PRESSE

Respektabler Abschied
 

25.05.10

Mag man mitunter auch mit den Ohren schlackern, wenn Westfalias Fans nach ein, zwei Fehlpässen über ihre eigenen Spieler herfallen und ihnen eine unheilbare Lederallergie bescheinigen – wenn’s darauf ankommt, beweisen sie doch fußballerischen Verstand und menschlichen Anstand. So wie gestern in der 82. Minute, als Olli Bautz zum letzten Mal den Kasten verließ, den er sechs Jahre lang stets gerne und fast immer gut gehütet hat. Erst war es ein warmer, dann ein prasselnder Beifall, der auf den 28-Jährigen hinab regnete. Als Bautz die Kapitänsbinde an den gleichfalls scheidenden Arben Tahiri weiter reichte, als er Mannschaftsbetreuer Klaus Loose und all’ die anderen umarmte, da sang die halbe Tribüne „Olli ist ein Herner.“ Viel mehr geht nicht.


Bewies in seinem letzten Heimspiel für den SCW noch mal seine Klasse: Olli Bautz pariert einen Freistoss.        Fotos: Cib

Die Szene hatte Symbolcharakter. „Abschied“ hieß das Leitmotiv dieses sonnigen Nachmittags am Schloss Strünkede Zunächst hinter verschlossenen Kabinentüren, wohin der Vorstand wegen der Vielzahl der Abgänge die einst offizielle Zeremonie verlegte. Dann aber auch auf dem Rasen. Denn Trainer Täuber machte im letzten Heimspiel der Saison die Bühne frei für jene, die den Verein verlassen werden. Die Vorlage kam an. Die Mannschaft bedankte sich jedenfalls mit einer Leistung, die Resepkt verdient.

Das war keineswegs selbstverständlich. Denn nach wenigen Sekunden schon stand der Charakter dieser Herner Mannschaft auf dem Prüfstand. Als sich Tim Gebauer und Andy Kluy gleich beim ersten Windecker Angriff von Müller verladen ließen, als weder Nils Eisen, noch Olli Bautz dessen Flanke erreichten, wohl aber der kopfballstarke Hayer, da lag der SCW mit 0:1 zurück. Und noch waren knapp 89 Minuten zu spielen.

Wenn es fürs eigene Team um nichts mehr geht, wenn man selbst mit seinen Gedanken schon beim neuen Verein oder im Urlaub ist, und wenn auf der anderen Seite ein Gegner steht, der im Kampf um den Aufstieg jeden Punkt und jedes Tor braucht, dann kann ein solch missglückter Start schon mal ein ganz böses Ende nach sich ziehen. Tat er aber nicht. Denn zum einen verhinderten die Latte (bei Kaesbergs Direktabnahme aus spitzem Winkel/23.) und Bautz’ tolle Fußabwehr (gegen den frei stehenden Kessel/26.) einen höheren Rückstand, zum anderen fanden die Hausherren immer besser ins Spiel.

Ging der Pausenrückstand trotz Tahiris Kopfballchance (13.) in Ordnung, war die Täuber-Elf in der zweiten Hälfte zumindest ebenbürtig. Gleich nach Wiederanpfiff scheiterten Tahiri mit einem weiteren Kopfball sowie der immer stärker werdende Ouro-Akpo mit einem Flachschuss aus zwölf Metern an Germania-Keeper Gillen. Akpo versuchte es später auch noch mit Kopf und einem spektakulären Fallrückzieher. Der Ausgleich aber wollte nicht fallen. Da aber auch die Gäste immer wieder zu Konterchancen kamen, nahmen sie zurecht alle drei Punkte mit. Der guten Laune auf den Rängen tat das keinen Abbruch. Schließlich herrschte Abschiedsstimmung. Und die ist versöhnlich.
 

SC Westfalia Herne - TSV Germania Windeck 0:1 (0:1)


Wolfgang Volmer

Quelle: WAZ Herne
 

Fotoalbum von InfoSchlumpf

Fotostrecke von Walter Fischer (WAZ)
 

 

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