Trainer Klaus
Täuber sieht den SC Westfalia sportlich auf
einem guten Weg, hätte aber gern noch etwas
mehr Erfahrung in seinem jungen Kader.
Den
rechten Unterarm zehn Tage nach einer
komplizierten Kahnbein-OP in einer
Gipsschiene, den Schweinebraten nach
fränkischer Art („Haben Sie schon mal mit
links Zwiebeln geschnitten?“) im Ofen – kurz
vor Beginn der Restrundenvorbereitung wirkt
Klaus Täuber (52) in seinem Dorstener
Domizil recht entspannt. Ohnehin macht der
Trainer des SC Westfalia im WAZ-Gespräch
nicht den Eindruck, als würde er sich wegen
der Tabellensituation verrückt machen. Im
Gegenteil, er sieht den SCW auf einem guten
Weg.
Herr Täuber, steckt der SC Westfalia
im Abstiegskampf?
Täuber: Man muss beides im Auge behalten.
Zielsetzung bleibt der einstellige
Tabellenplatz, den ich mir auf die Fahnen
geschrieben habe. Aber es ist schon
ärgerlich, dass die drei Punkte verloren
gehen, die wir in Kleve geholt haben.
Stört das nicht eher nur die Optik?
Vielleicht. Wir haben einen Platz verloren,
nach unten ist es enger geworden. Allerdings
sind auch andere Vereine wie Erkenschwick
oder Schermbeck betroffen. Aber in dieser
Liga ist man sich nie ganz sicher, weil ja
bis zu fünf Vereine absteigen können.
Dabei hat Herne ja einen Raketenstart
hingelegt und lange oben mitgespielt, bis
dann der Absturz folgte. Wie ist das zu
erklären?
Anfangs waren wir die
Überraschungsmannschaft. Keiner hat damit
gerechnet, dass Herne vorne mitspielt. Doch
auch da waren die Spiele immer eng. Außer in
Schermbeck hatten wir kein Spiel dabei, wo
man nach 60, 70 Minuten das Gefühl hatte,
das Ding ist entschieden. Wir mussten immer
bis zur letzten Minute Vollgas geben und
hatten dann auch oft das Quäntchen Glück mit
späten Toren.
Und Glück ist im Fußball kein
verlässlicher Partner.
Nein, meist gleicht sich das aus. Man soll
aber auch nicht vergessen, dass wir eine der
jüngsten Mannschaften sind und als einziger
NRW-Ligist einen kompletten Neuaufbau hinter
uns haben. 14 Spieler, davon acht
Stammspieler, sind gegangen, alle in ganz
kurzer Zeit im April. Eine total neue
Mannschaft zu bauen mit den finanziellen
Möglichkeiten, die Westfalia Herne hat, ist
so leicht auch nicht.
War nicht gerade deshalb eine langsam
ansteigende Formkurve zu erwarten und nicht
ein krasser Abfall nach tollem Start?
Im Prinzip schon. Aber wie gesagt, wir haben
ein sehr junges Team, gerade in der Abwehr,
und junge Spieler machen Fehler. Dazu haben
wir mit Erzen, Westphal, Asenso oder
Lewejohann Leute geholt, die ein ganzes
Jahr kaum gespielt haben. Auch da kann man
keine Konstanz erwarten. Das Problem war die
ersten Niederlage.
Das 0:2 gegen Windeck am neunten
Spieltag.
Richtig. Auch da haben wir nicht schlecht
gespielt. Aber Windeck war routinierter, hat
deshalb auch verdient gewonnen. Und bei uns
haben sich nach dieser Niederlage die
individuellen Fehler gehäuft. Alles reine
Kopfsache.
Worauf Sie mit etlichen Wechseln im
Defensivgefüge reagiert haben. Hat sich das
ausgezahlt?
Ich denke schon. Die Umstellung, Tino
Westphal in die Innenverteidigung
einzubauen, hat schon zu mehr Stabilität
geführt. Und auch der junge Samed Sazoglu
hat sich zum Stammspieler entwickelt. Dafür
musste Asenso raus, der hat zu viele Fehler
gemacht. Aber Potenzial hat er auch.
Wie sehen Sie denn die Abteilung
Attacke?
Unser Offensivspiel ist in Ordnung. Mit
Lewejohann, Urban, Erzen, auch mit Jubt sind
wir gut aufgestellt, auch wenn wir am Ende
nicht mehr so effektiv waren und drei, vier
Chancen brauchten, um ein Tor zu machen.
Defizite hatten wir auf der Position der
Mittelfeldspitze, wie ich sie nenne. Von
Erdal Bastürk ist zu wenig Torgefahr
ausgegangen, so dass ich auch hier
Alternativen probiert habe. Freyni hat das
zuletzt ganz gut gemacht. Für ihn ist
schade, dass die Winterpause so früh kam.
Jetzt werden die Karten wieder neu gemischt.
Werden auch neue Karten im Spiel sein?
Ich hoffe schon. In erster Linie brauchen
wir etwas Erahrung im Abwehrbereich. da
haben wir nur junge Leute,von denen ist
jeder in der Lage, Fehler zu machen. Erste
Wahl ist Özay Gökyesil, den ich aus Schalke
kenne und der schon vier Wochen mittrainiert
hat. Er ist in der Defensive vielseitig
einsetzbar und auch ein Typ, dem ich eine
Führungsrolle zutraue. Aber wir können nur
einen Neuen holen, wenn wir auch einen
Spieler abgeben. Es ist ja kein Geheimnis,
dass ich nicht mehr mit Julian Alasan plane.
Aber noch ist der Vertrag nicht aufgelöst.
In der nächsten Saison geht es dann um
die Plätze in der neu geordneten
Regionalliga. Für Herne ein Ziel?
Noch kennt man die Kriterien nicht genau.
Aber ich meine, ein Verein wie die Westfalia
sollte den Anspruch haben, in diese Liga zu
kommen.
Mit Trainer Klaus Täuber?
Über Verträge habe ich noch nie vor Februar
oder März gesprochen. Aber ich mag die Leute
hier, vor allem die Fankultur, die gibt es
sonst höchstens noch in Erkenschwick. Mir
macht die Arbeit Spaß, und das ist das
wichtigste.
von Wolfgang Volmer
Quelle:
WAZ
Herne