Picken wir doch einmal das Positive aus
Westfalia-Sicht raus. Erstens: Der chronisch
klamme Club muss wieder einmal keine
Siegprämie rausrücken, erspart sich mithin
eine glatte Fehlinvestition. Zweitens, und
das völlig ironiefrei: Die Mannschaft muss
sich nicht den Vorwurf gefallen lassen, den
Abstiegskampf durch übergroße Passivität
verzerrt zu haben. Immerhin überließ sie
ihren Gästen nicht die dringend benötigten
drei Punkte. Und drittens: Die Saison ist in
zwei Wochen vorbei. Endlich.
Lange, viel zu lange schon dauert dieses
nervende Phase an, in der es für den SCW
faktisch um nichts anderes mehr geht, als
sein Gesicht zu wahren. Und das ist schon
ein verdammt hoher Anspruch an ein Team, das
sich Ende Mai in alle Winde zerstreut. Meint
auch Klaus Täuber, der sich dieser Tage
weniger als Fußballtrainer fühlt denn als
Motivator. „Aber zehn, fünfzehn Prozent
fehlen dann eben doch bei dem einen oder
anderen“, sehnt auch der „Boxer“ das Ende
der Spielzeit herbei.
Viel mehr kann Täuber derzeit nicht tun, als
auf seine Spieler einzureden, an ihre Ehre
zu appellieren und ihren Sportsgeist zu
beschwören. Mangels personeller Alternativen
stellt sich die Mannschaft fast von allein
auf. Auch gegen Hamm standen wieder acht
Spieler in der Anfangsformation, die dem
Verein mit großer Wahrscheinlichkeit den
Rücken kehren. Und dafür war die Leistung
nicht so übel.

Vor spärlicher Kulisse wechselten beim SCW
Licht und Schatten
Foto: InfoSchlumpf
Natürlich gab es auch Stockfehler, Pässe ins
Nirwana oder Nachlässigkeiten im
Zweikampfverhalten. Alles in allem aber
rollte der Ball recht gut durch die Herner
Reihen. Ihre spielerischen Nachteile machten
die Gäste durch mehr Gift und Galle jedoch
wett. So entwickelte sich eine zumindest
unterhaltsame Partie mit einer Fülle
prickelnder Torszenen.
Die erste Großchance der Gäste bereitete
Mirko Urban mit einem unüberlegten Rückpass
vor. Lanzendörfer roch den Braten,
scheiterte aber an Christopher Ditterle, der
reaktionsschnell die Fäuste hochriss und den
Schuss abwehrte. Drei Minuten später
klingelte es auf der Gegenseite. Von Urban
klug in die Gasse geschickt, umkurvte
Ouro-Akpo HSV-Keeper Niebuhr und traf aus
spitzem Winkel ins leere Tor (15.). Der
fleißige Faysel Khimiri, der eine
Diaz-Flanke aus des Luft nicht richtig traf
(18.), vor allem aber der von Tim Gebauer
bediente Marko Onucka (24.) verpassten es,
gleich das 2:0 nachzulegen – davon hätte
sich der Abstiegskandidat wohl kaum erholt.
Stattdessen hieß es bald 1:1, als Krug eine
Freistoßflanke per Kopf in den Winkel lenkte
(30.) Fünf Minuten später drohte weiteres
Ungemach: Stojkoski war geschickt über Goran
Mikics Bein gefallen, den fragwürdigen
Elfmeter von Marc Dyballa aber konnte der
fehlerfreie Ditterle ebenso entschärfen wie
einen Heber von Lanzendörfer (36.).
Allerdings hätten Onucka oder Khimiri,
dessen Kopfball vor die Latte klatschte,
auch dem SCW eine Pausenführung bescheren
können.

Ditterle hält einen Elfmeter von Marc
Dyballa in der 35. Minute
Foto: InfoSchlumpf
In der zweiten Hälfte verflachte die Partie,
das Tempo war nicht mehr sehr hoch. dennoch
hatten beide Teams noch Möglichkeiten, das
Spiel für sich zu entscheiden. Hernes beste
Chancen vereitelten Krug, der Andy Kluys
Schuss von der Linie schlug (64.), und der
vortreffliche Niebuhr, der Urbans 14m-Schuss
vor den Pfosten lenkte (81.) und eine
fulminante Direktabnahme des kleinen
SCW-Regisseurs mit sagenhaftem Reflex über
die Latte lenkte (90.). Da war es nur Recht,
dass Fiore mit dem Schlusspfiff eine
„todsichere“ Hammer Chance aus zwei Metern
verstümperte.
Wolfgang Volmer
SC Westfalia Herne - Hammer SpVg 1:1 (1:1)
Quelle:
WAZ
Herne