PRESSE

Alles reine Kopfsache
 

06.01.11

Trainer Klaus Täuber sieht den SC Westfalia sportlich auf einem guten Weg, hätte aber gern noch etwas mehr Erfahrung in seinem jungen Kader.

Den rechten Unterarm zehn Tage nach einer komplizierten Kahnbein-OP in einer Gipsschiene, den Schweinebraten nach fränkischer Art („Haben Sie schon mal mit links Zwiebeln geschnitten?“) im Ofen – kurz vor Beginn der Restrundenvorbereitung wirkt Klaus Täuber (52) in seinem Dorstener Domizil recht entspannt. Ohnehin macht der Trainer des SC Westfalia im WAZ-Gespräch nicht den Eindruck, als würde er sich wegen der Tabellensituation verrückt machen. Im Gegenteil, er sieht den SCW auf einem guten Weg.

Herr Täuber, steckt der SC Westfalia im Abstiegskampf?

Täuber: Man muss beides im Auge behalten. Zielsetzung bleibt der einstellige Tabellenplatz, den ich mir auf die Fahnen geschrieben habe. Aber es ist schon ärgerlich, dass die drei Punkte verloren gehen, die wir in Kleve geholt haben.

Stört das nicht eher nur die Optik?

Vielleicht. Wir haben einen Platz verloren, nach unten ist es enger geworden. Allerdings sind auch andere Vereine wie Erkenschwick oder Schermbeck betroffen. Aber in dieser Liga ist man sich nie ganz sicher, weil ja bis zu fünf Vereine absteigen können.

Dabei hat Herne ja einen Raketenstart hingelegt und lange oben mitgespielt, bis dann der Absturz folgte. Wie ist das zu erklären?

Anfangs waren wir die Überraschungsmannschaft. Keiner hat damit gerechnet, dass Herne vorne mitspielt. Doch auch da waren die Spiele immer eng. Außer in Schermbeck hatten wir kein Spiel dabei, wo man nach 60, 70 Minuten das Ge­fühl hatte, das Ding ist entschieden. Wir mussten immer bis zur letzten Minute Vollgas geben und hatten dann auch oft das Quäntchen Glück mit späten Toren.

Und Glück ist im Fußball kein verlässlicher Partner.

Nein, meist gleicht sich das aus. Man soll aber auch nicht vergessen, dass wir eine der jüngsten Mannschaften sind und als einziger NRW-Ligist einen kompletten Neuaufbau hinter uns haben. 14 Spieler, davon acht Stammspieler, sind gegangen, alle in ganz kurzer Zeit im April. Eine total neue Mannschaft zu bauen mit den finanziellen Möglichkeiten, die Westfalia Herne hat, ist so leicht auch nicht.

War nicht gerade deshalb eine langsam ansteigende Formkurve zu erwarten und nicht ein krasser Abfall nach tollem Start?

Im Prinzip schon. Aber wie gesagt, wir haben ein sehr junges Team, gerade in der Ab­wehr, und junge Spieler ma­chen Fehler. Dazu haben wir mit Erzen, Westphal, Asenso oder Lewejohann Leute ge­holt, die ein ganzes Jahr kaum gespielt haben. Auch da kann man keine Konstanz erwarten. Das Problem war die ersten Niederlage.

Das 0:2 gegen Windeck am neunten Spieltag.

Richtig. Auch da haben wir nicht schlecht gespielt. Aber Windeck war routinierter, hat deshalb auch verdient gewonnen. Und bei uns haben sich nach dieser Niederlage die individuellen Fehler gehäuft. Alles reine Kopfsache.

Worauf Sie mit etlichen Wechseln im Defensivgefüge reagiert haben. Hat sich das ausgezahlt?

Ich denke schon. Die Um­stellung, Tino Westphal in die Innenverteidigung einzubauen, hat schon zu mehr Stabilität geführt. Und auch der junge Samed Sazoglu hat sich zum Stammspieler entwickelt. Dafür musste Asenso raus, der hat zu viele Fehler gemacht. Aber Potenzial hat er auch.

Wie sehen Sie denn die Abteilung Attacke?

Unser Offensivspiel ist in Ordnung. Mit Lewejohann, Urban, Erzen, auch mit Jubt sind wir gut aufgestellt, auch wenn wir am Ende nicht mehr so effektiv waren und drei, vier Chancen brauchten, um ein Tor zu machen. Defizite hatten wir auf der Position der Mittelfeldspitze, wie ich sie nenne. Von Erdal Bastürk ist zu wenig Torgefahr ausgegangen, so dass ich auch hier Alternativen probiert habe. Freyni hat das zuletzt ganz gut gemacht. Für ihn ist schade, dass die Winterpause so früh kam. Jetzt werden die Karten wieder neu gemischt.

Werden auch neue Karten im Spiel sein?

Ich hoffe schon. In erster Linie brauchen wir etwas Er­ahrung im Abwehrbereich. da haben wir nur junge Leute,von denen ist jeder in der Lage, Fehler zu machen. Erste Wahl ist Özay Gökyesil, den ich aus Schalke kenne und der schon vier Wochen mittrainiert hat. Er ist in der Defensive vielseitig einsetzbar und auch ein Typ, dem ich eine Führungsrolle zutraue. Aber wir können nur einen Neuen holen, wenn wir auch einen Spieler abgeben. Es ist ja kein Geheimnis, dass ich nicht mehr mit Julian Alasan plane. Aber noch ist der Vertrag nicht aufgelöst.

In der nächsten Saison geht es dann um die Plätze in der neu geordneten Regionalliga. Für Herne ein Ziel?

Noch kennt man die Kriterien nicht genau. Aber ich meine, ein Verein wie die Westfalia sollte den Anspruch haben, in diese Liga zu kommen.

Mit Trainer Klaus Täuber?

Über Verträge habe ich noch nie vor Februar oder März gesprochen. Aber ich mag die Leute hier, vor allem die Fankultur, die gibt es sonst höchstens noch in Erkenschwick. Mir macht die Arbeit Spaß, und das ist das wichtigste.


von Wolfgang Volmer

Quelle: WAZ Herne
 

 

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