Am Montag wollte er noch Gespräche mit
weiteren möglichen Neuzugängen führen, in
einem Fall auch nur noch die Unterschrift
unter einen Vertrag setzen lassen. Doch
statt Vollzug zu melden, warf Timur Camci
gestern die Brocken hin. „Ich stehe ab
sofort nicht mehr als Sportlicher Leiter für
Westfalia Herne zur Verfügung“, erklärte
Camci im Gespräch mit der WAZ. „Vorstand und
Trainer sind schon informiert.“ Die Gründe,
so erklärte er, lägen allein im familiären
Bereich.„Ich kann einfach nicht mehr.“ Mehr
wolle er mit Rücksicht auf seine
Privatsphäre öffentlich nicht dazu sagen.
Dass Camci ausgerechnet in der Phase das
Handtuch wirft, in der ein Sportlicher
Leiter dringend gebraucht wird, erstaunte
nicht nur Klaus Täuber. „Das ist jetzt eine
schwierige Situation“, war der Trainer wenig
amüsiert. „Wir werden uns noch am
Dienstagabend mit dem Vorstand
zusammensetzen und sehen, wie es weiter
laufen soll.“
Zu dem Zeitpunkt hatte Täuber bereits einige
Telefonnummern angerufen, die ihm Camci
gerade gegeben hatte. Zum Beispiel die von
Thomas Ernst, dem Sportvorstand des VfL
Bochum. „Da steht ja noch ein Benefizspiel
aus“, erinnert Täuber an die Vereinbarung,
die sein Vorgänger Frank Schulz einst
getroffen hat. Als Terminvorschlag steht
jetzt der 21. Juli im Raum. „Endgültig
geklärt ist das aber noch nicht“, so Täuber.
Der Trainer geht jedenfalls davon aus, dass
er bis auf Weiteres einen Großteil von
Camcis Aufgaben mit übernehmen muss. „Vor
allem muss ich jetzt sehen, dass ich noch
einige gute Spieler hierhin bekomme.“ Bis
auf Tino Westphal und Sascha Wolf, mit denen
Täuber früher bereits zusammen arbeitete,
seien alle bisherigen Verpflichtungen über
Camcis Kontakte zustandegekommen. „Jetzt
muss ich Vollgas geben. Denn am 10. Juni
fliege ich in den Urlaub, und dann muss der
Kader stehen.“
Das aber sollte zu schaffen sein – meint
jedenfalls Jürgen Stieneke, Ehrenpräsident
und der starke Mann im Verein. „Wir werden
uns in Ruhe überlegen, ob und mit wem wir
die Position neu besetzen“, blieb er ganz
entspannt. Der Mann hat eben schon
schwierigere Situationen ausgestanden.
Wolfgang Volmer
Quelle:
WAZ
Herne