Eigentlich ist es viel zu früh, die Saison
locker ausklingen zu lassen. Das meinen
jedenfalls die Fans, das meint auch Klaus
Täuber, der neue Herner Trainer. Und weil
man den „Boxer“ als offen und geradeheraus
kennt, wird er mit seinen Jungs nach der
Nullnummer gegen Schlusslicht Sprockhövel
Klartext reden, sie an ihrer Fußballerehre
packen und an ihre Pflichten gegenüber dem
Verein erinnern. Zumal sich die Spieler mit
ihrer öffentlichen Kritik an der
Vereinsführung angreifbar gemacht haben.
Gewiss kann man der Westfalia nicht
vorwerfen, bewusst den Schongang eingelegt
zu haben. Allerdings vermisste man von
Beginn an die letzte Konsequenz, den
unbedingten Willen, den Sieg gegen einen
defensiv eingestellten Gegner zu erzwingen.
Die Herner hatten zwar gefühlte 70 Prozent
Ballbesitz, schafften es aber nur selten,
richtig Tempo aufzunehmen und Druck
aufzubauen. Und weil sich beide Teams auch
noch zahllose Stockfehler leisteten — nicht
alle waren dem holprigen Rasen geschuldet –
war die Partie über weite Strecken so
spannend wie ein
Sonntagsnachmittags-Kaffeeklatsch bei der
Schwiegermutter.

Sprockhövels Keeper braucht nicht
einzugreifen. Der Ball ging daneben.
Foto: InfoSchlumpf
Möglicherweise hätte ein Törchen alles
geändert. Das aber fiel nicht. Nicht in der
18. Minute, als Mirko Urban, vom Fehler
eines Gegners überrascht, die Onucka-Flanke
knapp am Tor vorbeilenkte, nicht eine
Viertelstunde später, als Akpo nach dem
schönsten Herner Angriff über Andy Kluy und
Urban an TSG-Keeper Knieps scheiterte und
Marko Onucka den Nachschuss schlecht
platzierte. Und auch nicht Mitte der zweiten
Hälfte, als Onuckas Kopfball vom
Innenpfosten genau in Knieps’ fangbereiten
Händen prallte.
Das waren drei glasklare Möglichkeiten,
etliche weitere von minderem Kaliber kamen
hinzu. Zwischendurch aber gab’s reichlich
Leerlauf. Täuber versuchte alles, wechselte
sehr offensiv ein, als erst Julian Alasan,
dann auch Norman Seidel mit Zerrungen vom
Platz humpelten – der erlösende
Führungstreffer aber wollte einfach nicht
fallen.

Kein Durchkommen für Marko Onucka.
Foto: InfoSchlumpf
Nach und nach machte sich Resignation breit.
Die Herner schienen zu spüren, dass ihnen
das Glück an diesem sonnigen Nachmittag
einfach nicht hold war. Weil auch die Kräfte
schwanden, sparte man sich den einen oder
anderen Meter Laufarbeit. Und rief damit die
Gäste auf den Plan. Die gaben in den letzten
20 Minuten ihre Zurückhaltung auf, wurden
keck und kecker, und hätten mit etwas Glück
sogar alle drei Punkte abstauben können.
Zweimal war es der eingewechselte Selcuk
Gülec, der völlig freistehend hätte
einnetzen können. Doch mit seiner
Direktabnahme aus acht Metern verfehlte er
haarscharf das Tor (71.), und als er fein in
die Gasse geschickt wurde, versagten ihm vor
Olli Bautz die Nerven. Der SCW-Keeper blieb
lange stehen und lenkte den Schuss
schließlich per Fuß zur Ecke (80.).

Der gute Gästetorhüter vereitelt eine Chance
von Sven Jubt
Foto: Cib
Zu diesem Zeitpunkt ahnte Klaus Täuber
schon, dass ihm seine Mannschaft nicht beide
Wünsche würde erfüllen können: Den ersten
Sieg unter seiner Regie einzufahren, und
erstmals ein Spiel vollzählig zu beenden.
Letzteres klappte immerhin. „Andersherum
wäre es mir lieber gewesen“, gab Täuber
ehrlich zu.
SC Westfalia Herne - TSG Sprockhövel 0:0
Wolfgang Volmer
Quelle:
WAZ
Herne