Ergebnisse lügen nicht, aber sie können
täuschen. „5:1 hört sich so an, als hätte
sich meine Mannschaft abschlachten lassen.
Aber so war es ganz und gar nicht“, war sich
Hernes Trainer Klaus Täuber mit seinem
Kollegen Thomas Stratos einig. „Vielmehr war
es über 75 Minuten ein völlig ausgeglichenes
Spiel, das durch Kleinigkeiten entschieden
wurde.“
Lange konnten sich die Gäste sogar auf der
Siegerstraße wähnen. Gleich in der fünften
Minute hatten sie den Spitzenreiter schocken
können, als Norman Seidel mit einem feinen
Pass in die Schnittstelle der Wiedenbrücker
Viererkette Marko Onucka auf die Reise
schickte, der frei vor Jonathan Mellwig die
Nerven behielt und zum 0:1 vollstreckte.
Die Hausherren ließen sich aber nicht nervös
machen. Gekonnt zogen sie ihr
Kombinationsspiel auf und stießen vor allem
über ihre linke Angriffsseite oft bis zur
Torauslinie vor, um dann mit Flanken auf den
kopfballstarken Dominik Jansen ihre Chance
zu suchen. Zunächst jedoch ohne Erfolg.
Meist räumten Nils Eisen und Co. im eigenen
Sechzehner ab, und wenn mal etwas aufs
Herner Tor kam, war Christopher Ditterle zur
Stelle. Viel fehlte nicht, und die
Täuber-Elf hätte ihre Führung sogar noch
ausgebaut. Doch ein abgefälschter Schuss von
Daniel Diaz senkte sich auf statt ins Tor,
und bei Kontern fehlte Abdou Ouro-Akpo und
Onucka mehrfach die Cleverness, um eine
Überzahlsituation konsequent auszuspielen.
Als sich viele Zuschauer bereits für das
Pausenbier anstellten, passierte es dann
doch: Goran Mikic und Ditterle grätschten
zum Ball, ein Wiedenbrücker kam zu Fall, und
Schiedsrichter Schäffner erkannte auf
Strafstoß. Eine Chance, die sich Jansen
nicht entgehen ließ. Zehn Minuten nach
Wiederbeginn durfte der beste Torjäger der
Liga dann erneut zur Exekution schreiten.
Tim Kilian war im Luftkampf gestoßen worden
und bekam den Ball an die Hand. Schäffner
kannte keine Gnade, und Jansen erst recht
nicht.
Die Herner aber wollten sich mit dem 1:2
nicht abfinden. Es entwickelte sich ein
offener Schlagabtausch mit Chancen auf
beiden Seiten. Akpo hatte nach einer
Urban-Flanke aus kürzester Distanz das 2:2
auf dem Kopf, im direkten Gegenzug fiel das
3:1. Damit war das Spiel entschieden. „Statt
den Ball dann zu kontrollieren, sind wir
ungestüm angerannt. Bis dahin hat sich die
Mannschaft sehr gut präsentiert“, ärgerte
sich Täuber nur über die Schlussphase, in
der aus einer ehrenvollen Niederlage eine
Klatsche wurde. Zahlenmäßig.
SC Wiedenbrück 2000 - SC Westfalia Herne 5:1
(1:1)
SC Wiedenbrück: Mellwig - Degelmann, John,
Kollmeier, Strickmann (79. Arslan) -
Rogowski, Remmert, Zodrow, Oesterhellweg
(64. Hop) - Jansen, Krause (45. Polder).
Westfalia Herne: Ditterle - Eisen, Mikic
(46. Köksal), Khimiri, Seidel (64. Jubt) -
Diaz, Urban, Gebauer, Kilian - Ouro-Akpo,
Onucka.
SR: Daniel Schächner (Duisburg)
Tore: 0:1 Onucka (15.), 1:1 Jansen (44.,
Foulelfmeter), 2:1 Jansen (55.
Handelfmeter), 3:1 Hop (76.), 4:1 Jansen
(78.), 5:1 Polder (83.).
Zuschauer: 518
Wolfgang Volmer
Quelle:
WAZ
Herne