PRESSE

Verrückter Fußball
 

30.08.10

Der Fußball spielt verrückt in diesen Tagen, nicht nur in der Bundesliga. Auch das gestrige Geschehen am Schloss Strünkede entzog sich jeder fachlichen Analyse. Meinte jedenfalls Klaus Täuber. „So etwas kann man einfach nicht erklären. Es passiert eben“, empfand der SCW-Trainer die Partie gegen Aufsteiger Rhynern als Mysterium. Eine Partie, in der die Fans zur Pause nur auf die Höhe des Herner Sieges wetteten – um am Ende glücklich und dankbar über einen Punkt nach Hause zu gehen.

Über die erste Halbzeit gab es aus Herner Sicht nichts zu meckern. Sicher, die Anfangsphase gehörte den Gästen, die gleich mit ihrem ersten gefährlichen Vorstoß durch den von Ludwig Asenso nie zu kontrollierenden Schiller in Führung gingen. Doch nach zehn, fünfzehn Minuten bekamen die Platzherren das Spiel in den Griff und entwickelten viel Druck auf das Rhynerner Tor. Schon nach Asensos feinem Pass in die Gasse zu Sven Jubt hätte der Ausgleich fallen müssen, doch der junge Stürmer scheiterte an Torwart Wegner, und Mirko Urbans Nachschuss schlug Schmidt noch von der Linie (13.).


Es brennt im Rhynerner Strafraum                                                                                                          Foto: InfoSchlumpf

Nun aber hatte die Täuber-Elf ihren Rhythmus gefunden. Angriff auf Angriff rollte auf das Gäste-Tor, und bereits in der 21. Minute erzielte Urban aus kurzer Distanz den Ausgleich. Wenig später strich ein abgefälschter Westphal-Freistoß am Pfosten vorbei. So war es erneut Urban, der die inzwischen verdiente Herner Führung markierte. Mit vollem Risiko hielt der kleine Techniker vom Strafraum-Eck drauf und traf unhaltbar flach ins lange Eck. Und auf der Tribüne gab es keine zwei Meinungen: Der SCW war in einem schnellen, gutklassigen Spiel trotz einer nicht immer sattelfesten Deckung die eindeutig bessere Mannschaft.

Woran sich auch nach Wiederbeginn zunächst nichts zu ändern schien. Kaum zurück auf dem morastigen Platz, vergab Tino Westphal, von Urban fantastisch freigespielt, das mögliche 3:1. Plötzlich aber war alles anders. Nach siebenminütiger Pause, die Schiedsrichterassistent Vasili Nedic zur Behandlung einer Wadenverletzung brauchte, war die Täuber-Elf nicht mehr wiederzuerkennen. Plötzlich gingen fast alle Zweikämpfe verloren, kaum noch ein Pass landete beim Mitspieler, immer wieder musste die Mannschaft aus der Vor- in die Rückwärtsbewegung umschalten. Und das kostete jede Menge Kraft auf dem tiefen Boden. Einmal noch hatte der SCW die Chance, die Partie vorzeitig zu entscheiden. Doch René Lewejohann, der nach starker erster Hälfte abbaute, traf aus der Drehung den Ball nicht voll (62.) – es sollte die letzte gute Herner Chance bleiben.

Danach spielte nur noch eine Westfalia: die aus Rhynern. Mehrfach lag der Ausgleich in der Luft, doch entweder zielten die Gäste schlecht, oder Pascal Kurz war auf dem Posten. In der 84. Minute aber war auch Hernes Bester machtlos. Nils Eisen war einen Konter mitgelaufen, die Absicherung funktionierte nicht, und nach Tahiris schnellem Pass konnte erneut Schiller aus 16 Metern Maß nehmen. Zwei Punkte waren futsch.

Und es begann das große Zittern. Zwei-, dreimal noch musste Kurz retten, sonst wäre auch der dritte Punkt noch flöten gegangen. Und Klaus Täuber hätte das Spiel kaum unter „Fußball verrückt“ abgehakt.


SC Westfalia Herne - Westfalia Rhynern 2:2

SCW: Kurz – Asenso (80. Sazoglu), Krug, Eisen, Kilian – Westphal – Urban, Bastürk (77. Pachutzki), Erzen – Lewejohann, Jubt.

Westfalia Rhynern: Wegner – Naßhan, Schmidt, Kaleoglu, Maier – Dej (67. Lipki), Tahiri – Gehrmann, Schiller – Traufetter, Buschening.

SR: Martin Gropengießer (Hemer).

Tore: 0:1 Schiller (7.), 1:1, 2:1 Urban (23., 37.), 2:2 Schiller (85.).

Zuschauer: 400.


von Wolfgang Volmer
 

Trainerstimmen:

Michael Lusch (Rhynern): In der ersten Viertelstunde hat meine Mannschaft richtig gut Fußball gespielt, dann war es 30 Minuten wie abgeschnitten. Die zweite Hälfte war eindrucksvoll. Da hat jeder Mut gehabt und die Ehrfurcht abgelegt. Wir sind Aufsteiger, aber wir brauchen uns in der Liga absolut nicht zu verstecken.

Klaus Täuber (SCW): Wir haben zwei Gesichter gezeigt. Wenn wir zur Pause mit zwei, drei Toren führen, hätte sich Rhynern nicht be­schweren können. In der zweiten Hälfte ist meine Mannschaft gar nicht auf dem Platz gewesen. Nach der Sache mit dem Assistenten ist sie in einen kollektiven Tiefschlaf gefallen. Dass eine Mannschaft ein Spiel so im Griff hat und dann so den Faden verliert, geht gar nicht.
 

Quelle: WAZ Herne

Fotoalbum von InfoSchlumpf
 

 

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