PRESSE

Spannend wie ein Kaffeeklatsch
 

17.04.10

Eigentlich ist es viel zu früh, die Saison locker ausklingen zu lassen. Das meinen jedenfalls die Fans, das meint auch Klaus Täuber, der neue Herner Trainer. Und weil man den „Boxer“ als offen und geradeheraus kennt, wird er mit seinen Jungs nach der Nullnummer gegen Schlusslicht Sprockhövel Klartext reden, sie an ihrer Fußballerehre packen und an ihre Pflichten gegenüber dem Verein erinnern. Zumal sich die Spieler mit ihrer öffentlichen Kritik an der Vereinsführung angreifbar gemacht haben.

Gewiss kann man der Westfalia nicht vorwerfen, bewusst den Schongang eingelegt zu haben. Allerdings vermisste man von Beginn an die letzte Konsequenz, den unbedingten Willen, den Sieg gegen einen defensiv eingestellten Gegner zu erzwingen. Die Herner hatten zwar gefühlte 70 Prozent Ballbesitz, schafften es aber nur selten, richtig Tempo aufzunehmen und Druck aufzubauen. Und weil sich beide Teams auch noch zahllose Stockfehler leisteten — nicht alle waren dem holprigen Rasen geschuldet – war die Partie über weite Strecken so spannend wie ein Sonntagsnachmittags-Kaffeeklatsch bei der Schwiegermutter.


Sprockhövels Keeper braucht nicht einzugreifen. Der Ball ging daneben.                                              Foto: InfoSchlumpf

Möglicherweise hätte ein Törchen alles geändert. Das aber fiel nicht. Nicht in der 18. Minute, als Mirko Urban, vom Fehler eines Gegners überrascht, die Onucka-Flanke knapp am Tor vorbeilenkte, nicht eine Viertelstunde später, als Akpo nach dem schönsten Herner Angriff über Andy Kluy und Urban an TSG-Keeper Knieps scheiterte und Marko Onucka den Nachschuss schlecht platzierte. Und auch nicht Mitte der zweiten Hälfte, als Onuckas Kopfball vom Innenpfosten genau in Knieps’ fangbereiten Händen prallte.

Das waren drei glasklare Möglichkeiten, etliche weitere von minderem Kaliber kamen hinzu. Zwischendurch aber gab’s reichlich Leerlauf. Täuber versuchte alles, wechselte sehr offensiv ein, als erst Julian Alasan, dann auch Norman Seidel mit Zerrungen vom Platz humpelten – der erlösende Führungstreffer aber wollte einfach nicht fallen.


Kein Durchkommen für Marko Onucka.                                                                                                    Foto: InfoSchlumpf

Nach und nach machte sich Resignation breit. Die Herner schienen zu spüren, dass ihnen das Glück an diesem sonnigen Nachmittag einfach nicht hold war. Weil auch die Kräfte schwanden, sparte man sich den einen oder anderen Meter Laufarbeit. Und rief damit die Gäste auf den Plan. Die gaben in den letzten 20 Minuten ihre Zurückhaltung auf, wurden keck und kecker, und hätten mit etwas Glück sogar alle drei Punkte abstauben können. Zweimal war es der eingewechselte Selcuk Gülec, der völlig freistehend hätte einnetzen können. Doch mit seiner Direktabnahme aus acht Metern verfehlte er haarscharf das Tor (71.), und als er fein in die Gasse geschickt wurde, versagten ihm vor Olli Bautz die Nerven. Der SCW-Keeper blieb lange stehen und lenkte den Schuss schließlich per Fuß zur Ecke (80.).


Der gute Gästetorhüter vereitelt eine Chance von Sven Jubt                                                                                  Foto: Cib

Zu diesem Zeitpunkt ahnte Klaus Täuber schon, dass ihm seine Mannschaft nicht beide Wünsche würde erfüllen können: Den ersten Sieg unter seiner Regie einzufahren, und erstmals ein Spiel vollzählig zu beenden. Letzteres klappte immerhin. „Andersherum wäre es mir lieber gewesen“, gab Täuber ehrlich zu.


SC Westfalia Herne - TSG Sprockhövel 0:0


Wolfgang Volmer


Quelle: WAZ Herne

 

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