PRESSE

Liebe auf den zweiten Blick
 

23.08.10

Es muss nicht immer Liebe auf den ersten Blick sein. Mitunter müssen beide Partner noch einmal genauer hinschauen, um die Vorzüge des anderen schätzen zu lernen. Das Verhältnis von Westfalia Herne mit René Lewejohann, das vor anderthalb Jahren als Riesenmissverständnis endete und völlig zerrüttet schien, könnte sich im zweiten Anlauf doch noch zu einer für beide Seiten fruchtbaren Beziehung entwickeln. In Schermbeck jedenfalls war der wuchtige Sturmführer mit einem Treffer und zwei Torvorlagen maßgeblich daran beteiligt, dass Trainer Täuber hernach von einem Traumstart sprechen konnte.

War das 2:1 gegen Velbert noch ein Sieg des Willens, der Moral, so war die Täuber-Elf auf dem Waldsportplatz auch spielerisch eindeutig die bessere Mannschaft. Zwar schenkten gerade die kreativen Techniker wie Mirko Urban und besonders Erdal Bastürk noch viele Bälle zu leicht her, insgesam sah das Herner Spiel aber wesentlich flüssiger und variabler aus als das des SVS, der sein Heil überwiegend mit langen Bällen auf die quirligen Spitzen Seyit Ersoy und Charly Kuntz suchte.

Anfangs hatten die Herner damit noch einige Probleme. „Unsere langen Leute haben zu viele Kopfballduelle verloren“, ärgerte sich Klaus Täuber über manche brenzlige Situation in Strafraumnähe. Weil Hernes Abwehrspieler, allen voran Ludwig Asenso und Sebastian Krug, aber fast alle direkten Zweikämpfe gewannen, brannte trotz dieser Unsicherheiten nichts an.

Lewejohanns Direktschuss, der knapp über die Latte strich (11.), markierte das Ende dieser Anfangsphase. Jetzt war der SCW im Spiel, jetzt lief die Kugel. Wie ein Quarterback im American Football ordnete Tino Westphal die Aktionen, verlagerte das Spiel immer wieder auf die Flügel, über die der SCW die Schermbecker Abwehr aufzureißen versuchte . Blieben Möglichkeiten von Bastürk (12.) und Lewejohann (20.) noch ungenutzt, zahlte sich Hernes Überlegenheit in der 36. Minute endlich aus. Tim Kilian flankte von außen auf den zweiten Pfosten, Asenso köpfte den Ball zu Lewejohann, und der hatte mit einem Seitfallschuss Erfolg.


Rene Lewejohann dreht jubelnd ab zu den SCW-Fans, unmittelbar nach seinem Treffer zum 1:0.                        Foto: Cib

Nur eine Minute später hätte der SCW nachlegen können, doch übersah Westphal den in die Gasse startenden Sven Jubt. Die Pausenführung geriet nur einmal in Gefahr, als Lupitu nach Urbans Ballverlust knapp am langen Eck vorbeizog (44.).

Fünf Minuten nach Wiederbeginn dann die Vorentscheidung. Lewejohann behauptete sich im Zweikampf, spielte mit Erzen Doppelpass und legte dann noch einmal für Erzen auf, der mit dem rechten Fuß genau in den Knick traf – ein ganz feines Tor, dem Westphal direkt einen gefährlichen Aufsetzer folgen ließ. Nachdem Pascal Kurz mit den Fäusten Ersoys feine Direktabnahme entschärft hatte (55.), verstolperte der von Jubt freigespielte Bastürk aus fünf Metern die endgültige Entscheidung (62.).

Die Quittung stellte Lupitu aus, als er ein Missverständnis zwischen Kurz und Krug ahnte und auf 1:2 verkürzte. Nur vier Minuten später aber löste sich die Schermbecker Hoffnung auf eine spannende Schlussphase in Luft auf. Jubt musste im Anschluss an eine einstudierte Ecke nur den Fuß hinhalten -- Lewejohann hatte verlängert, um sich danach ans Herz zu fassen. Liebe auf den zweiten Blick.


SV Schermbeck - SC Westfalia Herne 1:3 (0:1)


von Wolfgang Volmer

Trainerstimmen:

Klaus Täuber (SCW): Wenn man berücksichtigt, dass wir in Herne eine ganz neue Mannschaft aufbauen, muss man den Jungs ein Riesenkompliment machen. Sie haben wirklich gut gespielt, haben sich viele Chancen erarbeitet und auch verdient gewonnen. Die Tabellensituation ist aber nur eine Momentaufnahme, da soll man den Ball flach halten.

Martin Stroetzel (SVS): Der Sieg für Herne war schon verdient, aber wir haben es ihnen zu einfach gemacht, haben oft nur den Raum gedeckt. Herne hatte auch mehr Qualität und war viel ruhiger am Ball.
 

Quelle: WAZ Herne
 

 

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