Rums, das saß. Gleich
zum Auftakt der
NRW-Liga-Spielzeit
handelte sich der SC
Westfalia Herne einen
krachenden Tiefschlag
ein und landete unsanft
auf dem Boden. Trainer
Uli Reimann hatte sich
auch am Tag nach dem
0:4-Heimdebakel gegen
Aufsteiger KFC Uerdingen
noch nicht komplett
berappelt. „Das war
nicht so schön. Nicht
nur wenn man vor 1500
Zuschauern spielt, zeigt
man sich gern von einer
anderen Seite“, haderte
er mit dem Auftritt
seiner Mannschaft, den
er als „zu lieb und zu
anständig“ bezeichnete.
In der ersten
Enttäuschung hatte der
48-Jährige nach dem
Spiel noch deftigere
Worte gewählt. Als
„Kindergarten“
bezeichnete er seine
junge Truppe, die es
gegen einen abgezockten
Gegner an der nötigen
Aggressivität habe
fehlen lassen.
„Vielleicht war das
überzogen. Heute würde
ich eher von
Schulmannschaft
sprechen“, korrigierte
sich der Herner Coach
jedoch nur unwesentlich.
Zugleich schwante ihm,
dass er mit einer extrem
offensiven Aufstellung
dem naiven Verhalten auf
dem Rasen ein Stück weit
Vorschub geleistet
hatte.
Insbesondere in Hälfte
eins rannten die Herner
ins offene Messer. Weil
sie im Mittelfeld
respektvoll Abstand zu
ihren Gegnern hielten
und stets einen Schritt
zu spät kamen, konnten
die ballsicheren,
individuell wie
kollektiv besseren
Krefelder fast ungestört
ihr Spiel aufziehen.
Nutznießer war vor allem
Jochen Höfler, der in
weniger als einer halben
Stunde den ersten
Hattrick der Saison
produzierte und nach der
Pause auch das vierte
Tor nachlegte. „Sicher
ist das ein
Ausnahmestürmer. Aber so
leicht darf man es ihm
auch nicht machen“, war
Reimann ob des
dilettantischen
Abwehrverhaltens
entsetzt.

Mit vereinten Kräften
gegen überlegene
Krefelder: v.l.: Tino
Westphal, Sven Gehrmann,
Valery Senge, Nicolas Stevanovic.
Foto: Cib
Beim 0:1 (17.) war es
Nicolas Stevanovic, der
den Weg zurück
verweigerte und Robin
Gallus in eine
1:2-Unterzahlsituation
zwang. Ahmet Isiklar und
Kosi Saka hatten gegen
den jungen
Linksverteidiger
leichtes Spiel, und
Höfler musste nur noch
vollstrecken.
Diesen Schock steckte
der SCW jedoch schnell
weg, und es folgte die
beste Phase im Herner
Spiel. Die Reimann-Elf
wurde fast gleichwertig,
agierte teilweise
gefällig nach vorn, kam
aber nur selten zum
Abschluss. Ihre größte
Schwäche aber konnte sie
nie abstellen: Das Spiel
„gegen den Ball“ blieb
stümperhaft, weil es
einigen an der nötigen
Laufbereitschaft fehlte.
Die Quittung stellte
Höfler mit einem
Doppelschlag (37./39.)
aus. „Gerade wenn man
mit Dreierkette und nur
einem Sechser spielt,
muss jeder
Mittelfeldspieler lange
Laufwege gehen, um die
Räume hinten zu
schließen“, kritisierte
Reimann – und nahm
besonders Tino Westphal
aufs Korn. „Er hat mich
enttäuscht. Sicher, er
war vorher verletzt.
Aber wenn er sich fit
meldet, muss ich von ihm
mehr erwarten“, ärgerte
ihn das zahme
Zweikampfverhalten
seines „Leitwolfs“, der
zur Pause dann wie Robin
Gallus in der Kabine
bleiben durfte.
Später korrigierte
Reimann auch sein
System, zog Samed
Sazoglu zurück und
schloss so die
Viererkette. Damit
wirkte der SCW insgesamt
stabiler. An eine Wende
war nach dem
0:3-Pausenstand aber nie
zu denken, zumal Höfler
nach einem verunglückten
Kurz-Abstoß gleich noch
einmal zuschlug.
Immerhin erspielte sich
auch der SCW noch die
eine oder andere
Gelegenheit, doch sowohl
der agile Adrian Skupin
als auch Evangelios
Skramparas fanden in
KFC-Keeper Lenz ihren
Meister.
Aber auch wenn ihm diese
Klatsche mächtig stank,
sieht Reimann sie als
wichtige Etappe im
notwendigen
Reifungsprozess seiner
Elf: „Die Jungs müssen
begreifen, dass jeder
Zweikampf entscheidend
ist, egal wo auf dem
Rasen er stattfindet.“
Am Sonntag bei Olaf
Thons VfB Hüls schon
können die Herner
beweisen, dass sie diese
erste Lektion der Saison
kapiert haben. Es dürfte
nicht die letzte sein.
Quelle:
WAZ
Herne