - SC Hassel
1919 2:0
20:15 SSV Buer - DJK SpVgg. Herten 0:4
21:30 SC Westfalia Herne - DJK SpVgg.
Herten 1:0
21:45 SSV Buer - SC Hassel 1919 0:2
Tabelle:
1 Westfalia Herne 5:0 9
2 SC Hassel 4:2 6
3 Spvgg. Herten 4:3 3
4 SSV Buer 0:8 0
C: Gruppe RevuePalast Ruhr
VfB Hüls
SV Dorsten Hardt
SG Langenbochum
SV Vestia Disteln
Am Ende nützte die ganze Rechnerei nichts:
Die SG Langenbochum war nach der Vorrunde
der Tabellendritte, der mit leeren Händen da
stand. Zwei torlose Remis und eine
erwartungsgemäße, aber knappe Niederlage
gegen Hüls reichten nicht zum Weiterkommen.
Insofern erinnerten die Ergebnisse des
Kostzrewa-Teams schon fast an die
Meisterschaft.
Die SG will in der Landesliga bleiben - der
SV Vestia Disteln möchte eben dort hin. Das
Abschneiden des Klassenprimus der
Bezirksliga 12 war deshalb schon fast eine
kleine Enttäuschung. Die Mannschaft von
Holger Flossbach erreichte zwar auch zwei
Unentschieden, die Packung gegen Hüls machte
jedoch einen dicken Strich durch die
Rechnung der Lokalmatadoren.
Von Spiel zu Spiel steigerte sich der
angesprochene Klub aus Marl. „Das kann man
so sagen“, nickte „Boss“ Horst Darmstädter.
„Bis eben war ich etwas enttäuscht, aber das
hat sich gerade geändert", lachte das
Urgestein vom Badeweiher und spielte auf den
5:0-Erfolg gegen Disteln an. In dieser Form
war seine Mannschaft auch für den
Vereinsobersten ein Titelkandidat. „Wir sind
schließlich NRW-Ligist, da dürfen wir ruhig
Ansprüche anmelden“, war Darmstädters
Überzeugung vor der K-O.-Runde. „Alles
andere wäre doch feige!“
Dass man auch ohne Sieg Tabellenzweiter
werden kann, zeigte der Vorjahresfinalist.
Der SV Dorsten-Hardt kam zwar ohne Trainer
Martin Schmidt nach Herten, setzte aber ganz
wie in der Landesliga auf eine stabile
Defensive. Warum auch nicht? Führte es doch
genau wie in der Meisterschaft zum Erfolg.
19:00 VfB Hüls - SV Dorsten-Hardt 1:1
19:15 SG Langenbochum - SV Vestia Disteln
0:0
20:30 VfB Hüls - SG Langenbochum 2:1
20:45 SV Dorsten-Hardt - SV Vestia Disteln
1:1
22:00 VfB Hüls - SV Vestia Disteln 5:0
22:15 SV Dorsten-Hardt - SG Langenbochum 0:0
Tabelle:
1 VfB Hüls 8:2 7
2 SV Dorsten-Hardt 2:2 3
3 SG L'bochum 1:2 2
4 SV Vestia Disteln 1:6 2
Die Endrunde
Nach den überzeugenden Vorstellungen in der
Gruppenphase war der FC 96 ein Kandidat für
den Titel - da waren sich alle Anwesenden
einig. Doch gegen den SC Hassel war
Endstation, die Gelsenkirchener waren den
Tick kaltschnäuziger. "In der Halle machen
Kleinigkeiten den Unterschied aus, das kann
ganz schnell gehen", erklärte Peter Anders.
Deshalb war dar Coach der Recklinghäuser
auch nicht enttäuscht, dass es nicht zur
Runde der letzten Vier reichte. "Die
Mannschaft hat heute gut gespielt. Und das
Turnier gefällt mir super, hier herrscht
dank der Fans eine tolle Atmosphäre", hatte
er trotz der 0:2-Pleite noch ein paar warme
Worte parat.
Es folgte das Duell "David gegen Goliath" -
schließlich trennen den VfB Hüls und die
Spvgg. Herten immerhin drei Klassen. Der
Underdog zog sich achtbar aus der Affäre,
ließ genau wie gegen Herne, ebenfalls
NRW-Ligist, nur einen Gegentreffer zu. Aber
eiskalt wie der Badeweiher an Silvester
schlug der VfB zu und ließ den Traum der
Gastgeber platzen.
Das dramatische Duell zwischen Herne und
Herbede war das Highlight dieser Runde.
Zwischen SCH und SVH ging es hin und her und
etwas überraschend ging der Westfalenligist
in Führung. Doch der Favorit kam zurück,
machte sogar das 2:1. Wenig später drückte
aber Frank Wondra den Ball zum Herbeder
Ausgleich über die Linie von Christopher
Ditterle. Als alle schon mit dem
Neunmeterschießen rechneten, fiel doch noch
die Entscheidung: Ercan Kacar erlöste den
Titelverteidiger 20 Sekunden vor Schluss und
buchte das Vorschlussrunden-Ticket.
Spielerisch kam das Aufeinandertreffen von
Erkenschwick und Dorsten-Hardt da nicht mit.
Anstelle von feinen Tricks und schönen Toren
wurde Rustikales geboten. Das folgerichtige
Ergebnis nach zehn Minuten: 0:0. Es hieß
also Neunmeterschießen - und es sollte die
Stunde der Torhüter schlagen. Wie im Spiel
zuvor wollten beide Schlussmänner offenbar
nichts auf ihre weiße Weste kommen lassen.
Sowohl Christian Götz (Erkenschwick) als
auch Matthias Gottschalk (Dorsten-Hardt)
parierten gleich drei von fünf Versuchen vom
Punkt. Schließlich jubelte aber der
Landesligist, denn den entscheidenden
Penalty setzte Erkenschwick daneben.
Viertelfinale:
22:30 FC 96 Recklinghausen - SC Hassel 0:2
22:45 VfB Hüls - Spvgg. Herten 1:0
23:00 Westfalia Herne - SV Herbede
3:2
23:15 SpVgg. Erkenschwick - SV Dorsten-Hardt
1:2 n. N. (0:0)
Wie schon im Vorjahr wurde es nichts mit
einer Finalteilnahme für Hüls. Der
unheimlich disziplinierte SC Hassel kaufte
dem klassenhöheren VfB in einer engen Partie
den Schneid ab. Dem 1:0-Treffer für die
Gelsenkirchener von Patrick Draxler hatte
der NRW-Ligist nichts mehr entgegen zu
setzen. Obwohl so ganz stimmt das nicht:
Genau elf Sekunden vor Schluss hatten schon
etliche Zuschauer den Torschrei auf den
Lippen. Doch Hüls' Markus Krawietz traf
nicht in die Maschen, sondern nur den
Innenpfosten - mit hängenden Häuptern
schlichen daraufhin die Marler vom Feld.
"Das Kommen hat sich trotzdem gelohnt",
bilanzierte Coach Klaus Täuber. Der "Boxer"
war nicht nur mit dem Abschneiden seines
Teams, sondern auch dem ganzen Abend
einverstanden. "Ein Bomben-Turnier. Noch
besser würde es mir aber mit einer Bande
rundherum gefallen. Das wäre perfekter
Budenzauber."
Der Endspielgegner musste im zweiten
Neunmeterschießen des Abends ermittelt
werden. Dorsten-Hardt stemmte sich
erfolgreich gegen den Herner Ansturm und
rang dem Vorjahressieger ein 1:1 nach der
regulären Spielzeit ab. Es waren also wieder
einmal die Keeper gefragt. Und diesmal war
nicht Gottschalk der Mann, der die
Entscheidung besorgte, sondern sein
Gegenüber Ditterle der umjubelte Held. Er
parierte zwei Strafstöße und wurde von dem
Herner Anhang mit "Ditterle"-Sprechchören
gefeiert.
Halbfinale:
23:30 SC Hassel - VfB Hüls 1:0
23:45 Westfalia Herne - SV
Dorsten-Hardt 4:3 n. N. (1:1)
Drei Minuten nach Mitternacht dann der große
Moment: Zu den Klängen der "Champions League"-Hymne
liefen die Finalteilnehmer ein.
Torraumszenen blieben allerdings erst einmal
Mangelware. Das Führungstor für Herne fiel
denn auch kurios: Norman Seidel sah, dass
Hassel-Keeper Sören Stauder zu weit vor
seinem Kasten stand und überlupfte ihn per
Kopf (4. Minute) - von der Mittellinie! Drei
Minuten später sorgte Mirko Urban dann für
die Entscheidung. Der SC Hassel rannte,
kämpfte und biss. Aber es half alles nichts,
die Uhr tickte unerbittlich herunter - bis
die Sirene zum letzten Mal an diesem Abend
ertönte. Und dann stand es fest: Der SC
Westfalia Herne beendet eines der
schwierigsten Jahre der Vereinsgeschichte
mit der Titelverteidigung beim 5.
Kick-mit-Schmidt-Mitternachtscup in Herten!
Wenig später wurde ein verdutzter SCW-Kicker
noch als bester Spieler des Turniers
ausgezeichnet. Kacar konnte es kaum fassen:
"Damit habe ich nun wirklich überhaupt nicht
gerechnet", grinste er mit dem goldenen
Schuh in der Hand. Mit dem Titel seiner
Mannschaft schon eher: "Wir haben im Finale
wirklich gut gespielt, die Zweikämpfe
gewonnen - deshalb kam Hassel nicht richtig
zur Entfaltung."
Ähnlich sah es Keeper Ditterle: "Dass wir
den Titel verteidigt haben, ist wirklich
schön - schließlich gilt das als besonders
schwierig. Der schwerste Brocken war das
Halbfinale gegen Dorsten-Hardt. Die haben
uns einiges abverlangt!" Der Thron hat zwar
gewackelt - aber der SCW sitzt für ein
weiteres Jahr darauf. Um beim 6.
Mitternachtscup heißt das Unternehmen dann
"Herne will den Titel-Hattrick"!
Finale:
0:00 SC Hassel - Westfalia Herne 0:2
Elmar Redemann/Stefan Schinken
Quelle:
RevierSport