Was darf man von einem Testspiel mitten in
der schweißtreibendsten Phase der
Vorbereitung erwarten? Fußballerische
Feinheiten gewiss nicht. Insofern war es
aller Ehren wert, was die soeben aus dem
Trainingslager in Greetsiel heimgekehrten
Bochumer Profis, vor allem aber auch die
nicht minder geschlauchten SCW-Amateure
gestern den 1500 Zuschauern zeigten. Die
verabschiedeten die Spieler nach 90 durchaus
umkämpften Minuten dann auch mit prasselndem
Beifall in die Kabine. Der Abend hatte
seinen Zweck absolut erfüllt.
Meinte auch Jürgen Stieneke. „Ich bin total
zufrieden. Mit dem Besuch, aber auch mit dem
Spiel. Gut, dass es Bochum gibt“, bedankte
sich Westfalias Ehrenpräsident beim VfL für
den Abstecher in die Nachbarschaft, der eine
niedrige fünfstellige Summe in die klamme
Herner Kasse gespült haben dürfte.
Auch SCW-Trainer Klaus Täuber konnte
zufrieden sein. Eine richtige Klatsche, wie
sie sich nach dem frühen Bochumer
Doppelschlag andeutete, blieb seiner jungen
Truppe nämlich erspart. Mit reichlich Glück,
etwa bei Lattentreffern von Mirkan Aydin
(34.) und Oguzhan Kefkir (45.), aber auch
einer ordentlichen Portion Können und
Kampfgeist verdiente sich der NRW-Ligist ein
respektables Ergebnis.
Dafür sorgte nicht zuletzt der junge
Torhüter Thimo Mallon, der mit etlichen
Glanzparaden nach der Pause weitere
Einschläge verhinderte und fast sogar
Christoph Dabrowskis Handelfmeter noch
entschärft hätte. Auch nach vorne hin fand
der SCW statt. Vor allem der giftige, auch
technisch starke Michael Erzen behauptete
sich mehr als einmal in Zweikämpfen gegen
die VfL-Profis, auch Erdal Bastürk hatte
gute Szenen. Wirkliche Torgefahr konnten die
Herner aber nicht entwickeln. So hätten sich
die SCW-Fans mit dem 0:3 durchaus anfreunden
können. Bis Fatih Gürpinar aus einem schönen
einen noch schöneren Abend machte. Mit
seinem waffenscheinverdächtigen linken
Flunken hämmerte das junge Eigengewächs die
Kugel aus 25 Metern unhaltbar für Philipp
Heerwagen in die Maschen. „Ein Schuss wie
aus dem Kanonenrohr“, staunte sogar Klaus
Täuber. Und der hat im Fußball schon einiges
erlebt.

Christoph Dabrowski verwandelt einen
Elfmeter zum 3:0 für den VfL Bochum
Foto: InfoSchlumpf
SC Westfalia Herne - VfL Bochum 1:3 (0:2)
SCW: Kurz (46. Mallon) – Kofo-Asenso
(76. Gürpinar), Krug, Eisen, Kilian (80.
Tottmann) – Khmiri (46. Jubt), Westphal –
Dede (46. Mikic), Bastürk, Freyni (76.
Sazoglu) – Erzen.
VfL Bochum: Heerwagen – Kopplin (46.
Pfertzel), Fabian, Mavraj (46. Maltritz),
Bönig – Dabrowski, Maric (46. Vogt) – Kefkir
(46. Freier), Rzatkowski (60. Prokoph),
Toski (46. Grote) – Aydin.
SR: Dominik Nowak (Bottrop)
Zuschauer: 1.500
Tore: 0:1 Dabrowski (8.), 0:2 Aydin (10.),
0:3 Dabrowski (56., Handelfmeter), 1:3
Gürpinar (85.)
von Wolfgang Volmer
Quelle:
WAZ
Herne