Es muss nicht
immer Liebe auf den ersten Blick sein.
Mitunter müssen beide Partner noch einmal
genauer hinschauen, um die Vorzüge des
anderen schätzen zu lernen. Das Verhältnis
von Westfalia Herne mit René Lewejohann, das
vor anderthalb Jahren als
Riesenmissverständnis endete und völlig
zerrüttet schien, könnte sich im zweiten
Anlauf doch noch zu einer für beide Seiten
fruchtbaren Beziehung entwickeln. In
Schermbeck jedenfalls war der wuchtige
Sturmführer mit einem Treffer und zwei
Torvorlagen maßgeblich daran beteiligt, dass
Trainer Täuber hernach von einem Traumstart
sprechen konnte.
War das 2:1 gegen Velbert noch ein Sieg des
Willens, der Moral, so war die Täuber-Elf
auf dem Waldsportplatz auch spielerisch
eindeutig die bessere Mannschaft. Zwar
schenkten gerade die kreativen Techniker wie
Mirko Urban und besonders Erdal Bastürk noch
viele Bälle zu leicht her, insgesam sah das
Herner Spiel aber wesentlich flüssiger und
variabler aus als das des SVS, der sein Heil
überwiegend mit langen Bällen auf die
quirligen Spitzen Seyit Ersoy und Charly
Kuntz suchte.
Anfangs hatten die Herner damit noch einige
Probleme. „Unsere langen Leute haben zu
viele Kopfballduelle verloren“, ärgerte sich
Klaus Täuber über manche brenzlige Situation
in Strafraumnähe. Weil Hernes Abwehrspieler,
allen voran Ludwig Asenso und Sebastian
Krug, aber fast alle direkten Zweikämpfe
gewannen, brannte trotz dieser
Unsicherheiten nichts an.
Lewejohanns Direktschuss, der knapp über die
Latte strich (11.), markierte das Ende
dieser Anfangsphase. Jetzt war der SCW im
Spiel, jetzt lief die Kugel. Wie ein
Quarterback im American Football ordnete
Tino Westphal die Aktionen, verlagerte das
Spiel immer wieder auf die Flügel, über die
der SCW die Schermbecker Abwehr aufzureißen
versuchte . Blieben Möglichkeiten von
Bastürk (12.) und Lewejohann (20.) noch
ungenutzt, zahlte sich Hernes Überlegenheit
in der 36. Minute endlich aus. Tim Kilian
flankte von außen auf den zweiten Pfosten,
Asenso köpfte den Ball zu Lewejohann, und
der hatte mit einem Seitfallschuss Erfolg.

Rene Lewejohann dreht jubelnd ab zu den
SCW-Fans, unmittelbar nach seinem Treffer
zum 1:0.
Foto: Cib
Nur eine Minute später hätte der SCW
nachlegen können, doch übersah Westphal den
in die Gasse startenden Sven Jubt. Die
Pausenführung geriet nur einmal in Gefahr,
als Lupitu nach Urbans Ballverlust knapp am
langen Eck vorbeizog (44.).
Fünf Minuten nach Wiederbeginn dann die
Vorentscheidung. Lewejohann behauptete sich
im Zweikampf, spielte mit Erzen Doppelpass
und legte dann noch einmal für Erzen auf,
der mit dem rechten Fuß genau in den Knick
traf – ein ganz feines Tor, dem Westphal
direkt einen gefährlichen Aufsetzer folgen
ließ. Nachdem Pascal Kurz mit den Fäusten
Ersoys feine Direktabnahme entschärft hatte
(55.), verstolperte der von Jubt
freigespielte Bastürk aus fünf Metern die
endgültige Entscheidung (62.).
Die Quittung stellte Lupitu aus, als er ein
Missverständnis zwischen Kurz und Krug ahnte
und auf 1:2 verkürzte. Nur vier Minuten
später aber löste sich die Schermbecker
Hoffnung auf eine spannende Schlussphase in
Luft auf. Jubt musste im Anschluss an eine
einstudierte Ecke nur den Fuß hinhalten --
Lewejohann hatte verlängert, um sich danach
ans Herz zu fassen. Liebe auf den zweiten
Blick.
SV Schermbeck - SC Westfalia Herne 1:3 (0:1)
von Wolfgang Volmer
Trainerstimmen:
Klaus Täuber (SCW): Wenn man
berücksichtigt, dass wir in Herne eine ganz
neue Mannschaft aufbauen, muss man den Jungs
ein Riesenkompliment machen. Sie haben
wirklich gut gespielt, haben sich viele
Chancen erarbeitet und auch verdient
gewonnen. Die Tabellensituation ist aber nur
eine Momentaufnahme, da soll man den Ball
flach halten.
Martin Stroetzel (SVS): Der Sieg für
Herne war schon verdient, aber wir haben es
ihnen zu einfach gemacht, haben oft nur den
Raum gedeckt. Herne hatte auch mehr Qualität
und war viel ruhiger am Ball.
Quelle:
WAZ
Herne