PRESSE

Mitternachts-Cup 09: Der neue Sieger ist der alte: Herne!
 

02.01.10

Mission Titelverteidigung geglückt! Westfalia Herne sicherte sich den 1. Platz beim 5. Mitternachtscup in Herten - aber es war ein schwieriger Weg dorthin.


Gewinner des 5. Mitternachts-Cups: SC Westfalia 04 Herne                                                                Foto: InfoSchlumpf

Vorrunde:

Das Turnier ist ein Phänomen: Das "Who-ist-who" des Amateurfußballs trifft sich Jahr für Jahr zwischen Weihnachten und Neujahr in der Hertener Rosa-Parks-Gesamtschule. Und nicht nur die Aktiven pilgern an die Fritz-Erler-Straße, auch die Fußball-Anhänger: In der Nacht auf Silvester kamen über 1.000 Zuschauer, Herten meldete "ausverkauft"! Aber jetzt zum sportlichen Geschehen.

A: Gruppe GelsenTrabPark
SpVgg. Erkenschwick
FC 96 Recklinghausen
SV Herbede
SV Horst-Emscher 08

Gleich drei Westfalenligisten tummelten sich gemeinsam mit Bezirksliga-Vertreter SV Horst-Emscher in Gruppe A. Die Spvgg Erkenschwick, in der Meisterschaft derzeit Tabellenführer, hatte anfangs die größten Probleme. Gegen die Ligakonkurrenten FC 96 Recklinghausen (1:1) und SV Herbede (0:1) gelang der Spvgg kein Sieg. Nach dem glatten 2:0 gegen Horst 08 sprang am Ende aber doch noch Platz zwei heraus - ein standesgemäßes Abschneiden des Teams von Jürgen Wielert.

Den besten Ball spielte aber der Konkurrent aus Recklinghausen. In der Westfalenliga sorgte das Aufeinandertreffen von FC 96 und Erkenschwick vor einigen Wochen wegen eines Recklinghäuser "Phantom-Tors" für jede Menge Ärger - in Herten trennte man sich schiedlich und vor allem friedlich 1:1.

Seine Mitternachtscup-Premiere feierte der SV Herbede. Trainer Jörg Silberbach ließ es sich nicht nehmen, selbst die Schuhe zu schnüren - in die Endrunde mogelten sich die Wittener aber eher als dass sie sich in einen Rausch kickten. In die Röhre guckte deshalb der SV Horst Emscher 08, Turnier-Debütant im Vorjahr. Das Team von Klaus Schmidtchen schlug sich achtbar, konnte an die tolle Überraschungs-Leistung vor einem Jahr aber nicht anknüpfen. An den Fans lag es nicht. Neben den "Schwickern" sorgten die Zuschauer aus Horst für ordentlich Stimmung auf den Rängen.

18:00 Spvgg Erkenschwick - FC 96 Recklinghausen 1:1
18:15 SV Herbede - SV Horst-Emscher 08 2:4
19:30 Spvgg Erkenschwick - SV Herbede 0:1
19:45 FC 96 Recklinghausen - SV Horst-Emscher 08 3:0
21:00 Spvgg Erkenschwick - SV Horst-Emscher 08 2:0
21:15 FC 96 Recklinghausen - SV Herbede 2:1

Tabelle:

1 FC RE 96 6:2 7
2 SpVgg. E'schwick 3:2 4
3 SV Herbede 4:6 3
4 SV Horst 08 4:7 3


B: Gruppe Sportinho
Westfalia Herne
SSV Buer
SC Hassel 1919
DJK SpVgg. Herten

In der Gruppe B traf Gastgeber DJK SpVgg Herten durchweg auf klassenhöhere Teams. Nachdem Westfalenligist SC Hassel noch eine Nummer zu groß war, gab es gegen die SSV Buer einen überzeugenden 4:0–Erfolg. Der reichte den Gastgebern am Ende zur kleinen Sensation: Als bester Gruppendritter zog das Team von Arno Stockhausen in die K.O.-Runde ein. „ Im ersten Spiel waren wir noch nicht ganz da, aber der Sieg gegen Buer war hochverdient, da waren wir in allen Belangen überlegen. Auch gegen Herne sahen wir lange gut aus“, fasste er die Ergebnisse der Vorrunde zusammen. „Besonders freut mich, dass wir als letzter Verein aus Herten die Fahne in der K.O.-Runde hochhalten“, strahlte der Trainer des Bezirksligisten. „Jetzt geht es zwar gegen Hüls, aber warum sollen wir nicht da auch für einie Überraschung sorgen? Das wäre sensationell“, hoffte er darauf, noch länger vom Heimvorteil zu profitieren.

Apropos Buer. Die Mannschaft von Hansi Herget macht ihrem Ruf als gutes Hallenteam - immerhin ist der Landesligist Hallenstadtmeister in Gelsenkirchen - keine Ehre. Nach der schmerzvollen Niederlage im Derby gegen den SC Hassel stand fest, dass die rot-weiß gekleideten Kicker nicht nur ohne Punkt, sondern auch ohne eigenen Treffer nach Hause reisen mussten. Doch Trainer Herget war darüber nicht besonders enttäuscht. „Wir hatten einige Verletzte, gerade ein paar Hallenspezialisten haben uns gefehlt, deshalb kam das nicht überraschend“, konnte der Coach schmunzeln. Er verteilte sogar noch Komplimente: „Respekt vor Gastgeber Herten, die haben gegen uns einen richtig starken Auftritt gezeigt.“ Noch besser gefiel ihm ein anderes Team. „Der Favorit heißt für mich jetzt FC 96 Recklinghausen, die haben einen super Ball gespielt“, war sein Eindruck nach der Hinrunde.

Hassel-Coach Michael Dier war nach dem geglückten Start in die Vorrunde schon recht zufrieden. "Das 2:0 gegen den Gastgeber tut schon einmal gut", befand der Linienchef des Gelsenkirchener Mitternachtscup-Stammgastes. "Von einem gelungenen Jahresabschluss will ich aber erst sprechen, wenn wir uns heute erfolgreich verkaufen." Den konnte der SCH auf jeden Fall verbuchen, schließlich zog man nur gegen Westfalia Herne den Kürzeren.

Der Titelverteidiger spazierte fast durch die Vorrunde, überstand die Gruppenphase ohne Gegentor. Der NRW-Ligist macht in allen Vorrundenspielen klar: Der mit 700 Euro dotierte erste Platz führt nur über den SCW.

18:30 SC Westfalia Herne - SSV Buer 2:0
18:45 SC Hassel 1919 - DJK SpVgg. Herten 2:0
20:00 SC Westfalia Herne - SC Hassel 1919 2:0
20:15 SSV Buer - DJK SpVgg. Herten 0:4
21:30 SC Westfalia Herne - DJK SpVgg. Herten 1:0
21:45 SSV Buer - SC Hassel 1919 0:2

Tabelle:

1 Westfalia Herne 5:0 9
2 SC Hassel 4:2 6
3 Spvgg. Herten 4:3 3
4 SSV Buer 0:8 0


C: Gruppe RevuePalast Ruhr
VfB Hüls
SV Dorsten Hardt
SG Langenbochum
SV Vestia Disteln

Am Ende nützte die ganze Rechnerei nichts: Die SG Langenbochum war nach der Vorrunde der Tabellendritte, der mit leeren Händen da stand. Zwei torlose Remis und eine erwartungsgemäße, aber knappe Niederlage gegen Hüls reichten nicht zum Weiterkommen. Insofern erinnerten die Ergebnisse des Kostzrewa-Teams schon fast an die Meisterschaft.

Die SG will in der Landesliga bleiben - der SV Vestia Disteln möchte eben dort hin. Das Abschneiden des Klassenprimus der Bezirksliga 12 war deshalb schon fast eine kleine Enttäuschung. Die Mannschaft von Holger Flossbach erreichte zwar auch zwei Unentschieden, die Packung gegen Hüls machte jedoch einen dicken Strich durch die Rechnung der Lokalmatadoren.

Von Spiel zu Spiel steigerte sich der angesprochene Klub aus Marl. „Das kann man so sagen“, nickte „Boss“ Horst Darmstädter. „Bis eben war ich etwas enttäuscht, aber das hat sich gerade geändert", lachte das Urgestein vom Badeweiher und spielte auf den 5:0-Erfolg gegen Disteln an. In dieser Form war seine Mannschaft auch für den Vereinsobersten ein Titelkandidat. „Wir sind schließlich NRW-Ligist, da dürfen wir ruhig Ansprüche anmelden“, war Darmstädters Überzeugung vor der K-O.-Runde. „Alles andere wäre doch feige!“

Dass man auch ohne Sieg Tabellenzweiter werden kann, zeigte der Vorjahresfinalist. Der SV Dorsten-Hardt kam zwar ohne Trainer Martin Schmidt nach Herten, setzte aber ganz wie in der Landesliga auf eine stabile Defensive. Warum auch nicht? Führte es doch genau wie in der Meisterschaft zum Erfolg.

19:00 VfB Hüls - SV Dorsten-Hardt 1:1
19:15 SG Langenbochum - SV Vestia Disteln 0:0
20:30 VfB Hüls - SG Langenbochum 2:1
20:45 SV Dorsten-Hardt - SV Vestia Disteln 1:1
22:00 VfB Hüls - SV Vestia Disteln 5:0
22:15 SV Dorsten-Hardt - SG Langenbochum 0:0

Tabelle:

1 VfB Hüls 8:2 7
2 SV Dorsten-Hardt 2:2 3
3 SG L'bochum 1:2 2
4 SV Vestia Disteln 1:6 2


Die Endrunde

Nach den überzeugenden Vorstellungen in der Gruppenphase war der FC 96 ein Kandidat für den Titel - da waren sich alle Anwesenden einig. Doch gegen den SC Hassel war Endstation, die Gelsenkirchener waren den Tick kaltschnäuziger. "In der Halle machen Kleinigkeiten den Unterschied aus, das kann ganz schnell gehen", erklärte Peter Anders. Deshalb war dar Coach der Recklinghäuser auch nicht enttäuscht, dass es nicht zur Runde der letzten Vier reichte. "Die Mannschaft hat heute gut gespielt. Und das Turnier gefällt mir super, hier herrscht dank der Fans eine tolle Atmosphäre", hatte er trotz der 0:2-Pleite noch ein paar warme Worte parat.

Es folgte das Duell "David gegen Goliath" - schließlich trennen den VfB Hüls und die Spvgg. Herten immerhin drei Klassen. Der Underdog zog sich achtbar aus der Affäre, ließ genau wie gegen Herne, ebenfalls NRW-Ligist, nur einen Gegentreffer zu. Aber eiskalt wie der Badeweiher an Silvester schlug der VfB zu und ließ den Traum der Gastgeber platzen.

Das dramatische Duell zwischen Herne und Herbede war das Highlight dieser Runde. Zwischen SCH und SVH ging es hin und her und etwas überraschend ging der Westfalenligist in Führung. Doch der Favorit kam zurück, machte sogar das 2:1. Wenig später drückte aber Frank Wondra den Ball zum Herbeder Ausgleich über die Linie von Christopher Ditterle. Als alle schon mit dem Neunmeterschießen rechneten, fiel doch noch die Entscheidung: Ercan Kacar erlöste den Titelverteidiger 20 Sekunden vor Schluss und buchte das Vorschlussrunden-Ticket.

Spielerisch kam das Aufeinandertreffen von Erkenschwick und Dorsten-Hardt da nicht mit. Anstelle von feinen Tricks und schönen Toren wurde Rustikales geboten. Das folgerichtige Ergebnis nach zehn Minuten: 0:0. Es hieß also Neunmeterschießen - und es sollte die Stunde der Torhüter schlagen. Wie im Spiel zuvor wollten beide Schlussmänner offenbar nichts auf ihre weiße Weste kommen lassen. Sowohl Christian Götz (Erkenschwick) als auch Matthias Gottschalk (Dorsten-Hardt) parierten gleich drei von fünf Versuchen vom Punkt. Schließlich jubelte aber der Landesligist, denn den entscheidenden Penalty setzte Erkenschwick daneben.

Viertelfinale:

22:30 FC 96 Recklinghausen - SC Hassel 0:2
22:45 VfB Hüls - Spvgg. Herten 1:0
23:00 Westfalia Herne - SV Herbede 3:2
23:15 SpVgg. Erkenschwick - SV Dorsten-Hardt 1:2 n. N. (0:0)


Wie schon im Vorjahr wurde es nichts mit einer Finalteilnahme für Hüls. Der unheimlich disziplinierte SC Hassel kaufte dem klassenhöheren VfB in einer engen Partie den Schneid ab. Dem 1:0-Treffer für die Gelsenkirchener von Patrick Draxler hatte der NRW-Ligist nichts mehr entgegen zu setzen. Obwohl so ganz stimmt das nicht: Genau elf Sekunden vor Schluss hatten schon etliche Zuschauer den Torschrei auf den Lippen. Doch Hüls' Markus Krawietz traf nicht in die Maschen, sondern nur den Innenpfosten - mit hängenden Häuptern schlichen daraufhin die Marler vom Feld. "Das Kommen hat sich trotzdem gelohnt", bilanzierte Coach Klaus Täuber. Der "Boxer" war nicht nur mit dem Abschneiden seines Teams, sondern auch dem ganzen Abend einverstanden. "Ein Bomben-Turnier. Noch besser würde es mir aber mit einer Bande rundherum gefallen. Das wäre perfekter Budenzauber."

Der Endspielgegner musste im zweiten Neunmeterschießen des Abends ermittelt werden. Dorsten-Hardt stemmte sich erfolgreich gegen den Herner Ansturm und rang dem Vorjahressieger ein 1:1 nach der regulären Spielzeit ab. Es waren also wieder einmal die Keeper gefragt. Und diesmal war nicht Gottschalk der Mann, der die Entscheidung besorgte, sondern sein Gegenüber Ditterle der umjubelte Held. Er parierte zwei Strafstöße und wurde von dem Herner Anhang mit "Ditterle"-Sprechchören gefeiert.

Halbfinale:

23:30 SC Hassel - VfB Hüls 1:0
23:45 Westfalia Herne - SV Dorsten-Hardt 4:3 n. N. (1:1)


Drei Minuten nach Mitternacht dann der große Moment: Zu den Klängen der "Champions League"-Hymne liefen die Finalteilnehmer ein. Torraumszenen blieben allerdings erst einmal Mangelware. Das Führungstor für Herne fiel denn auch kurios: Norman Seidel sah, dass Hassel-Keeper Sören Stauder zu weit vor seinem Kasten stand und überlupfte ihn per Kopf (4. Minute) - von der Mittellinie! Drei Minuten später sorgte Mirko Urban dann für die Entscheidung. Der SC Hassel rannte, kämpfte und biss. Aber es half alles nichts, die Uhr tickte unerbittlich herunter - bis die Sirene zum letzten Mal an diesem Abend ertönte. Und dann stand es fest: Der SC Westfalia Herne beendet eines der schwierigsten Jahre der Vereinsgeschichte mit der Titelverteidigung beim 5. Kick-mit-Schmidt-Mitternachtscup in Herten!

Wenig später wurde ein verdutzter SCW-Kicker noch als bester Spieler des Turniers ausgezeichnet. Kacar konnte es kaum fassen: "Damit habe ich nun wirklich überhaupt nicht gerechnet", grinste er mit dem goldenen Schuh in der Hand. Mit dem Titel seiner Mannschaft schon eher: "Wir haben im Finale wirklich gut gespielt, die Zweikämpfe gewonnen - deshalb kam Hassel nicht richtig zur Entfaltung."

Ähnlich sah es Keeper Ditterle: "Dass wir den Titel verteidigt haben, ist wirklich schön - schließlich gilt das als besonders schwierig. Der schwerste Brocken war das Halbfinale gegen Dorsten-Hardt. Die haben uns einiges abverlangt!" Der Thron hat zwar gewackelt - aber der SCW sitzt für ein weiteres Jahr darauf. Um beim 6. Mitternachtscup heißt das Unternehmen dann "Herne will den Titel-Hattrick"!

Finale:

0:00 SC Hassel - Westfalia Herne 0:2
 

Elmar Redemann/Stefan Schinken

Quelle: RevierSport
 

Bilderstrecke RevierSport

Fotoalbum von InfoSchlumpf
 

 

© SC Westfalia 04 Herne e.V. 2010