Mag man mitunter auch mit den Ohren schlackern, wenn Westfalias Fans nach ein, zwei Fehlpässen über ihre eigenen Spieler herfallen und ihnen eine unheilbare Lederallergie bescheinigen – wenn’s darauf ankommt, beweisen sie doch fußballerischen Verstand und menschlichen Anstand. So wie gestern in der 82. Minute, als Olli Bautz zum letzten Mal den Kasten verließ, den er sechs Jahre lang stets gerne und fast immer gut gehütet hat. Erst war es ein warmer, dann ein prasselnder Beifall, der auf den 28-Jährigen hinab regnete. Als Bautz die Kapitänsbinde an den gleichfalls scheidenden Arben Tahiri weiter reichte, als er Mannschaftsbetreuer Klaus Loose und all’ die anderen umarmte, da sang die halbe Tribüne „Olli ist ein Herner.“ Viel mehr geht nicht.

Bewies in seinem letzten Heimspiel für den
SCW noch mal seine Klasse: Olli Bautz
pariert einen Freistoss.
Fotos: Cib
Die Szene hatte Symbolcharakter. „Abschied“
hieß das Leitmotiv dieses sonnigen
Nachmittags am Schloss Strünkede Zunächst
hinter verschlossenen Kabinentüren, wohin
der Vorstand wegen der Vielzahl der Abgänge
die einst offizielle Zeremonie verlegte.
Dann aber auch auf dem Rasen. Denn Trainer
Täuber machte im letzten Heimspiel der
Saison die Bühne frei für jene, die den
Verein verlassen werden. Die Vorlage kam an.
Die Mannschaft bedankte sich jedenfalls mit
einer Leistung, die Resepkt verdient.
Das
war keineswegs selbstverständlich. Denn nach
wenigen Sekunden schon stand der Charakter
dieser Herner Mannschaft auf dem Prüfstand.
Als sich Tim Gebauer und Andy Kluy gleich
beim ersten Windecker Angriff von Müller
verladen ließen, als weder Nils Eisen, noch
Olli Bautz dessen Flanke erreichten, wohl
aber der kopfballstarke Hayer, da lag der
SCW mit 0:1 zurück. Und noch waren knapp 89
Minuten zu spielen.
Wenn es fürs eigene Team um nichts mehr
geht, wenn man selbst mit seinen Gedanken
schon beim neuen Verein oder im Urlaub ist,
und wenn auf der anderen Seite ein Gegner
steht, der im Kampf um den Aufstieg jeden
Punkt und jedes Tor braucht, dann kann ein
solch missglückter Start schon mal ein ganz
böses Ende nach sich ziehen. Tat er aber
nicht. Denn zum einen verhinderten die Latte
(bei Kaesbergs Direktabnahme aus spitzem
Winkel/23.) und Bautz’ tolle Fußabwehr
(gegen den frei stehenden Kessel/26.) einen
höheren Rückstand, zum anderen fanden die
Hausherren immer besser ins Spiel.
Ging der Pausenrückstand trotz Tahiris
Kopfballchance (13.) in Ordnung, war die
Täuber-Elf in der zweiten Hälfte zumindest
ebenbürtig. Gleich nach Wiederanpfiff
scheiterten Tahiri mit einem weiteren
Kopfball sowie der immer stärker werdende
Ouro-Akpo mit einem Flachschuss aus zwölf
Metern an Germania-Keeper Gillen. Akpo
versuchte es später auch noch mit Kopf und
einem spektakulären Fallrückzieher. Der
Ausgleich aber wollte nicht fallen. Da aber
auch die Gäste immer wieder zu Konterchancen
kamen, nahmen sie zurecht alle drei Punkte
mit. Der guten Laune auf den Rängen tat das
keinen Abbruch. Schließlich herrschte
Abschiedsstimmung. Und die ist versöhnlich.
SC Westfalia Herne - TSV Germania Windeck
0:1 (0:1)
Wolfgang Volmer
Quelle:
WAZ
Herne