Natürlich ist das 0:4 in Speldorf nicht
abgehakt, natürlich belastet es die
Stimmung, nagt an der Laune. Erst am Sonntag
um 16.45 Uhr können Spieler und Trainer des
SC Westfalia dieses unschöne Kapitel
endgültig für beendet erklären. Dann
nämlich, wenn sie dem eigenen Publikum mit
einer engagierten Leistung gegen die SG
Wattenscheid 09 (15 Uhr, Schloss Strünkede)
bewiesen haben, dass Speldorf ein
Ausrutscher war – und nicht etwa Vorbote des
Verfalls einer Gemeinschaft, die sich in ein
paar Wochen in alle Winde zerstreut.
Genau danach sieht es derzeit nämlich aus.
Ungefähr die Hälfte des aktuellen Kaders
wird in der nächsten Spielzeit nicht mehr
für die Schlossherren kicken. Wirklich
überraschend kommt diese Zäsur nach einem
turbulenten Jahr nicht. Sie darf aber
keinesfalls als Alibi dienen, diese Saison
jetzt schon abzuhaken und den Schongang
einzulegen. „Das ist die Mannschaft ihren
Fans auch schuldig, dass sie bis zum Ende
Vollgas gibt“, sieht Trainer Klaus Täuber
darin eine Frage des Charakters. „Und von
dieser Einstellung gehe ich keinen Meter
ab.“
Viel Selbstkritik
Bislang hat er aber nicht unbedingt den
Verdacht, dass die Mannschaft nicht will.
„In Speldorf kam vieles zusammen. Viele
englische Wochen, etliche angeschlagene
Spieler, unglückliche Gegentore. Die meisten
Spieler waren danach schon ziemlich
selbstkritisch“, erwartet Täuber gegen
Wattenscheid wieder eine voll motivierte
Truppe.
Anders wird’s auch nicht gehen. Denn die
Derbys gegen den Nachbarn waren immer eng,
und diesmal steht für die Wattenscheider
besonders viel auf dem Spiel: Mindestens der
Klassenerhalt, wenn nicht gar die Existenz.
Denn ähnlich wie in Herne ist auch an der
Lohrheide das Geld chronisch knapp, und
regelmäßig funkt der Vorstand SOS. Da kann
ein Abstieg ganz schnell zum nächsten
Sargnagel werden.
Unter Trainer Marek Lesniak hat sich die SG
09 aber wieder ordentliche Perspektiven
erkämpft. Trotzdem braucht sie jeden Punkt -
auch beim SC Westfalia, bei dem erneut vier,
fünf Stammspieler verletzt auszufallen
drohen.
Wolfgang Volmer
Quelle:
WAZ
Herne